Autor:
Lars Becker

Adidas und Vaude versprechen auf Rundgang große Veränderungen

Entwicklungsminister Müller kündigt auf OutDoor by ISPO Nachhaltigkeits-Label an

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kündigt auf der OutDoor by ISPO die Einführung des ersten staatlichen Nachhaltigkeits-Labels an. Große Firmen wie Adidas und Vaude machen spektakuläre Versprechen.

Bundesminister Dr. Gerd Müller (Mitte) im Gespräch mit Klaus Dittrich (r.), dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Messe München GmbH.
Bundesminister Dr. Gerd Müller (Mitte) im Gespräch mit Klaus Dittrich (r.), dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Messe München GmbH.

„We’re in business to save our home planet” – unter einer Patagonia-Leuchtreklame mit diesen passenden Worten begann am zweiten Tag der OutDoor by ISPO der Nachhaltigkeits-Rundgang von Bundesminister Gerd Müller.

Er endete mit der Ankündigung, dass am 9. September in Berlin endlich der grüne Knopf eingeführt wird – das erste staatliche Siegel für fair und ökologisch produzierte Kleidung. Dazu gab es einen flammenden Appell von Müller an die zahlreichen Zuhörer im CSR Hub in der Halle B6 bei seiner Keynote: „Wir haben diese Natur nur einmal. Deshalb müssen wir uns gerade Outdoor nachhaltig bewegen. Es kommt darauf an, dass jeder verantwortlich und fair lebt.“

Nachhaltigkeit: Messechef Dittrich freut sich über politische Unterstützung

Zu den Begleitern des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gehörte auf seiner gut zweistündigen Visite auf der OutDoor by ISPO natürlich auch Klaus Dittrich.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe München freute sich über den prominenten Besuch bei der Premiere von Europas größter Outdoor-Messe in München: „Die Outdoor-Branche hat sich genau wie die Messe München ganz besonders dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Da hilft solche hohe, politische Unterstützung natürlich ganz besonders.“

Adidas will bis 2024 komplett auf Neuplastik verzichten

Dieser Rundgang brachte aber viel mehr als politische Lippenbekenntnisse. Einige der Unternehmen machten im Gespräch mit Bundesminister Müller spektakuläre Zusagen zum Thema Nachhaltigkeit.

Am Stand von Adidas kündigte Vorstandsmitglied Roland Auschel an, dass die Weltmarke mit den drei Streifen bei der Produktion „ab 2024 komplett auf den Neuplastik verzichten“ wird. Der Minister schaute sich beeindruckt einen Schuh der komplett aus recyceltem Plastik und Meeresmüll hergestellten „Parley“-Produktreihe an und fand nur ein Wort: „Top.“

Auch Vaude glänzt als „Champion“

Auch bei Vaude zeigte sich Gerd Müller beeindruckt von einer Outdoor-Jacke, in der Holzfasern verarbeitet werden, damit die Verschmutzung der Meere mit Mikroplastik gestoppt wird. Vaude-Chefin Antje von Dewitz kündigte im Gespräch mit dem Minister zudem an, dass ihre Firma als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit bis 2024 alle Sachen „entweder mit einem Anteil von mindestens 50 Prozent an recyceltem Material oder Naturprodukten“ herstellen wird.

Vom Bundesminister wurden Vaude und Adidas daraufhin als innovative „Champions“ bezeichnet, die Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit seien. Vaude wird mit seiner populären Produktlinie „Green Shape“ auch eines der Unternehmen sein, die aller Voraussicht als Pioniere den Grünen Knopf erhalten werden.

 

Grüner Knopf als wichtiges staatliches Label für Nachhaltigkeit

Bis zu 50 Unternehmen aus der Textilindustrie bewerben sich um das erste staatliche Label für Nachhaltigkeit in der Branche. Für von Dewitz ist der „grüne Knopf“ genau wie die Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation wichtig für eine nachhaltige Zukunft der Branche.

„Wir kommen in der Outdoor-Industrie nicht vorwärts, weil bisher alles Engagement freiwillig ist. Dabei sind wir ein großer Mitverursacher von Problemen wie dem Klimawandel, Mikroplastik in den Meeren oder dem Artensterben“, so von Dewitz. „Wir müssen aber Teil der Lösung dieser Probleme werden. Und der Konsument muss erkennen, wie er dazu beitragen kann.“

Model Meier ruft zu verantwortlichem Kleidungskauf auf

Dass es dabei neben einem Umdenken bei den Marken der Outdoor-Branche auch auf das Verhalten jedes einzelnen Konsumenten ankommt, unterstrich Barbara Meier. Das bekannte Model ist die Textilbotschafterin des Bundesministeriums und war die Begleitung von Bundesminister Müller auf dem OutDoor by ISPO-Rundgang.

„Immer mehr Konsumenten wollen mit gutem Gewissen kaufen. Für mich ist es so etwas wie ein Goldgräberspiel, nachhaltige Kleidung für mich zu finden“, so Meier. Ihr Outfit beim Messe-Rundgang war jedenfalls komplett fair & ökologisch hergestellt.

Model Barbara Meier (Mitte) begleitete den Bundesminister auf seinem Besuch der OutDoor by ISPO.
Model Barbara Meier (Mitte) begleitete den Bundesminister auf seinem Besuch der OutDoor by ISPO.

Bundesminister Müller an der Nähmaschine

Bundesminister Müller hatte jedoch nicht deshalb besonderes Vergnügen an seiner Visite auf der OutDoor by ISPO. Vielmehr war er sichtlich begeistert von den Bemühungen von einigen Marken in Sachen Nachhaltigkeit. Besonders lange verbrachte er auf dem Stand von Deuter.

Geschäftsführer Martin Riebel kündigte an, dass seine Firma ab 2020 komplett auf den Einsatz des klimaschädlichen PFC bei der Rucksack-Produktion verzichten wird. Anschließend plauderte Gerd Müller angeregt mit einem Mann an einer Nähmaschine. Das Versprechen der Firma Deuter eines weltweiten und lebenslangen Reparaturservice ist nämlich auch ein kleiner Baustein zur Rettung unseres Planeten.

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Lars Becker
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