Gunnar Jans ist Chefredakteur von ISPO.COM
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Gunnar Jans, Chefredakteur ISPO.com

ISPO Munich 2018 hat gezeigt, wie Digitalisierung geht: CEO Klaus Dittrich zieht Bilanz

„ISPO ist eine ungeheure Kommunikationsmaschine“

2801 Aussteller in 16 Hallen ziehen 84.000 Besucher aus 120 Ländern an – das sind die Fakten der ISPO Munich 2018, dem weltweit wichtigsten Treffpunkt der Sportartikelbranche. Die Geschichten hinter den Zahlen: Die Digitalisierung des Handels, neue Segmente im Ski- und Snowsports und die Veränderung im Outdoor-Markt haben die ISPO Munich 2018 geprägt. Im B2B-Bereich ist mit ISPO Digitize ein neues Format gestartet, im B2C lieferte die erste ISPO Munich Sports Week dem Endverbraucher Einblicke in die Welt der Innovationen. 

Klaus Dittrich ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München.
Klaus Dittrich ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München.

Im Interview mit ISPO.com zieht Klaus Dittrich der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe München, seine persönliche Bilanz und interpretiert die Zahlen und Fakten des offiziellen Abschlussberichts.

ISPO.com: Herr Dittrich, wie fällt die Bilanz des CEO der Messe München zur ISPO Munich 2018 aus?
Klaus Dittrich: Zunächst einmal kann ich vorausschicken, dass wir in Europa dieses Jahr einen fantastischen Winter haben, der die Branche schon weit vor der ISPO Munich in positive Stimmung versetzt hat. Auch die Abverkaufszahlen der Industrie sind dementsprechend erfreulich. Insofern kamen viele Aussteller schon sehr gut gestimmt zur ISPO Munich selbst. Wir haben mit 2801 Ausstellern auch ein hervorragendes Ergebnis erzielt: mehr Fläche und mehr Aussteller als vergangenes Jahr. Dieser Zuwachs freut uns ganz besonders – weil er zeigt, dass die ISPO Munich weiter großes Potenzial hat.

Sie haben auf die großen Veränderungen im Sportbusiness reagiert – und neue Schwerpunkte gesetzt.
Ich glaube, dass wir bei der Themenwahl absolut richtig lagen – indem wir die Digitalisierung ins Zentrum der ISPO Munich gestellt haben. Wer durch die 16 Hallen gegangen ist, hat es selbst erlebt: Es gibt so viele digitale Produkte, digitale Trends – von Virtual Reality und Augmented Reality über alle Arten von Wearables bis hin zur Präsentation am Point of Sale. Wir haben mit ISPO Digitize dafür einen spannenden Hotspot ins Zentrum der Messe gepflanzt, und wir freuen uns, dass die Besucher dort Schlange standen, um zu schauen, was da passiert. Das zeigt uns: Unser Weg ist der absolut richtige.

Adidas macht auch bei ISPO Digitize im Sommer mit

Welches Feedback haben Sie bekommen auf diesem neuen Weg?
Es gab wirklich durchweg und ausnahmslos extrem positive Rückmeldungen. Angefangen mit unserem Partner adidas – der nach 12 Jahren auf die ISPO Munich zurückgekehrt ist und jetzt auch mit einer eigenen Fläche hier ist, auf der er zwar keine Produkte zeigt, aber seine digitalen Lösungen. Adidas sagt, dass ISPO für sie wieder eine spannende, attraktive Plattform ist und dass sie auch im Sommer bei der ersten ISPO Digitize am 28./29. Juni mitwirken wollen.

Und natürlich hat das auch deren Wettbewerber auf den Plan gerufen – also die ganz Großen der Sportbrache, die von dem einen oder anderen auf der Messe immer wieder vermisst werden und die jetzt hier waren, sich unseren Digitalisierungs-Ansatz angesehen haben und jetzt auch überlegen, ob sie nicht auch unsere Plattform nutzen wollen. Weil sie zukunftsorientiert ist, weil sie mit uns eine Reichweite generieren können, die sie allein oftmals im B2B-Bereich nicht erreichen, obwohl es sich um Weltkonzerne handelt. Das stimmt uns schon sehr zuversichtlich, dass wir da einen richtigen Weg gegangen sind.

Messechef Klaus Dittrich: Es kommt niemand an der Digitalisierung vorbei

Das Adidas Symposium auf der ISPO Digitize Area hat der Branche einen ersten Impuls geben können. Sie hatten spannende Referenten zu Gast – wie fällt Ihr persönliches Fazit des ISPO Digitize Auftakts aus?
Ich habe mich sehr über die Resonanz gefreut. Es war voll, alle Plätze waren besetzt, es standen noch viele Zuhörer außen herum. Die Erkenntnis: Es kommt niemand an der Digitalisierung vorbei. Sie wächst, zwar spät, aber sie wächst.

Dass Adidas jetzt auch wieder auf eine Messe geht, die für die Fachhandelsbesucher gemacht ist, zeigt auch, dass man bei aller Digitalstrategie eben doch auf die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel setzt. Und ich hoffe, dass der Fachhandel dieses Angebot annimmt und auch die Informationsmöglichkeiten der ISPO, um gemeinsam die vielen positiven Aspekte der Digitalisierung auch wirklich zu nutzen und die Branche weiter voranzubringen.

„ISPO ist mehr als das Davos der Sportartikelbranche“

Adidas Vertriebsvorstand Roland Auschel hat auf der Veranstaltung zu ISPO.com gesagt: Jede Branche, jede Industrie braucht einen Ort, ein Zentrum der Debatte. Und in der Sportartikelindustrie könne das, weltweit betrachtet, nur ISPO sein. Die Botschaft wird Ihnen gefallen.
Ja, sehr. ISPO ist eigentlich schon mehr als das Davos der Sportartikelbranche – weil die Leute nicht nur zusammensitzen und irgendwelchen Rednern zuhören, sondern weil sie ihre Marken auch hier präsentieren und inszenieren. Das ist ein ganz großer Mehrwert, weil man viele Innovationen sieht und weil nicht nur die Großen da sind, sondern auch viele kleine. Wir feiern hier die ja 30. Auflage von ISPO Brandnew und freuen uns über viele kleine, faszinierende Startups, die über ISPO einen erfolgreichen Eintritt in den Markt geschafft haben. Auch das macht den Reiz unserer Plattform aus, die längst nicht mehr in erster Linie eine Order-Plattform ist.

ISPO ist eine Kommunikationsplattform, ein Netzwerk und eine Plattform, um sich und seine Marke auch zu inszenieren. Es sind rund 2.000 Journalisten hier, die über uns berichten, es kommen Sportgrößen wie Felix Neureuther, Javier Martinez vom FC Bayern und Manuel Neuer, der neun Millionen Follower hat und auch aktuell von der ISPO Munich in seinen Netzwerken berichtet hat, wir haben eine enorme Reichweite mit ISPO.com – das ist schon eine ungeheure Kommunikationsmaschine.

Ständig am Puls der Branche - und auch mal mutig sein

ISPO Digitize wird ein eigenes Event im Sommer – was erwartet die Teilnehmer dort?
Ich bin sicher, dass der Markt unser neues Konzept gut annehmen wird. Wir haben uns sehr gefreut, dass Adidas bestätigt hat, dass auch der CEO Kasper Rorsted dabei sein wird. Und wir wollen nicht nur Redner aus der Sportbranche haben, sondern auch andere Bereiche, die digital unterwegs sind, bei uns reinstrahlen lassen – ob das nun die Versicherungsbranche ist, die sich gerade extrem digitalisiert, oder ein Automobilhersteller, der die digitale Welt nutzt. Es muss am Ende aber immer ein Mehrwert haben für die Teilnehmer und den Sportfachhandel. Ich denke, das wird der erste Aufschlag für eine Plattform, die noch sehr bedeutend werden und wachsen wird.

Outdoor ist bei der ISPO Munich gut aufgehoben

Der Outdoor Bereich entwickelt sich weiter positiv?
Outdoor ist bei der ISPO Munich gut aufgehoben und in den letzten Jahren stetig gewachsen. Wir, und das ist ja kein Geheimnis, haben uns auch beworben, der Outdoor-Messe in München ab dem Sommer 2019 eine neue Heimat zu geben.

Ich glaube, dass wir - und das sieht die Branche selbst ja auch so - an einem neuen Verständnis von Outdoor arbeiten müssen. Die fließenden Übergänge hin zum Thema Wassersport, zum Running, zum Thema Fitness bis hin zum fashionorientierten Bereich ­– das ist das Umfeld, das Outdoor auf ISPO groß gemacht hat.

ISPO Munich Sports Week für Endverbraucher: Hersteller und Handel profitieren

Profitieren kann von der ISPO Munich jetzt auch der Endverbraucher – und zwar unmittelbar: Mit der ISPO Munich Sports Week haben Sie die Fachmesse in die Stadt gebracht zu den Konsumenten.
Auch das ist ein Neustart, ja. Wir hatten einen tollen Auftakt mit dem ISPO Munich Night Run, bei dem über 500 Teilnehmer am Start waren – eine wunderbare Atmosphäre. Ich bin mir sicher, da werden nächstes Jahr noch viel mehr Leute mitlaufen.

Und es ist es vor allem gelungen, die Fachhändler aus der Stadt dafür zu gewinnen, ganz verschiedene Aktivitäten anzubieten, um die Menschen zu motivieren, auch mal andere Sportarten selbst auszuprobieren wie Biathlon oder Headis - oder überhaupt mit dem Sport anzufangen. Das ist ein schöner Nebeneffekt einer internationalen Fachmesse, der die Beteiligung an dieser Messe auch für die Hersteller noch gewinnbringender machen kann.

Und wie profitiert der Handel davon?
Wir haben ja schon immer festgestellt, dass es viele Verbraucher gibt, die ganz heiß drauf sind zu erfahren, welche Neuigkeiten auf der ISPO Munich gezeigt werden. Und diese Begehrlichkeit fördert natürlich auch die Kaufbereitschaft. Und wenn jetzt der Handel die Möglichkeit bekommt, auf den Schaufenster die Marke ISPO zu nutzen und den Kunden schon mal einen kleinen Einblick davon zu geben, welche Innovationen in der nächsten Saison auf dem Markt kommen – dann ist das genau das, was den Endverbraucher anspricht.

Gunnar Jans ist Chefredakteur von ISPO.COM
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