Jasper Ruppert
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Jasper Ruppert

Spielerberater über Fußball-Expansion im Reich der Mitte

„China? Für durchschnittliche Spieler interessant“

Dem Kaufrausch folgt Ernüchterung: Chinas Fußball-Liga, die Chinese Super League, hat nach Rekordausgaben in dreistelliger Millionenhöhe im Transfersommer 2017 trotz Gerüchten um Stars wie Pierre-Emerick Aubameyang oder Diego Costa kleine Brötchen gebacken: Nur rund 25 Millionen Euro legten die Klubs für neue Spieler auf den Tisch. Die Ruhe vor dem nächsten Sturm oder ein Paradigmenwechsel?

Das Team von Guangzhou Evergrande mit dem kolumbianischen Superstar Jackson Martinez (hinten, dritter v.r.).
Das Team von Guangzhou Evergrande mit dem kolumbianischen Superstar Jackson Martinez (hinten, dritter v.r.).

Im Gespräch mit ISPO.com spricht Gregor Reiter (Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung DFVV) über Chancen und Gefahren für den europäischen Spielermarkt.

ISPO.com: Hohe Gehälter als Motivation, das ist nachvollziehbar. Aber worauf muss sich ein europäischer Spieler auf der negativen Seite einstellen?
Gregor Reiter: Für Fußballer gibt es Risiken, wenn man in fußballerisch exotische Länder geht. Das war in der Vergangenheit in Länder wie Katar oder dem Iran der Fall und gilt jetzt auch für China: Der extreme Kultur-Unterschied macht vielen zu schaffen. Aber besonders das Finanzielle kann für Ärger sorgen: Oftmals hatten die Spieler in der Vergangenheit Probleme, an ihr Geld zukommen. Deswegen sollte ein Ziel sein, möglichst sichere Zahlungswege und Zahlungsvereinbarungen vertraglich zu vereinbaren.

Dr. Gregor Reiter
Dr. Gregor Reiter ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung e.V. (DFVV). 2005 wurde er Deutscher Meister im Unterwasserrugby.

Welche konkreten Gefahren sehen Sie?
Besonders wenn es sportlich nicht läuft, tendiert die Zahlungsbereitschaft bei vielen Exoten gegen null. Die Ansprüche kann man dort vor Gericht – wenn überhaupt – nur mit hohem finanziellen Aufwand durchsetzen – da ist China sicher keine Ausnahme. In manchen Ländern kann es zudem Probleme bei der Ausreise geben, wenn man sich mit dem Arbeitgeber nicht einigen konnte.

„Der Arbeitsmarkt wird jetzt global“

Welche Art Charaktere zieht es dann nach China?
Ob so ein China-Abenteuer für einen Spieler etwas ist, ist abhängig von Typ und sportlicher Perspektive. Einen aktuellen deutschen Nationalspieler würde ich fragen: Was willst du in China? Wenn aber ein durchschnittlicher Bundesligaspieler, der keine großen Karriereaussichten mehr hat, plötzlich sechs statt eineinhalb Millionen Euro verdienen kann – dann ist das eine andere Hausnummer und man muss sich mit so einem Angebot auseinandersetzen.
Am Ende des Tages geht es auch darum, dass der Berater eine Karriere von maximal 15 Jahren so managt, dass der Spieler bei Beendigung seiner Karriere zumindest über eine solide finanzielle Basis verfügt.

Was bedeutet dieser Trend für die Spielerberater, die Sie ja vertreten?
Die Arbeit der Berater wird sich weiter verändern, was aber nicht ausschließlich mit China zu tun hat. Der Arbeitsmarkt, der ohnehin schon sehr international ist, wird jetzt global. Bisher lag der Fokus auf Europa; die Berater der nächsten 15 Jahre werden auf die ganze Welt gucken müssen. Das hat mit den USA in der jüngeren Vergangenheit schon angefangen.

In welchen Bereichen müssen die Berater sich also neu aufstellen?
Was zum Beispiel eine weitere Herausforderung ist: Die Vermarktung der Spieler wird sich von den klassischen Medien verschieben hin zu den sozialen Netzwerken. Das sieht man bereits an Cristiano Ronaldo, der die erste Social-Media-Marke der Welt ist. Bei einer Sache kann ich die deutschen Fußballfans aber beruhigen: Wir werden in naher Zukunft sicher keinen deutschen Nationalspieler in China erleben.

Hier erklärt Spielerberater Jörg Neblung, wann und warum Spieler aus den europäischen Top-Ligen den Angeboten aus China nicht mehr widerstehen können.

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