Florian Pertsch
Autor:
Florian Pertsch

Wie die Sportartikelmesse aus der „Markensteinzeit“ zum globalen Leader wurde

15 Jahre ISPO Beijing: Messe in China feiert Jubiläum

15 Jahre Wandel, Wachstum und Innovation. Tobias Gröber von der Messe München und Alex Koska, CEO Fenix Outdoor AB, blicken auf mehr als ein Jahrzehnt Messe-Abenteuer im Milliarden-Markt China zurück und geben ihre Einschätzung, wohin die Reise der ISPO Beijing gehen wird.

Gefüllte Messehallen sind bei der ISPO Beijing eine Selbstverständlichkeit.
Gefüllte Messehallen sind bei der ISPO Beijing eine Selbstverständlichkeit.

Mehr als 30.000 Besucher, 463 Aussteller und 745 Marken – so las sich die stolze Bilanz der ISPO Beijing 2018. Noch etwas beeindruckender wirken die Zahlen, wenn man einen Blick zurückwirft. Zurück zu den Anfängen eines ambitionierten Messeprojekts, das am 14. März 2005 erstmals ins Leben gerufen wurde.

Ein Erfolg wie 2018 war erst nicht abzusehen

Die erste Ausgabe, damals noch als „ispo china – 1st International Tradeshow for Sports, Fashion and Lifestyle Brands“ dem Publikum vorgestellt, fing deutlich bescheidener an. Und auch zwei Jahre später, als die erste „ISPO china winter“ ihre Türen öffnete, war ein Erfolg wie der in 2018 nicht abzusehen. 300 nationale und internationale Marken stellten damals aus.

„Mit der ISPO china winter 2007 wollen wir den überwältigenden Erfolg der ISPO winter 2007 in München fortsetzen. Wir möchten mit unserer Erfahrung unseren Teil dazu beitragen, den Winter- und Outdoor-Sport in China weiter zu entwickeln“, erklärte damals Manfred Wutzlhofer, ehemaliger Geschäftsführer und Senior Repräsentant der Messe München International.

China als Zukunftslabor für On- und Offline Retail

Einer, der seit den Anfängen dabei war und auch heute noch ein Teil des ISPO Beijing Teams ist, ist Tobias Gröber. Der Geschäftsbereichsleiter Konsumgütermessen bei der Messe München fasst die Entwicklung der Messe in Chinas Hauptstadt kurz und prägnant als Reise aus „der „Markensteinzeit“ zum globalen Omnichanel Leader, on- und offline“ zusammen.

„Vor 15 Jahren war China noch weit hinter den westlichen Märkten zurück, und heute ist es das globale Zukunftslabor“, beschreibt Gröber die Entwicklung: „Wir sind mit unseren Teams in Europa und China so eng wie möglich am Markt. Wir wollen draußen bei Marken, Händlern und Opinion Leadern sein, um mit der Geschwindigkeit Schritt zu halten und Zukunftsakzente zu setzen, um die Entwicklung der Sportbranche auch in China zu beschleunigen.“

2010 sah auch das Logo noch etwas anders aus.
2010 sah auch das Logo noch etwas anders aus.

Olympische Spiele 2008 in Beijing

Einen Schub erfuhr die Messe 2008, als Peking die Olympischen Sommerspiele ausrichtete und so den Fokus der internationalen Sportbranche noch ein wenig mehr auf sich lenken konnte. „Uns war damals bereits klar, dass mit dem Zuschlag für die Spiele die Sportbegeisterung in China zunehmen wird und die Regierung entsprechende Programme für Infrastruktur, Schulsport oder auch Marketing für Sport aufsetzen wird“, so Gröber.

Die Annahmen des ISPO Teams sollten sich als zutreffend erweisen. Die chinesische Bevölkerung entdeckte im Rahmen der Olympischen Spiele tatsächlich den Sport für sich und es entwickelte sich ein neuer Markt mit riesigem Potenzial.

Nach ihrem Grundprinzip „Accelerating sports“, konnte ISPO so auch nach dem sportlichen Großereignis in Beijing weiter wachsen und lockte stetig neue Aussteller an. „Das ISPO-Team der Messe München geht die Dinge professionell und langfristig an. Insofern war das eigentlich überhaupt keine Frage ob, sondern nur wie wir an der ISPO Beijing teilnehmen und uns darstellen“, sagt Alex Koska, CEO der Fenix Outdoor AB, zu der unter anderem die Outdoor-Brand Fjällraven gehört.

Rasantes Markttempo in China

„Wir haben am Anfang natürlich ein paar Fehler gemacht, in Distribution, Positionierung und Einschätzung der Verteilung online/offline, eigene Läden vs. Großhandel. Aber trotzdem hatten wir bereits nach vier Jahren große Erfolge in Bereichen, die wir so gar nicht geplant hatten“, so Koska über die ersten Erfahrungen in einem komplett neuen Mark. Eine Lernphase, die auch das Messe-Team selbst durchmachen musste, denn in China läuft einfach alles etwas schneller ab.

Outdoor- und Running-Boom beschleunigt sich in China

„Was bei uns im Westen 20-25 Jahre dauert, beispielsweise der Outdoor- oder Running-Boom und deren Konsolidierung läuft in China in ca. fünf bis zehn Jahren ab“, bestätigt Tobias Gröber Koskas Erfahrungen. Ein Anpassungsprozess, den sowohl internationale als auch nationale Marken durchlaufen müssen. Um die Unternehmen bei dieser anspruchsvollen Aufgabe nicht allein zu lassen, unterstützt die ISPO Beijing die Brands mit zahlreichen Extraangeboten wie dem Market Introduction Program for China.

Und auch die ISPO Business Solutions ISPO Brandnew oder ISPO Award wurden über die Jahre in China implementiert, um das komplette Portfolio und den gesamten Service der ISPO in Peking und auch auf der ISPO Shanghai zu bieten.

Tmall und WeChat – die Zukunft in China

Für Koska kam 2013 der wirkliche Durchbruch, „als Wettbewerber, Journalisten, Kunden und Berater, sowie große Fernsehsender an unseren Stand kamen und wissen wollten, was unser Erfolgsgeheimnis ist. Da wurde uns schon klar, dass wir einige Dinge richtiggemacht haben, wenngleich diese so nie geplant waren“. Eine von vielen Erfolgsgeschichten, die über die Jahre auch internationale Schwergewichte wie Burton, Oakley oder Rossignol sowie junge aufstrebende Unternehmen wie PYUA oder Rico Lee China dazu brachte, als Aussteller an der ISPO Beijing teilzunehmen.

Größer, internationaler – und auch nationaler durch mehr chinesische Aussteller – außerdem immer professioneller: Die ISPO Beijing „ist erwachsener geworden, aber das ist schon gut so“, fasst Koska die letzten 15 Jahre zusammen und gibt eine Einschätzung, worauf es in den nächsten Jahren ankommen wird: „Mehr noch als in allen anderen Märkten ist China geprägt von Monomarkenläden in Shopping Centern und Department Stores auf der einen, Onlineplattformen – insbesondere Tmall – auf der anderen Seite. Hinzu kommt, dass ein extrem großer Teil der Kommunikation, bis hin zur Bezahlung, über soziale Netzwerke wie WeChat abläuft.“

Eine bedeutende Rolle im chinesischen Markt haben aus Gröbers Sicht, „die Konsumenten und hier ganz besonders die Key Opinion Leaders und Consumer Experts“.

Olympia 2022 ist das nächste große Sportevent

Angesichts des rasanten Tempos in China eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Jedoch ist sich Gröber sicher, dass das Konsumenteninteresse und die Sportbegeisterung – auch befeuert durch Regierungsprogramme – weiter steigen wird.

Zusätzlich wirft das nächste große Sportevent in China bereits seit einiger Zeit seine Schatten voraus. 2022 richtet Beijing erneut Olympische Spiele aus, diesmal die Winterspiele. 300 Millionen Chinesen sollen bis dahin aktiv Wintersport betreiben.

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