Author:
Monika Ludwig

Währung im Influencer-Marketing: Von Wertschätzung bis Eventeinladung

Das erwarten Sport-Blogger und Influencer von Kooperationen

Geld, Reisen, exklusive Einladungen oder Produkte? Seit Influencer-Marketing fester Bestandteil im Mediamix vieler Firmen ist, wird darüber diskutiert und spekuliert, wie eine angemessene Gegenleistung auszusehen hat. Für alle, die mit Influencer-Marketing liebäugeln, hat ISPO.com bei Sport-Influencern und  -Bloggern nachgefragt. Diese fünf Punkte sind der Grundstein einer erfolgreichen Partnerschaft.

Influencer aus dem Lifestyle- und Sportbereich lassen sich nicht allein mit Produkten bezahlen.
Influencer aus dem Lifestyle- und Sportbereich lassen sich nicht allein mit Produkten entlohnen.

Gefragt nach den wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche Partnerschaft im Influencer-Marketing, nannten Blogger am häufigsten fünf Punkte:

  • Gegenseitige Wertschätzung
  • Absprachen auf Augenhöhe
  • Langfristige Partnerschaften und Markenfit
  • Angemessene Bezahlung
  • Exklusiven Erlebnisse und Events

Zu Wort kamen Blogger und Influencer aus dem Fitness-, Lifestyle- und Outdoorsportbereich, die allesamt auf mindestens zwei Plattformen ihre Follower ansprechen. Instagram ist klar die Nummer eins, gefolgt vom klassischen Blog und YouTube Kanal. Darunter Lifestyle-Bloggerinnen wie Linda, Julia, Rebecca oder Caroline, deren Posts regelmäßig von mehreren Tausend Menschen gelesen und geliked werden. Im Outdoorsegment setzen die Munich Mountain Girls Maßstäbe im Bereich Outdoor & Frauen, während sich bei Cindy und Marlen die Fans des (Trail-)Running tummeln. Im Bereich Ski und Freeride ist YouTube ein gefragter Kanal. Deshalb steckt etwa Tobias von AlpineFex sehr viel Zeit in hochwertige Videos.

Blogger, Vlogger und Influencer tummeln sich viele im Netz. Am Anfang einer jeden Kooperation steht demnach die Frage nach dem sogenannten Markenfit. Hat man den erstmal festgelegt, geht es darum, die richtigen BloggerInnen zu identifizieren.

Von Vlogger bis Social Creator: Den passenden Influencer finden

Influencer, Blogger, Vlogger, Testimonial, Multiplikator oder Social Creator? Aus Markenperspektive mag es auf den ersten Blick nicht besonders wichtig erscheinen, tatsächlich verbirgt sich hinter den verschiedenen Bezeichnungen ein erster möglicher Fallstrick, der entscheidet, ob eine Kooperation gelingt oder nicht.  

Vor allem die inflationäre Begrifflichkeit Influencer, ist den „Einflussnehmern“ selbst ein Dorn im Auge, weil er mittlerweile sehr negativ, ja fast schon abwertend konnotiert ist, bestätigen Linda und Julia Breuing, die sich selbst als (Social) Content Creator bezeichnen.

Der Grundstein einer guten Partnerschaft liegt demnach in der gegenseitigen Wertschätzung und die beginnt bei der adäquaten Berufsbezeichnung, insbesondere wenn MultiplikatorInnen hauptberuflich als solche tätig sind.

Vertrag und genaue Absprachen sind Pflicht

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Wunsch nach klaren Absprachen und Kommunikation auf Augenhöhe. Bei einer Partnerschaft mit Bloggern handelt es sich um eine Geschäftsbeziehung und die sollte mit derselben Ernsthaftigkeit begangen werden, wie mit allen anderen Dienstleistern, Kunden und Partnern auch. Dazu gehören ein Vertrag oder zumindest festgelegte Rahmenbedingungen per E-Mail oder Post-It. Das erleichtert das Leben beider Parteien sagt Marlen von Trail Kitchen und ergänzt: „Wenn Marken einfach eine Jacke schicken mit der schwammigen Bitte ‚mach einfach was damit‘, dann ist niemandem geholfen.“ Für Fabiola ist eine gute Abstimmung vorab auch die Basis für konstruktives Feedback und das wiederum unumgänglich für eine erneute gute Zusammenarbeit.

Influencer verstehen sich als Markenbotschafter

Heute hier, morgen da. Das Vorurteil, Blogger würden wie ein Fähnchen im Wind die Marken(unterhosen) wechseln, bestätigt sich nur sehr selten. Lifestyle-Bloggerin Rebecca sieht sich als Markenbotschafterin der beworbenen Produkte, hinter denen sie ganz und gar steht und betont: „Eine derart positive Zusammenarbeit kommt dann zustande, wenn Marken an mich herantreten, die augenscheinlich wissen, was und wer hinter dem Kanal steht und nicht nur geblendet sind von einer hohen Followerzahl“.

Diese Entwicklung beobachten auch Mikro-Blogger wie Cindy: „Wir werden zwischenzeitlich von großen Marken ebenso ernst genommen, wie die 100.000-Follower schweren KollegInnen, weil die Firmen erkennen, dass sie bei uns fast keinen Streuverlust haben.“ Attraktiv sind Mikro-Blogger demnach für Marken mit geringerem Budget oder als Startmöglichkeit.

Geld statt Produkte für Blogger & Co.: „Kein Mensch braucht fünf Jacken“

Apropos Budget – ja, in der Regel fließt Geld. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass (Haupterwerbs-)Blogger ihre Wohnungen und Fixkosten nicht mit Jacken und Hosen bezahlen können. Jules von den Munich Mountain Girls bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: „Kein Mensch braucht fünf Jacken. Viel wichtiger ist ein gemeinsames Brainstorming und eine adäquate Umsetzung, die dann je nach Aufwand und Arbeitszeit entlohnt wird“. Caroline Kynast räumt in dem Zusammenhang ein, dass bei langfristigen Partnerschaften nicht jeder Post auf die Waagschale gelegt wird und sie bei stimmigen Partnern, die vielleicht wenig Budget haben, auch schon mal eine Ausnahme macht.

Events und Insights sind interessante Lohn-Alternative für Blogger

Last but not least sind Events und Insights interessante Gegenleistungen für Blogger. So schwärmt Killian noch heute von einer unbezahlten Partnerschaft mit einem Getränkehersteller, die ihm exklusiven Zutritt zu den Special Olympics beschert hat. „Horizonterweiternd“ nennt Rebecca von Pineapple and Pumps derlei Benefits, bei denen auch sie auf klassische Bezahlung verzichtet.

Neben exklusiven Erlebnissen spielen natürlich auch Events eine Rolle, auf denen sich Influencer untereinander austauschen können. Dazu gehört seit 2017 auch die ISPO Blogger Lounge, die Jahr für Jahr wächst und zum Branchentreff innerhalb des Branchentreffs wird.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Blogger/Markenbotschafter/Influencer wollen so behandelt werden wie jeder Partner im Geschäftsleben. Verhandeln ist erlaubt, aber Preisdumping oder das Abspeisen mit Produkten führt nicht zum langfristigen Erfolg.

Author:
Monika Ludwig
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