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 Nachhaltigkeit bei Outdoorbrands: „Die beste Zeit ist jetzt!“
Nachhaltigkeit | 05.05.2017

Wie Eco-Responsibility der Marke nützt

Outdoorbrands und Nachhaltigkeit: „Die beste Zeit für den Start ist jetzt!“

Nachhaltigkeit bei Outdoorbrands: „Die beste Zeit ist jetzt!“. Outdoor Brands werden am Thema Nachhaltigkeit laut Joel Svedlund zukünftig nicht vorbeikommen (Quelle: Imago)
Outdoor Brands werden am Thema Nachhaltigkeit laut Joel Svedlund zukünftig nicht vorbeikommen
Bild: Imago
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Sport- und Outdoorbrands sollten sich umfassend mit Nachhaltigkeit beschäftigen, warnt Experte Joel Svedlund aus der ISPO AWARD Jury. Die wichtigsten Schritte verrät der Fachmann für Eco Responsibility im Interview.

Vor ein paar Jahren, waren nachhaltige Unternehmen Außenseiter, dann waren sie Trendsetter, inzwischen ist das Thema Nachhaltigkeit inmitten der Sport- und Outdoorbranche angekommen.

Wollen Sie die Eco Responsibility Ihres Brands beim ISPO AWARD unter Beweis stellen? Hier gibt es alle Infos zum Gütesiegel der Sport-Industrie >>>

Nachhaltigkeitsziele stimmig in eine Unternehmensstrategie einzubinden, das ist gar nicht so einfach. Doch dafür gibt es Experten wie Joel Svedlund. Der Schwede ist Mitglied der Scandinavian Outdoor Group und berät Sport- und Outdoor-Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit.

Als Mitglied der ISPO AWARD Jury im Bereich Eco Responsibility ist Svedlund im Interview mit ISPO.com überzeugt, dass Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsstrategie langfristig auf dem Markt keine Chance mehr haben werden – und nennt triftige Gründe. 


Eco-Responsibility setzt pro-aktives Handeln voraus

ISPO.com: Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, gibt es unheimlich viele Bereiche, in denen sich Unternehmen engagieren können. Sie können beispielsweise PFC-frei produzieren, das Thema Life-Cycle oder die CSR in den Vordergrund stellen, recycelte Fasern nutzen und, und, und. Wie wichtig ist vor diesem Hintergrund eine umfassende Firmenphilosophie, die alle Aspekte integriert?
Joel Svedlund: Ich denke, dass ein strategischer Ansatz beim Thema Nachhaltigkeit zentral ist. Das gilt für einzelne Unternehmen und für die gesamte Entwicklung beim Thema Nachhaltigkeit.

Ohne eine strategische Denkweise werden Unternehmen nur reagieren, zum Beispiel auf Trends oder Warnungen aus den Medien, auf Gesetzesänderungen oder wenn NGOs bestimmte Themen auf die Tagesordnung setzen.

Mit einem strategischen Ansatz können sie dagegen pro-aktiv handeln und sind so dem ‚Alarmismus’ einen Schritt voraus. Gleichzeitig können Outdoorbrands die Themen gewinnbringend in ihre Geschäfte einbringen und sicherer kommunizieren.

Nachhaltigkeits-Experte Joel Svedlund ist Mitglied der ISPO AWARD Jury. (Quelle: Joel Svedlund)
Nachhaltigkeits-Experte Joel Svedlund ist Mitglied der ISPO AWARD Jury.
Bild: Joel Svedlund

 

Nachhaltigkeit wird ein Schlüsselfaktor für Unternehmen

Besonders in der Outdoor-Branche wird Umweltengagement inzwischen sehr geschätzt. Denken Sie, dass Outdoor-Firmen ohne dieses Engagement noch erfolgreich sein können?
Auf kurze Sicht mag das noch möglich sein, aber langanhaltender Erfolg ohne auf das Thema Nachhaltigkeit einzugehen, wird zunehmend schwerer zu erreichen sein. Kommunikationstechnologien und Transparenzanforderungen legen Details aus der Wertschöpfungskette offen.

Gesetzgebung und Industriestandards heben jedes Jahr die Messlatte, wenn es um Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit geht. Ohne Commitment werden Unternehmen ständig von neuen Anforderungen und Rückschlägen getroffen werden. Das wird mit der Zeit den Unternehmenserfolg stark beeinträchtigen.

Die EU-Chemikalienverordnung, REACH, wirkt bereits auf Unternehmensinhaber ein, die ein unzureichendes Chemikalienmanagement haben. Da die EU im Bereich der Kreislaufwirtschaft und in der Produktkennzeichnung involviert ist, wird es aus Compliance-Sicht schwer sein, dies zu ignorieren.

Nachhaltigkeit für Unternehmen: Mit einfachen Mitteln starten

Für Unternehmen bedeutet es einen großen Aufwand gewissermaßen unter rollendem Rad eine Nachhaltigkeitsstrategie in ihr Unternehmenskonzept zu implementieren. Wie und wann sollten Unternehmen damit beginnen?
Die beste Zeit für den Start ist jetzt! Und der wichtigste Schritt ist der nächste Schritt! Mein Vorschlag wäre es, mit einfachen Mitteln zu starten und währenddessen Wissen aufzubauen.

Es geht darum Informationsquellen zu finden, die in das Gebiet einführen und gleichzeitig den Arbeitstag nicht überladen. Für Unternehmen allgemein würde ich vorschlagen, eine sehr einfache Ausgangsbewertung vorzunehmen. Das kann vom Management mit Hilfe eines Experten innerhalb eines halben Tages durchgeführt werden.

Das Ergebnis ist meist eine Liste an Anforderungen und Ideen und reicht oft, um die Geschäftsentwicklung einer kleinen Firma in Richtung mehr Nachhaltigkeit für die nächsten zwei bis drei Jahre zu bestimmen.

Lesen Sie hier: Diese Label stehen für Nachhaltigkeit in der Sportindustrie

VIDEO: Nachhaltigkeit im Sportbusiness

Blinde Flecken eliminieren: So erreicht man Nachhaltigkeit

Sie sind in der ISPO AWARD Jury für Eco Responsibility – dadurch haben Sie einen vielfältigen Einblick in Unternehmen und ihre Öko- und Nachhaltigkeitsstrategien. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Schritte, die ein Unternehmen in diesem Bereich machen muss?
Zunächst geht es um die Basics: Unternehmen müssen ihre blinden Flecken eliminieren, sonst werden sie sie irgendwann einholen.

Der Schlüssel ist die Nachverfolgbarkeit: Unternehmensverantwortliche sollten ihre ganze Wertschöpfungskette kennen, mit all ihren Herausforderungen. Sie müssen mehr über die Herkunft ihrer Materialien lernen, sie müssen herausfinden, wie die Arbeitsbedingungen bei all ihren Handelspartnern sind.

Wenn das geschehen ist, sollte das Unternehmen die wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen angehen und Methoden finden, wie diese weiterverfolgt werden können und dazu ein Frühwarnsystem einrichten. Wenn erstmal eine gute Grundlage in diesem Bereich gesichert und Wissen aufgebaut ist, dann kann es daran gehen innovative, neue und coole Lösungen zu entwickeln. Schließlich kann das Sport- / Outdoor-Unternehmen jeden wissen lassen, wie gut es ist.

Welche Aspekte werden für Unternehmen in der nahen Zukunft am wichtigsten, wenn es um ökologische Verantwortlichkeit geht?
Hier gibt es so viele Aspekte und die Dringlichkeit ist je nach Unternehmen und Wertschöpfungskette unterschiedlich. Hier einige Beispiele:

  • Chemikalienmanagement ist zentral. Das wachsende Wissen über die negativen Effekte verschiedener Substanzen führt zu einer strengeren Gesetzgebung. Um Funktionalität zu gewährleisten, sind wir aber auf Chemikalien angewiesen.
  • Mikroplastik wird zu einem immer wichtigeren Thema werden - für alle die Plastik nutzen, sei es in der Verpackung, in Textilien, Sohlen, Reifen usw.
  • An jedem Punkt der Wertschöpfungskette ist das Thema Müllvermeidung wichtig.
  • Um die globale Erwärmung zu stoppen, müssen fossile Energien in der Herstellung und beim Transport der Produkte ersetzt werden.
  • Für Baumwollnutzer sind die Themen Wassermangel, Bodenqualität und chemische Verschmutzung elementar.


Eco Responsibility beim ISPO AWARD

Neben den ganzen ‚normalen’ Kategorien wie ‚Action’, ‚Outdoor’ usw. – warum ist es so wichtig, beim ISPO AWARD eine Kategorie für ‚Eco Responsibility’ zu haben?
Wir müssen den derzeitigen ‚state of the art’ in einem Bereich, der sich derzeit sehr schnell entwickelt, zeigen. Nachhaltigkeit ist heutzutage eine der Hauptantriebskräfte für Innovation.

Mit einer Industrie, die einen dringenden Wandel hin zu einer besseren Kreislaufwirtschaft und mehr Nachhaltigkeit vollziehen muss, wird diese Entwicklung für eine vorhersehbare Zukunft weitergehen. Wenn wir ein paar Jahre vorausschauen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Nachhaltigkeit ein vorgeschriebener, integraler Bestandteil in den Bewertungen für alle ISPO AWARD Kategorien sein wird.

Momentan sieht es so aus, dass die Industrie etwas Zeit braucht, um sich daran anzupassen. Während dieser Transformation ist die Kategorie Eco Responsibility sehr hilfreich, um die besten Bemühungen in diesem Bereich auszuzeichnen und bekannt zu machen.

Eco Responsibility, Action, Outdoor usw. für jedes Sportprodukt gibt es den passenden ISPO AWARD. Bewerben Sie sich jetzt für das Gütesiegel der Sport-Industrie >>>

 (Quelle: CK)
Ein Beitrag von Claudia Klingelhöfer, Autorin
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