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 CSR für China: „Auf keinen Fall wie Oberlehrer benehmen“
Nachhaltigkeit | 24.04.2017

Kommunikationsstrategien für nachhaltige Marken

CSR in China: Was Brands for Good bei der ISPO SHANGHAI vorhat

CSR für China: „Auf keinen Fall wie Oberlehrer benehmen“. Frank Lohse (r.) bringt Brands for Good nach China.
Frank Lohse (r.) bringt Brands for Good nach China.
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Made in China – dieses Label ruft bei vielen europäischen Konsumenten eher negative Assoziationen hervor. Dabei gibt es auch in China zahlreiche Sportartikel-Hersteller, die bei ihrer Produktion auf Nachhaltigkeit achten und eine CSR-Strategie verfolgen. Die Münchner Initiative Brands for Good möchte diesen Firmen auf der ISPO SHANGHAI zu mehr Sichtbarkeit verhelfen.

Unter Corporate Social Responsibility (CSR) wird im Allgemeinen eine nachhaltige Produktion, gute Arbeitsbedingungen für Angestellte und eine soziale Verantwortung gegenüber der Gesellschaft verstanden. Brands for Good hebt diese Prinzipien in Zusammenarbeit mit Unternehmen hervor und versucht durch Events, Artikel oder Messeauftritte – wie erstmals auf der ISPO SHANGHAI 2017 (6. bis 8. Juli) – einen Beitrag, zu einer besseren Wirtschaftswelt zu leisten.



Vielfältige CSR im Sport Business

Die Projekte variieren vom Sammeln alter Wintersport-Ausrüstungen, welche anschließend in die entlegensten Regionen Kirgisistans an Skilehrer verschenkt werden bis hin zur sinnvollen Reststoff-Verwertung großer Sportartikel-Hersteller wie Volcom, Burton oder Arcteryx.

ISPO.com sprach mit Frank Lohse, Gründer von Brands for Good, über den Begriff Corporate Social Responsibility, wie Konsumenten ihren Beitrag leisten können, und was sich sein Unternehmen vom ersten Auftritt auf der ISPO SHANGHAI in China erwartet.


Frank Lohse im Interview

ISPO.com: Herr Lohse, wie kam es zu der Idee für Brands for Good und letztlich dann zum Schritt von der ISPO MUNICH zum ersten Auftritt auf der ISPO SHANGHAI 2017?
Frank Lohse:
Brands for Good ist aus der Fragestellung heraus entstanden, warum Unternehmen gewisse soziale Projekte nicht öffentlich machen. Besteht Angst vor Green Washing oder sind sie schlicht und ergreifend nicht wichtig genug? Es gibt viele Projekte, die nicht nur Wirtschaftszahlen in den Fokus stellen, sondern den holistischen Ansatz der Corporate Social Responsibility abdecken.

Nachhaltige Produktion, Arbeitsbedingungen für Angestellte oder soziale Verantwortung gegenüber der Gesellschaft – das alles ist CSR. Diesen Projekten wollen wir helfen, sichtbarer zu machen. Auf der Messe in München findet diese Idee bereits großen Anklang. Jetzt hoffen wir, in China ein ähnliches Interesse für dieses Thema zu wecken.

Video: Nachhaltige Ideen auf der ISPO MUNICH

Was sollen die Ziele für Brands for Good auf der Multisegment-Sportmesse sein?
Für Brands for Good geht es darum, das Gelingen sozialer und nachhaltiger Projekte in den Vordergrund zu stellen, anstatt anzukreiden, was nicht gemacht wurde.

Wir haben ein großes Spektrum an Partnern:

  • kleine Initiativen, die Sonnenbrillen für die Bevölkerung in armen Regionen im Himalaya sammelt;
  • Firmen, deren Outdoor-Bekleidung nicht nur komplett PFC-frei ist, sondern auch zum Großteil durch Näherinnen eines sozialen Projektes in Kolumbien hergestellt werden;
  • und auch Big Player wie z.B. das „Birds Nest“-Projekt von Arc'teryx, bei dem freiwillige Mitarbeiter aus den hochwertigen Reststoffen Umhänge für Obdachlose in Vancouver nähen.

Auch mit Start-ups, die sich aktiv mit Lösungen für bestehende große Probleme beschäftigen, arbeiten wir sehr eng zusammen.

„Müssen in China behutsam vorgehen“

Wie laufen die Planungen für den ersten Auftritt?
Wir müssen bei unseren ersten Schritten in China ganz behutsam vorgehen. Es darf auf keinen Fall passieren, dass die Chinesen den Eindruck bekommen, hier kommen die Europäer mit dem erhobenen Zeigefinger und benehmen sich wie die Oberlehrer. Wir wollen eine verbindende Plattform sein, die selbstverständlich chinesische Unternehmen und Projekte einbindet.

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Wie sehr ist das Thema Corporate Social Responsibility in China bereits angekommen?
Es ist sicher keine Thematik, die bis zuletzt allerhöchste Priorität genossen hat, aber vor Kurzem hat die Regierung einige Maßnahmen ergriffen. Aufgrund der sinkenden Wirtschaftszahlen hat die Regierung eine komplette Neustrukturierung samt Milliardenprogramm vorgegeben und räumt den Themen „nachhaltige Entwicklung“ und „umweltschonende Produktionsweise“ einen viel größeren Stellenwert ein.


Was können Events wie die ISPO SHANGHAI an diesem Zustand verbessern?
Meine Erfahrungen von der ISPO MUNICH zeigen, dass sehr viele Menschen an diesem Thema interessiert sind. Viele Verbraucher wollen etwas ändern, sie brauchen nur die nötigen Informationen, um entsprechend handeln zu können.

CSR muss auch ein Stück weit als stylish und cool empfunden werden. Mit unserem Auftritt auf der ISPO SHANGHAI wird im ersten Schritt die Sichtbarkeit des Themas CSR erhöht. Für diese Möglichkeit sind wir sehr dankbar.

CSR: Geldeinsparungen möglich

Wie kann die Industrie das Thema CSR noch erfolgreicher vorantreiben?
Da gibt es viele Möglichkeiten, angefangen beim Einbinden der Mitarbeiter, die Motivation der Mitarbeiter und natürlich auch die Untermauerung der Firmenziele bei den Endverbrauchern.

Letztlich führen alle diese Maßnahmen auch zu einem Mehrwert in Form von Geldeinsparung. Burton Snowboards hat es zum Beispiel mit Hilfe ihrer CSR-Abteilung geschafft, 50 Prozent beim Verpackungsmaterials einzusparen. Dieser Transfer ist bei vielen Marktteilnehmern noch nicht vollständig angekommen. Darum wollen wir inspirieren, informieren und kommunizieren.

Frank Lohse (r.) erklärt die Philosophie von Brands for Good. (Quelle: Thomasen Photography)
Frank Lohse (r.) erklärt die Philosophie von Brands for Good.
Bild: Thomasen Photography

Und welche Möglichkeiten hat letztlich der Verbraucher?
Information ist das Allerwichtigste – und das gilt natürlich nicht nur für den Sportartikel-Bereich. Je mehr ein Verbraucher über das Thema CSR weiß, desto bewusster kann er seine Kaufentscheidung treffen.

Und es geht schon bei den kleinen Dingen los: Muss man zum Beispiel seinen Latte Macchiato immer mit einem Plastikstrohhalm trinken? Bezogen auf Sportbekleidung: Wo, wie und unter welchen Bedingungen wird ein Produkt hergestellt? Welches Produkt kaufe ich? Wie kommuniziere ich diese Informationen? In Asien haben die Unternehmen da möglicherweise noch etwas Nachholbedarf.

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Was muss am Ende passiert sein, dass die ISPO SHANGHAI aus Ihrer und aus der Sicht von Brands for Good ein Erfolg wird?
Wir wollen im ersten Schritt, dass sich Menschen treffen können, die Dinge verändern und bewegen wollen. Wir möchten einen gemeinsamen Network- und Meeting-Point schaffen, an dem Gemeinsamkeiten entstehen können.

Das Ziel muss sein, dass wir mit unserem Auftritt in Shanghai so viele Besucher und Aussteller wie möglich erreichen und dadurch hoffentlich das Thema CSR nicht als lästig empfunden wird, sondern als Investition für die Zukunft, als Mehrwert für das Unternehmen, für die Mitarbeiter- und Kundenbindung und letztlich auch für die Gesellschaft verstanden wird.

Mehr über Brands for Good erfahren Sie auf der offiziellen Homepage und bei Facebook.

Video: Ideen zu einem aktiveren Leben


Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
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