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 Intersport und Sport 2000 starten Digital-Angriff auf Amazon
Sportbusiness | 28.03.2017

E-Commerce, Click & Collect und RFID-Technologie halten Einzug

Intersport und Sport 2000 starten Digital-Offensive gegen Amazon & Co.

Intersport und Sport 2000 starten Digital-Angriff auf Amazon. Intersport und Sport 2000 starten eine Digital-Offensive (Quelle: Intersport)
Intersport und Sport 2000 starten eine Digital-Offensive
Bild: Intersport
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E-Commerce, Click & Collect, RFID-Technologie – die großen Sporthändler-Verbünde Intersport und Sport 2000 kämpfen mit einer Digital-Offensive gegen große Online-Händler wie Amazon. Die Kombination aus stationärem Geschäft und Internet-Business ist künftig ein Muss.

Bei Sport 2000 haben etwa zwei Drittel der 974 Händler bislang einen Facebook-Account. Der verbliebene Rest soll mit sanftem Druck davon überzeugt werden, dass die sozialen Medien ein wichtiger Mosaikstein für die Zukunftssicherung sind.

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„Den Wechsel auf digitale Medien müssen unsere Unternehmer nicht zwangsweise machen, jedoch haben wir mit Lieferanten Werbe-Budgets bei Order bestimmter Warenpakete vereinbart. Da diese Unterstützung an die Kampagnen-Umsetzung auf Social-Media-Kanälen gebunden ist, würde ein Händler natürlich auf einiges verzichten, wenn er nicht auf Facebook wirbt“, sagt Kommunikationschef Hans Allmendiger zu ISPO.com.

Facebook-Werbung statt Prospekte

Im Gegensatz zur klassischen Prospekt-Werbung könne man dort mit vergleichsweise wenig Geld vor allem die jüngere Zielgruppe viel zielschärfer erreichen: „Dort kann ich zum Beispiel 13- bis 30-jährige Fußballer im Umkreis von 15 bis 20 Kilometern um das Geschäft ohne große Streuverluste ansprechen.“


Online-Riesen wie Amazon oder der Sport-Discounter Decathlon nutzen diese Vorteile schon lange konsequent aus. Sie haben es als straff und zentral organisierte Unternehmen freilich viel einfacher als die großen Sporthändler-Verbünde Sport 2000 und Intersport.

Hier müssen die Interessen und Charaktere der vielen und so unterschiedlichen Händler unter einen Hut gebracht werden. Bei der Intersport-Gruppe sind es 1.800 Geschäfte in den sechs Ländern mit einem Jahresumsatz von über 3,5 Milliarden Euro.

Digital: Erst Lidl, jetzt Intersport

Aber auch bei der weltgrößten Sporthändler-Gruppe ist längst die Erkenntnis gereift, dass der „Umbau zur digital geprägten Retailorganisation“ eine Pflichtaufgabe ist. Deshalb steht laut Vorstandschef Kim Roether in den nächsten drei Jahren „die größte Umbauphase der Geschichte an“. Dafür wurde extra die Intersport Digital GmbH gegründet und mit Carsten Schmitz ein Chief Digital Officer verpflichtet.

Er hat schon für den Discounter Lidl das Digitalgeschäft aufgebaut und wirkte danach acht Monate als Omnichannel-Chef bei Rewe. Bis zum Sommer will Schmitz eine kooperative Händlerplattform für den E-Commerce aufgebaut haben.

Kim Roether ist Vorstandschef von Intersport (Quelle: Intersport)
Kim Roether ist Vorstandschef von Intersport
Bild: Intersport

Intersport baut neues Logistikzentrum

Intersport sucht per Anzeigen Shopware-Entwickler und steht unter enormen Erfolgsdruck: Laut „Heilbronner Stimme“ fuhr die Intersport-Gruppe mit ihren digitalen Aktivitäten in den vergangenen Geschäftsjahren wohl auch durch nötige Investitionen jeweils einen Millionenverlust ein. Zahlreiche Mitglieder forderten daraufhin bei der Generalversammlung des Unternehmens am 20. März eine Erklärung vom Vorstand über die Online-Entwicklungen ein.

Mitte März 2017 erfolgte am Stammsitz von Intersport Deutschland in Heilbronn der erste Spatenstich für das neue Logistikzentrum. Das Hochregallager mit modernster Intralogistik ist die mit 40 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Einkaufsgenossenschaft.

So soll das erweiterte Logistikzentrum von Intersport aussehen (Quelle: AGN)
So soll das erweiterte Logistikzentrum von Intersport aussehen
Bild: AGN

Industrie 4.0 bei Intersport und Sport 2000

Das zeigt: Auch Intersport und Sport 2000 haben verstanden, dass sie etwas verändern müssen, um in der Industrie 4.0 überlebensfähig zu sein. Dazu zählt auch eine wesentlich intensivere Nutzung von Kundendaten.

„Die Online-Stores können genau die Reise des Kunden von einem Produkt zum anderen nachvollziehen. So sammeln sie viel mehr Daten – obwohl sie den Kunden nie gesehen haben“, sagt Allmendinger. Genau dort müssten die stationären Händler ansetzen: „Sie haben den persönlichen Kontakt mit den Kunden. Sie müssen viel mehr wissen und diese Daten müssen wir künftig systematischer nutzen.“

Kundendaten werden zentral erfasst

Deshalb will Sport 2000 künftig die Händler bei der Erfassung von Kundendaten unterstützen und entsprechende Tools als Service anbieten. Allmendinger: „Das ist eine klare Vision. Wir investieren in eine neue IT-Struktur und damit werden die Voraussetzungen dafür geschaffen.“

Auch bei Intersport werden die Abverkaufsdaten jetzt zentral gesammelt und die Kundeninformationen ausgewertet. Ziel sei es, „den Kunden noch besser zu verstehen“.

„Click & Collect“ als Erfolgsrezept

Ein verstärkter E-Commerce als verlängerte Ladentheke soll nur eine Ergänzung zur bestehenden stationären Ladenstruktur der großen Sporthändler-Verbünde sein. Beide Verbünde setzen auf „Click und Collect“ – das bedeutet, dass die Waren im Internet geordert, aber dann im Ladengeschäft abgeholt werden sollen.  Die große Trumpfkarte soll im Gegensatz zu den reinen Online-Händlern weiterhin die persönliche Beratung bleiben.

„Ich erwarte eine Zweiteilung: Stationär muss der Händler dem Kunden Mehrwerte bieten, wie Laufanalyse, Gesundheitsberatung, Bootfitting oder modische Mix&Match-Beratung“, sagt Allmendinger: „Geht es allein um ein bestimmtes Produkt zu einem guten Preis, wird sich diese Art von Kauf noch mehr online abspielen. Allerdings muss auch der stationär ausgerichtete Händler online präsent sein und die Kunden über diesen Kanal über sein Angebot informieren und in den Laden locken.“


Kostenloses WLAN als Lockmittel

Dort erwarten ihn dann in immer immer mehr Geschäften attraktive Video-Walls und freies WLAN. Damit jederzeit möglichst alle Waren verfügbar sind, fährt in Geschäften des bayerischen SPORT-2000-Großhändlers Schuh und Sport Mücke nachts ein Roboter durch das Geschäft, prüft die Bestände und gibt Hinweise auf nötige Bestellungen.

Möglich wird das durch die Ausstattung der Waren in den Läden mit einem Radio-Frequency Identification (RFID)-Chip. Auch das ist ein Beispiel für die Digitalisierung, bei der Sport 2000 aber auch die großen Sportartikelfirmen in der Pflicht sieht.

Allmendinger: „Flächendeckend könnten wir das dann einführen, wenn von Herstellerseite die Produkte mit einem Chip ausgezeichnet werden. Dann könnte auf der kompletten Supply Chain der Weg der Ware nachgezeichnet werden. Das wäre vor allem auch für Hersteller effizienter.“

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Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
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