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 So will Head auch als Bekleidungsmarke erfolgreich sein
Sportbusiness | 09.12.2016

Head-Geschäftsführer erklärt seinen neuen Kurs

Head-Textilchef Roman Stepek: Mit Ski und Tennis wieder Bekleidungsmarke werden

So will Head auch als Bekleidungsmarke erfolgreich sein. Roman Stepek ist seit Juli Geschäftsführer des Textilbereichs von Head. (Quelle: Head)
Roman Stepek ist seit Juli Geschäftsführer des Textilbereichs von Head.
Bild: Head
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Head plant einen neuen Kurs für seinen Textilbereich: Eine starke Kollektion für das Wintersportsegment Ski. Neben dem komplizierten Tennis-Markt ist dies die größte Herausforderung für Roman Stepek, den neuen Geschäftsführer für den Textilbereich bei Head.

Als sich Roman Stepek vor etwa einem Jahr bei Mountain Force, einer Schweizer Top-Brand für Skibekleidung, als CEO verabschiedete, war das für viele überraschend. Ein halbes Jahr lang hat er sich in die USA zurückgezogen und neue Pläne geschmiedet.

Seit Juli ist er der neue Kopf bei Head und hat die schwierige Aufgabe, die Textilkollektion der Traditionsmarke auf Augenhöhe mit der Hardware zu bringen. Wie der Textil-Experte die Aufgaben angeht, erklärt er im Interview mit ISPO.com.

ISPO.com: Sie haben im Juli Ihre neue Position bei Head angetreten. Was hat Sie an der Position gereizt?

Roman Stepek: Der Eigentümer von Head, Johan Eliasch, ist an mich herangetreten, weil er jemanden gesucht hat, der die Bekleidung übernehmen könnte. Im Bereich Hardware ist Head schon lange sehr gut aufgestellt, jetzt will Eliasch mit Head auch in der Bekleidung Fuß fassen. Das ist in den letzten Jahren nie gelungen. Ich glaube an das Potenzial der Marke, deshalb habe ich mich darauf eingelassen.

Der Sportartikelhersteller Head wurde 1950 gegründet.
Der Sportartikelhersteller Head wurde 1950 gegründet.

Eine Casual-Kollektion für Tennis und Ski

Es soll also demnächst wieder eine sichtbare Textilkollektion von Head geben? Wie ist Ihre Strategie?
Es geht um die Segmente Tennis und Ski. In beiden Sportarten spielen wir in der Hardware in der obersten Liga, wir kommen also ganz klar aus dem Wettkampfsport und unterstützen da die besten Athleten der Welt. Das müssen wir nutzen und auf unsere Bekleidung ummünzen. Es ist klar, keiner braucht eine neue Bekleidungsmarke, schon gar nicht im Ski, aber mit Head als starker Hardware-Marke sehe ich auch gute Möglichkeiten für die Bekleidung.

Was wollen Sie bei der neuen Head-Kollektion anders machen?
Der ganze Kollektionsaufbau und die Anbindung an das Design der Hardware werden ganz neu sein. Bisher war es so, dass zwischen Hardware und Textil keine Verbindung bestand, dabei kann man mit der Hardware zusammen gerade im Handel wunderbare Bilder erzeugen. Das heißt, das Design der Hardware wird sich in den Taschen, den Schuhen und auch in der Kollektion irgendwie wiederfinden.

Es wird Outfits für Wettkämpfe geben, fürs Training und auch für die Reise, denn alle begeisterten Sportler sind viel unterwegs, und dafür gab es noch keine Produkte. Diese Casual-Kollektion, die wir Essential nennen, wird es für Tennis und Ski geben.


„Tennis ist im Fachhandel weggestorben“

Wie genau soll die aussehen?
Es gibt T-Shirts, Tights, Tops, und alles soll nach dem Mix & Match Prinzip mit der regulären Kollektion harmonieren um es miteinander merchandisen zu können. Wir produzieren die Kollektion in der Türkei, wo wir mit wesentlich schnelleren Leadtimes arbeiten und daher schneller reagieren können.

Wie sieht es im Bereich Tennis aus? Das Thema ist im Fachhandel nicht mehr sehr angesagt.
Klar, das Thema Tennis ist im Fachhandel in den letzten Jahren weggestorben. Das heißt aber eben nicht, dass niemand mehr Tennis spielt. Wir verkaufen unsere Kollektion in Zentral- und Osteuropa zu 55 bis 85 Prozent über den Handel in Tennisclubs und Tennisvereinen, und das sehr erfolgreich. Wir steigerten das Tennisgeschäft in den letzten Jahren zweistellig. Tennis ist nicht mehr so präsent, aber man darf es nicht unterschätzen. 2015 und 2016 waren insgesamt Rekordjahre für die Marke.

Wird es im Tennis saisonale Kollektionen geben?
Das Clubgeschäft läuft anders als im klassischen Fachhandel. Man arbeitet nicht so sehr saisonbezogen. Insgesamt ist eine Kollektion drei Jahre lang aktuell – es gibt eine Basic-Kollektion die durchläuft, und die wird jedes Jahr mit neuen Farben ergänzt. Die Ware ist bei unseren Handelspartnern auch nicht auf der Fläche präsent, sondern wird in der Regel über den Katalog verkauft und bei Bedarf, zum Beispiel ein halbes Jahr später, nochmals nachgeliefert.

Mit Yeti, Fisch und Schnitzel: So helfen die Head Athleten bei der Ski-Herstellung mit

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Werden wir dann auch Top-Athleten sehen, die in Head bei Wettkämpfen auftreten?
In der Tennis-Hardware sind wir bereits Marktführer, im Bereich Bekleidung ist das aber nicht finanzierbar, da werden ganz andere Summen bewegt als in der Hardware. Im Bereich Tennis orientieren wir uns an jungen Spielern bis Ranking 200, die wir von Kopf bis Fuß einkleiden.

Zurück zum Ski. Im Skisport passiert gerade das gleiche wie vor Jahren im Tennis. Macht es Sinn, überhaupt eine neue Skikollektion herauszubringen?
Der Markt schrumpft und damit ist auch klar, dass wir mit Head andere verdrängen müssen. Mit unserer Kompetenz im Hardware-Bereich sind wir beim Kunden ohnehin schon fest mit dem Sport verankert, darin sehe ich eine große Chance. Unser Fokus liegt auf den Märkten Zentraleuropa, USA, Kanada und Osteuropa. Es gibt kein bestehendes Kundennetz für die Skibekleidung, wir sind in dem Bereich ein 100-prozentiges Start-up.

Head-Textil-Chef: „Ski ist ein schwieriges Pflaster“

Wie wollen Sie die Kollektion aufbauen?
Ski ist ein wesentlich schwierigeres Pflaster. Wir werden die Kollektion in zwei Gruppen aufteilen, in Race und die Hauptkollektion. Mit Race sprechen wir in erster Linie die junge Zielgruppe mit knalligen Drucken wie Camouflage an. Race wird eine längere Lebensdauer haben, also etwa zwei bis drei Jahre aktuell bleiben und so auch Vereinen angeboten. Auch da wird es Kooperation mit der Hardware geben. Die Hauptkollektion wird eine sehr konzentrierte Kollektion sein, mit maximal 40 Teilen inklusive Accessoires. Dafür wird es ein neues Stoffkonzept geben, kerniger, kräftiger und mit neuen Schnitten. 

Außerdem will ich mich bei den Hosen auf wenige Fits konzentrieren, also statt fünf oder sechs soll es nur zwei geben. Alles andere ist zu kompliziert, für den Kunden und den Händler. Wichtig ist, dass auch hier wieder der Outfit-Gedanke aufgegriffen wird, also die Kombinierbarkeit aller Styles und das Merchandising. Was die Gliederung angeht: Etwa 25 Prozent soll topmodisch sein, da dürfen wir nicht sparen und brauchen einen Wow-Effekt, 50 Prozent soll Core sein und 25 Prozent Basic.

Die Ski der Stars

In welcher Preisklasse spielt die neue Kollektion?
In der Mittelpreisklasse. Das heißt, eine Skijacke wird zwischen 300 und 600 Euro kosten, eine Skihose zwischen 250 und 450 Euro. Wir haben erkannt, dass es in dieser mittleren Preisklasse eine Designlücke gibt.

Sie haben in den letzten Jahren bei Mountain Force und Kjus Premium Skikollektionen entwickelt, jetzt müssen Sie genauer auf die Kosten schauen. Wie finden Sie das?
Ich war in der Vergangenheit schon verwöhnt. Jetzt ist es viel schwieriger, ein Teil zwischen 300 und 600 Euro zu entwickeln, das gut aussieht und auch hält. Interessant ist ja, dass die Kunden einen höheren Anspruch an die Haltbarkeit der Teile haben. Die nutzen die Kollektion nämlich wirklich zum Skifahren! Man muss jetzt schon schauen, was ist produktionstechnisch machbar, und ist jedes Detail nötig. Aber genau das finde ich jetzt spannend.


Gerade wird die längst überfällige Diskussion darüber geführt, wie man auf die Saisonverschiebungen reagieren soll. Sie haben in der Vergangenheit gesagt, die immer früheren Auslieferungen machen keinen Sinn. Wie wollen Sie bei Head das Problem angehen?
Im Skibereich schwebt mir vor, erst im Zeitraum vom 1. bis 15. Oktober auszuliefern, die Essential-Kollektion früher. Ich hoffe, das gelingt mir. Es wäre an der Zeit, das zu versuchen. Denkbar wäre auch, den Stadt- und den Ressortgeschäften andere Farben anzubieten, damit eben in den Städten nicht schon alles rabattiert ist, bevor am Berg überhaupt die Saison anfängt. 

Mein erklärtes Ziel ist es auch, einem Stoffkonzept über mehrere Saisons treu zu bleiben, damit die Hose vom Vorjahr noch zur Jacke aus der neuen Kollektion passt. Ich glaube, dass sich die Mode verlangsamt. 


Dr. Regina Henkel (Quelle: Dr. Regina Henkel)
Ein Beitrag von Regina Henkel, Autorin
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