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 Sherpa Adventure Gear: Firma punktet mit Himalaya-Herkunft
Outdoor | 30.11.2016

Outdoor-Ausrüstung made in Nepal

Sherpa Adventure Gear: So hilft das Himalaya-Unternehmen seiner Heimat

Sherpa Adventure Gear: Firma punktet mit Himalaya-Herkunft. Die Tradition ist bei Sherpa tief im Unternehmen verwurzelt. (Quelle: Sherpa)
Die Tradition ist bei Sherpa tief im Unternehmen verwurzelt.
Bild: Sherpa
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„Eine kleine Marke kann die Welt verändern“ – das ist das Motto einer sehr speziellen Outdoor-Firma: Sherpa Adventure Gear kommt aus Nepal und produziert auch zu großen Teilen in dem von einem verheerenden Erdbeben gebeutelten Land im Himalaya. Wichtiger Teil der Firmenphilosophie ist das Thema soziale Verantwortung.

„Konkurrenzfähige Outdoor-Produkte made in Nepal, dem Land mit den höchsten Bergen der Welt. Getestet von echten Sherpas. Dazu kann man noch etwas für das Thema soziale Verantwortung tun“, meint Wolfgang Jahn, lange schon in der Branche tätig und nun Europa-Verkaufsleiter bei Sherpa Adventure Gear. „Diese Story ist nicht schlagbar.“

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Tatsächlich hat seine Firma ein für andere unerreichbares Alleinstellungsmerkmal: 85 Prozent der Produkte werden in Nepal (der Rest wird in Vietnam produziert) gefertigt – dem Sehnsuchtsort des Bergsteigens im Himalaya, dem Zuhause des Mount Everest – und eben der Sherpas.

Nachkomme von legendärerem Sherpa

Die Firma wurde 2003 von einem Nachkommen einer der berühmtesten Sherpa-Dynastien des Himalaya-Reichs ins Leben gerufen. Der Onkel von Firmengründer Tashi Sherpa, Ang Gyalzen Sherpa, gehörte 1953 zur historischen Expedition von Sir Edmund Hillary auf den Mount Everest. Dieser wurde durch die historische Erstbesteigung des höchsten Berges der Welt rund um den Globus berühmt.

Die eigentlichen Helden waren – wie bei so vielen Expeditionen von Bergsteigern auf die höchsten Gipfel des Erdballs – jedoch die Sherpas. Viele der Führer und Lastenträger starben über die Jahre bei ihrem Job. Und ihre Familien standen weitgehend mittellos und allein da.

Auch um ihnen und den vielen Arbeitslosen in Nepal eine Perspektive zu geben, gründete Tashi Sherpa seine Firma. Im Jahr 2015 beschäftige Sherpa Adventure Gear 1532 Menschen in Nepal. Von jedem verkauften Teil der Kollektion gehen 25 Cent in einen Fonds, der armen Kindern den Zugang zu Bildungseinrichtungen ermöglicht.

Made in Nepal verkauft sich immer besser

26 Kinder bekommen inzwischen diese Unterstützung und die Zahl dürfte weiterwachsen. Sherpa-Produkte „made in Nepal“ verkaufen sich von Jahr zu Jahr besser. In Deutschland kann man die Jacken, Pullover oder handgestrickten Mützen bei inzwischen 100 Fachhändlern erwerben, der Umsatz liegt bei 2,5 Millionen Euro.

Inzwischen ist ein privater Geldgeber eingestiegen, der das weitere Wachstum der Firma aktiv vorantreibt. Sherpa soll in ganz Europa zu einer In-Marke werden, sagt Wolfgang Jahn. „Wir sind auf einem guten Weg, wollen weiter gesund und nachhaltig wachsen.“


„Die ISPO MUNICH als weltweit wichtigste Messe ist eine wichtige Bühne für uns, der ISPO Award hat uns geholfen, uns besser zu vermarkten. In einer Zeit, in der die vielen guten Produkte austauschbar geworden sind, bieten wir mit unseren ‚nepalisierten‘ Produkten den besonderen Touch. Es sieht einfach schön aus und dazu kann man noch Gutes tun. Jeder kennt den Namen Sherpa und verbindet ihn mit Outdoor-Erlebnissen und einmaliger Natur“, sagt Jahn.

Folgen des schlimmen Erdbebens von 2015

Nepal wird aber nicht nur mit Sherpas oder den bunten Gebetsfahnen verbunden. Das arme Land im Himalaya wurde 2015 von einem katastrophalen Erdbeben erschüttert. Fast 9000 Menschen starben.

„Fast jeder Angestellte von Sherpa war irgendwie betroffen – entweder hat er Verwandte verloren oder sein Eigentum. Es war ein Riesenschock fürs ganze Land, auch unsere Produktion kam vier bis sechs Wochen zum Stillstand“, berichtet Jahn.

Aber das Naturereignis löste auch eine gewaltige Welle der Hilfsbereitschaft aus: In Europa sammelte die Firma Sherpa Adventure Gear über 250.000 Euro an Spendengelder, die über Tashi Sherpa direkt in Nepal an Bedürftige verteilt wurden. „Das Land leidet noch heute unter dem Touristeneinbruch. Man kann nur sagen: Kommt nach Nepal, um die Ökonomie wieder in Gang zu bringen“, sagt Jahn.

Absolutes Alleinstellungsmerkmal: 85 Prozent der Produkte von Sherpa werden in Nepal gefertigt. (Quelle: Sherpa)
Absolutes Alleinstellungsmerkmal: 85 Prozent der Produkte von Sherpa werden in Nepal gefertigt.
Bild: Sherpa

Zumindest die Bergsteiger-Szene hat sich schon wieder etwas vom Einbruch nach dem Erdbebenjahr 2015 erholt. In diesem Jahr waren laut Jahn allein aus Deutschland vier deutsche Bergsteiger rund um den Mount Everest unterwegs.

Auch das schwierige Verhältnis zwischen den finanzkräftigen Bergsteigern und den armen Sherpas, die in den vergangenen Jahren sogar zu Schlägereien am Berg führte, habe sich wieder entspannt.

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Wolfgang Jahn erklärt: „In der Regel war es früher so, dass die Sherpas keine Versicherungen hatten und im Todesfall vielleicht 500 Dollar an die Familien ausgezahlt wurden. Da ist der Staat rangegangen und hat für eine bessere soziale Absicherung der Sherpas gesorgt.“

Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
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