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 Salomon-Präsident: „Den Jungen das Smartphone abnehmen“
Outdoor | 24.11.2016

Vom Hersteller von Ski-Bindungen zur Outdoor-Marke

Salomon-Präsident Jean-Marc Pambet: „Outdoor heißt: Geht raus, habt Spaß!“

Salomon-Präsident: „Den Jungen das Smartphone abnehmen“. Salomon ist längst eine Outdoor-Company geworden: Trailrunning wird ein immer größeres Geschäftsfeld. (Quelle: Salomon)
Salomon ist längst eine Outdoor-Company geworden: Trailrunning wird ein immer größeres Geschäftsfeld.
Bild: Salomon
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Im Jahr 2017 feiert Outdoor-Ausrüster Salomon 70. Geburtstag. Salomon hat in all den Jahren eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht: Von der Ski-Marke zum Multi-Sport-Unternehmen, das den Fokus stark auf Outdoor richtet. 

Mit einer Social-Media-Offensive startet Salomon gerade gemeinsam mit seinen Athleten durch. Warum sich das Unternehmen längst vom Ursprungs-Produkt, der Skibindung, verabschiedet hat und wie Salomon den Outdoor-Markt einschätzt, erklärt Präsidenten Jean-Marc Pambet im Interview mit  ISPO.com am Firmensitz in Annecy.

ISPO.com: Monsieur Pambet, Sie arbeiten hier seit mehr als 30 Jahren. Wie kamen Sie zu Salomon?
Jean-Marc Pambet: Ich komme aus Paris, war oft zum Skifahren hier, und irgendwann musste ich mich zwischen zwei Jobs entscheiden: Hewlett-Packard oder Salomon. Ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen.

Sie haben noch mit Georges Salomon, der 2010 im Alter von 85 Jahren starb, zusammengearbeitet. Sein meistzitierter Satz heißt: „Ich bin fasziniert von dem, was ich morgen tun werde.“ Was für ein Typ war er?
Ein sehr fordernder, sehr energischer Chef. Immer am Testen, am Tüfteln, immer nah dran an seinen Produkten und an den Bedürfnissen des Kunden. Kein Geschäftsmann, überhaupt nicht. Der Schuh musste einfach funktionieren. Am Wochenende probierte er immer die neuen Prototypen aus, um sie am Montag dann gleich in der Firma zu optimieren – und damit das gesamte Unternehmen.

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Seit 30 Jahren bei Salomon und mittlerweile Präsident der Outdoor-Marke: Jean-Marc Pambet. (Quelle: Salomon)
Seit 30 Jahren bei Salomon und mittlerweile Präsident der Outdoor-Marke: Jean-Marc Pambet.
Bild: Salomon


Die Zukunft von Salomon: „Nach den Konsumenten richten“

Was ist Ihre Lieblings-Story aus dem Salomon-Kosmos? Was hat Sie so lange bei derselben Firma bleiben lassen?
Ganz klar: der Team-Spirit im Unternehmen. Ich hatte großartige Chefs, die mir schließlich auch die Möglichkeit gaben, in den Bereichen Sales sowie Produkt- und Business-Management-Verantwortung zu übernehmen. Ich fand und finde es toll, für eine Marke zu arbeiten, die die Regeln aufbrechen will, die nicht fragt „Warum?“, sondern „Warum nicht?“

Im kommenden Jahr wird Salomon 70. Wie hat sich die Marke entwickelt? Der neue Slogan heißt ja „Time to play“.
Die Zukunft der Marke liegt darin, sich nach den Bedürfnissen des Konsumenten zu richten. Und das sind derzeit: gehen, laufen und gleiten auf Schnee. Die Schlüsselwörter sind: Innovation, Performance, Qualität – und Spaß. Das ist unsere Positionierung: Wir wollen, dass die Leute draußen Spaß haben, sich mit der Natur verbinden können. Das wird künftig von großer Bedeutung sein. Und um draußen Spaß zu haben, braucht man eben eine gute Ausrüstung.

In den 70ern und 80ern stand Salomon vor allem für Ski-Bindungen. Die 727 war der Ferrari unter den Bindungen. Wie viel Prozent am Umsatz machen Bindungen heute noch aus?
Puh, keine Ahnung. Aber bestimmt weniger als zehn Prozent. Die Marke ist enorm gewachsen, ist eine Outdoor-Marke geworden.

Wo sehen Sie Salomon im aktuellen Markt?
Wir haben weltweit rund 2800 Mitarbeiter, unser Umsatz liegt knapp über 800 Millionen Euro – damit liegen wir zwischen großen Playern wie Adidas, Nike, Under Armour und den sogenannten Co-Brands. Wir bieten Equipment, Footwear und Kleidung, also von Kopf bis Fuß, von der Mütze bis zur Skispitze. Wir sind sozusagen einer der wenigen Multi-Sport-Spezialisten.

Seit 2008 werden Salomon-Ski nicht mehr in Frankreich hergestellt. In welchem Bereich verzeichnen Sie das stärkste Wachstum?
Ganz klar: Footwear. Dann folgen noch Wintersport mit Ski und Langlauf, doch dieser Bereich wird bald von der Kleidung überholt werden. Generell findet die Entwicklung aller Salomon-Produkte hier im Annecy Design Center statt, mit rund tausend Mitarbeitern. Hier entstehen sämtliche Prototypen, hier wird entwickelt, designt und getestet. Die Hardware wird in Osteuropa produziert, Footwear dagegen in Asien.

Salomon ist längst eine Multisegmentmarke: Von Ski über Outdoor bis zu Running. (Quelle: Messe München GmbH)
Salomon ist längst eine Multisegmentmarke: Von Ski über Outdoor bis zu Running.
Bild: Messe München GmbH

Stichwort B2C: Wie sind Sie im Bereich Internet-Shopping aufgestellt?
Wir haben seit 2005 zwar bereits fast 190 Läden weltweit eröffnet, demnächst auch einen mitten in Paris, aber zugleich auch eine IT-Abteilung installiert, da wir wissen: Wir müssen nah dran sein am Endverbraucher. Der Kunde verlangt diese Bindung zur Marke, auch via iPad und Smartphone. Wir müssen unsere Marke stärker in der Öffentlichkeit präsentieren. Salomon ist für viele immer noch ein Geheimnis. Das wollen wir ändern.

Salomon-Athletin Anna Frost in Papua-Neuguinea

Wie wichtig sind in dieser Hinsicht Testimonials wie Kilian Jornet, Emelie Forsberg oder Anna Frost ?
Die Athleten-Gemeinschaft ist sehr wichtig für uns. Über sie erreichen wir auch die Kinder und Jugendlichen in den Vereinen. Außerdem helfen uns diese Spitzensportler auch bei der Entwicklung der künftigen Produkte, sind unsere ersten Tester von Prototypen.

Beispiel Kilian Jornet: In seiner Heimat Spanien ist er fast so populär wie die Fußballer aus Madrid und Barcelona.
Ja, es ist unglaublich. Er war einer der Ersten, der Trailrunning auf die Landkarte gesetzt hat – und nun bringt er den Outdoor-Sport im Allgemeinen in eine Dimension, die niemand für möglich gehalten hat. Und das nicht nur in Spanien. Auch in China kennt man ihn.

Wie kam er zu Salomon?
Ein Mitarbeiter in Barcelona hat ihn vor 10, 15 Jahren entdeckt. Kilian war daheim in den Pyrenäen eigentlich Skitourengeher, hatte sich am Knie verletzt und begann mit Trailrunning nur, um wieder fit zu werden. Nach diesem Reha-Programm hat er aus Spaß an ein paar Rennen teilgenommen – und diese nicht nur gewonnen, sondern mit einem riesigen Vorsprung gewonnen. So begann seine einzigartige Karriere: völlig ungeplant.

Emelie Forsberg vereint Ski- und Outdoor-Sport: Ideal für Salomon

Seine Partnerin Emelie Forsberg, eine der weltbesten Trailrunnerinnen und Skibergsteigerinnen, ist sehr aktiv auf Facebook und Instagram. Wie wichtig ist Social Media?
Ein sehr wichtiger Kanal, natürlich. Wir schalten keine TV-Spots. Dort suchen die Leute nicht nach Outdoor-Marken. Jeder unserer Athleten hat seine eigene Art und Weise, seinen Sport in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Yesterday a short skimo race to push a little in the uphills, and today a super beautiful 28 km trail race! Good feelings! 1 st place in both ;) Photo: Ariño Visuals & Ski & run

Posted by Emelie Forsberg on Sonntag, 20. November 2016

Offline bieten die ISPO-Messen in München Shanghai und Peking die große Bühne. 
Das sind jedes Jahr große Momente! Alle großen Firmen treffen sich, was wichtig ist, da wir einen gemeinsamen Nenner brauchen. Die gesamte Outdoor-Industrie eint dasselbe Interesse: mehr Outdoor-Aktivitäten ermöglichen! Damit gäbe es mehr zu teilen, als sich gegenseitig zu bekämpfen. Natürlich sind wir Konkurrenten, aber in erster Linie sind wir auch die Miteigentümer der Outdoor-Zukunft.

Salomon wird laufend beim ISPO AWARD ausgezeichnet. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie?
Er ist die Anerkennung der Industrie für den Job, den die Marken machen. Also eher eine interne Sache, aber dennoch wichtig, vor allem für die Jungs und Mädels, die an der Entwicklung gearbeitet haben. Eine Art von Anerkennung, die wir unbedingt unterstützen sollten. 


„Die junge Generation dazu bringen, das Smartphone liegen zu lassen“

Wo sehen Sie die Outdoor-Industrie in den kommenden Jahren, nach all den Jahren des Wachstums?
Klar, es gibt ein Limit, das schnelle Wachstum liegt hinter uns. Wir müssen uns selbst so organisieren, dass wir das Wachstum auf einem „normalen“ Level halten. Die Frage ist ja: Wo beginnt Outdoor? Vor 20 Jahren war das Klettern und Bergsteigen. Und heute? Für mich ist Roadrunning in der Stadt eine Outdoor-Aktivität. Outdoor heißt: „Geh raus!“ Wir müssen vor allem die junge Generation dazu bringen, das Smartphone mal liegen zu lassen und vor die Tür zu gehen. Daher auch unser neuer Slogan „Time to play“. Es heißt nicht: „Geh raus, um zu leiden“, sondern um zu spielen und Spaß zu haben. 

Was wird das nächste „große Ding“ in der Outdoor-Welt? Vielleicht SwimRun?
Das ist spannend, mit Sicherheit. Das Prinzip Triathlon, übertragen in die Outdoor-Mentalität. Diese Multi-Sport-Aktivitäten sind stark im Kommen. Gerade die jungen Leute wollen mehrere Dinge zugleich machen: laufen, schwimmen, paddeln – warum nicht?

Ihr Produkt kann diese Sportarten vereinen? Oder ist auch nur in einem extraklasse? Dann bewerben Sie sich hier für den ISPO AWARD 2017>>>


Das ist Salomon:

Mitte der 60er erfand Georges Salomon, der Sohn des Firmengründers, die Ski-Sicherheitsbindung. Nach einem mäßig erfolgreichen Intermezzo im Besitz von Adidas gehört die Marke heute zum finnischen Unternehmen Amer Sports und ist nicht mehr nur im Ski-, sondern auch im Outdoorsport aktiv. Hier finden Sie die Geschichte des Sportartikelherstellers.

Ein Beitrag von Thomas Becker, Autor
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