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 Warum die Wintersportbranche umdenken muss
Wintersport | 06.10.2016

Möglicher Verkauf von K2, Völkl und Marker

ISPO-Director Tobias Gröber: „Die Wintersportbranche muss umdenken“

Warum die Wintersportbranche umdenken muss. Die Wintersportbranche steht vor großen Herausforderungen – die sie nur vereint bewältigen kann. (Quelle: Thinkstock)
Die Wintersportbranche steht vor großen Herausforderungen – die sie nur vereint bewältigen kann.
Bild: Thinkstock
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Traditionsmarken wie K2, Völkl und Marker stehen vor dem Verkauf durch Eigentümer Newell Brands. Das ist ein Warnzeichen für die gesamte Wintersportbranche, die sich jetzt konsolidieren muss. Ein Kommentar von Tobias Gröber, Director der ISPO Group.

Der Wintersport insgesamt steht aufgrund schlechter Witterungsbedingungen in den vergangenen Jahren unter Druck – das ist keine Neuigkeit. Dass sich die Branche in ihrer Struktur grundlegend verändert hat, ist auch bekannt. Vor allem Marken, die in großen Konzernen angegliedert sind, haben einen anderen Wachstumsdruck als inhabergeführte Unternehmen.

Kauf und Weiterverkauf sind kein Einzelfall

Dass nun unter anderem K2, eine der Kultmarken der Wintersportbranche, zum Verkauf steht, ist auf den ersten Blick natürlich eine aufsehenerregende Nachricht. Es gehört aber auch zum Geschäft, dass Besitzer Newell Brands nun mit dem Säbel rasselt, um auf sein Verkaufsinteresse aufmerksam zu machen. Und es wäre nicht der erste Fall – seit etwa Jack Wolfskin – eines Kaufs und folgenden Weiterverkaufs.


Was nun mit den gegebenenfalls betroffenen Marken K2, Völkl, Marker und anderen betroffenen Marken geschieht, ist allerdings Symptom eines grundsätzlichen Problems – das mittlerweile endlich offen diskutiert wird: Die Timings in der Supply Chain der Sportbranche müssen dringend überdacht werden – die Zyklen der Produkt-Herstellung und -Lieferung stimmen nicht mehr mit dem realen saisonalen Bedarf überein, was zu erhöhtem Druck bei der Industrie und auch im Handel führt

Wie soll ein Unternehmen langfristig finanziell erfolgreich sein, wenn die Winter-Produkte im September im Laden stehen, der Schnee aber erst im Januar kommt und sie dann erst gekauft werden? Bis dahin sind schon wieder mehrmals reduziert – und die Marge, die gerade im Hartwaren-Bereich knapp kalkuliert ist, gibt es nicht mehr.

Starke Marken werden nicht wegfallen

Für mich ist klar: Derart starke Marken werden nicht einfach wegfallen – dafür haben sie sich mit Tradition, Innovation und Qualität zu sehr etabliert. Wenn nun, nur theoretisch, das Aus eines Unternehmens folgen sollte, würde das für den Handel bedeuten, dass er auch einen wichtigen Image-Faktor verliert. Insofern ist es dringend, dass sich Industrie und Handel dieses Problems bewusst werden.

Ganz entscheidend ist dafür, dass die Industrie nicht nur von ihren Sell-in-Daten getrieben ist und versucht, Produkte in den Markt zu drücken, sondern sich auch grundlegend mit dem Sell-out auseinandersetzt. Das funktioniert aber nur im gegenseitigen Vertrauen mit den Händlern.


Grundsätzlich ist die Situation der zum Verkauf stehenden Marken ein erneuter Weckruf für den gesamten Wintersport und alle Ebenen, die mit ihm zusammenhängen – von den Herstellern über die Tourismusorte bis hin zu den Schulen: Wie schaffen wir es, wieder mehr Menschen an den Winter heranzuführen? Ein gutes Beispiel hierfür ist die Initiative „Dein Winter. Dein Sport“, die wir von Beginn an unterstützen.

Wieder mehr Menschen müssen Ski fahren

Natürlich konkurriert die Branche untereinander. Aber sie konkurriert vor allem auch mit anderen Branchen, wie der Elektronik- und Unterhaltungsindustrie, die hervorragend dafür aufgestellt sind, den Konsumenten das Geld aus der Brieftasche zu ziehen.

Wenn eine Branche nach außen hin mit vielen Botschaften auftritt, dann wirkt das natürlich bei demjenigen, der sein Geld ausgeben möchte, viel weniger stark als wenn sie ein gemeinsames Ziel verkünden kann: Wir alle gemeinsam müssen es schaffen, dass wieder mehr Menschen überhaupt Ski fahren. Zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Ausrüstung.

Aktualisierung: Ende Mai 2017 gab Newell Brands den Verkauf der Wintersport-Sparte an Kohlberg & Company bekannt. Mehr Informationen zum Deal finden Sie hier. >>>

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Tobias Gröber ist Director der ISPO Group. (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Tobias Gröber, Director ISPO Group
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