ISPO.com is also available in English ×
 Schuh-Streit zwischen Sioux und DOSB eskaliert
Olympia | 11.08.2016

Deutliche Kritik an IOC, der DOSB schießt harsch zurück

Schuh-Ärger zwischen Olympia-Sponsor Sioux und dem DOSB endet ohne Gerichtsverfahren

Schuh-Streit zwischen Sioux und DOSB eskaliert. Bei Rio 2016 stellt Sioux zum letzten Mal die offiziellen DOSB-Schuhe. (Quelle: Sioux)
Bei Rio 2016 stellt Sioux zum letzten Mal die offiziellen DOSB-Schuhe.
Bild: Sioux
Artikel teilen:
Artikel bewerten:
Seit den Olympischen Spielen 1972 war der Schuh-Ausstatter Sioux Ausrüster der deutschen Olympia-Mannschaft. Nach der heftigen Kritik des Unternehmens am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) schoss der Deutsche Olympische Sportbund zurück und kündigte den Sponsoring-Vertrag fristlos. Erst zwei Monate später können sich beide Parteien außergerichtlich einigen.

Der Dauer-Streit zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund und seinem Schuh-Ausrüster Sioux landet nun doch nicht vor Gericht. Die Deutsche Sportmarketing GmbH (DSM), deren Mutter der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist, hatte zuvor den bis zum Jahresende laufenden Vertrag fristlos gekündigt. Die „Bietigheimer Zeitung“ zitierte aus dem Kündigungsschreiben: Sioux habe mit der Verkündigung des Abgangs die „Olympische Bewegung in Misskredit gebracht“.

Sioux wirft DOSB Vertragsbruch vor

Sioux hielt diesen Schritt für Vertragsbruch. Sioux-Chef Lewin Berner sagte zur BZ: „Dass der DOSB unterbunden hat, dass die Athleten beim Ausmarsch unsere Schuhe tragen, ist ein klarer Vertragsbruch seitens des Verbandes. Wir halten die fristlose Kündigung für unwirksam. Allein schon aus formellen Gründen.“

Ein Gerichtsverfahren wurde Ende Oktober abgewendet: DOSB und Sioux einigten sich, der Schuhhersteller bekommt offenbar Schadenersatz für die durch die fristlose Kündigung entstandenen Kosten. 

Der deutsche Schuh-Hersteller Sioux kehrte dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nach 44-jähriger Zusammenarbeit noch während der Olympischen Spiele in Rio 2016 den Rücken. „Es ist uns nicht leichtgefallen, dies ist eine sehr schmerzliche Entscheidung. Der Sport war sicherlich Teil unserer DNA“, sagte Lewin Berner, Geschäftsführender Gesellschafter und CEO von Sioux, der „Deutschen Welle“.


Immer top-informiert: Mit dem Newsletter-Abo von ISPO.com >>>

Sioux-CEO Berner: „Olympia zu weit von Wurzeln entfernt“

Zuvor richtete der 1954 gegründete Schuh-Hersteller aus dem schwäbischen Walheim deutliche Kritik an das Internationalen Olympischen Komitee (IOC). 

„Olympia hat sich inzwischen zu weit von den Wurzeln entfernt, die Sioux seinerzeit in den 1970er Jahren bewogen haben, als Sponsor und Förderer aufzutreten“, hieß es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Die Olympia-Kollektion von Adidas


„In den vergangenen Jahren haben sich die Olympischen Spiele immer mehr vom eigentlichen Sinn entfernt: Statt vom olympischen Geist wird das Konstrukt Olympia heute rein von kommerziellen Interessen beseelt, einerseits von multinationalen Konzernen, andererseits von supranationalen Verbandsspitzen.“

Garmisch-Partenkirchen und Hamburg als mahnende Beispiele

Einen weiteren Grund für das Ende des Sioux-Sponsorings nannte Berner im „DW-Interview“: „Bezogen auf unseren wichtigsten Markt, Deutschland, ist zudem festzustellen, dass die Verwurzelung der Bürger mit dem Sport und dem Thema Olympia etwas abnimmt.“

Beispiele dafür seien die missglückten Abstimmungen zu Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen und Hamburg. Am Ende sei es wie in einer Beziehung nach vielen Jahren gewesen, „in der man zu dem Schluss kommt, freundschaftlich getrennte Wege zu gehen“.

Sioux war seit 1972 offizieller Schuh-Ausstatter

Seit den Olympischen Spielen 1972 lief die deutsche Olympia-Mannschaft bei Eröffnungsfeiern stets in Schuhen der Marke ein. Für den Olympischen Spielen 2016 in Rio stellte Sioux Schuhe in der Tradition der Grasshopper-Modelle der 1960er Jahre in den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold.

Zu Beginn von Olympia 2016 in Rio hatte Sioux noch seinen Stolz auf die Partnerschaft mit dem DOSB via Facebook nach außen getragen (siehe unten).

Der wichtigste Ausstatter bleibt dem DOSB erhalten: Adidas hat kürzlich sein Engagement als Olympia-Ausrüster des DOSB bis 2024 verlängert.

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media