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 Krise in China: "Wir werden die Preise sogar noch erhöhen"
CHINA | 10.08.2016

Wild Rampage und der wirtschaftliche Abschwung

Krise in China: „Wir werden die Preise sogar noch erhöhen“

Krise in China: "Wir werden die Preise sogar noch erhöhen". Wild Rampage sieht nicht nur für die Marke Osprey, sondern für die gesamte Branche in China noch einen weiten Weg vor sich. Aber der führt nach oben. (Quelle: Wild Rampage)
Wild Rampage sieht nicht nur für die Marke Osprey, sondern für die gesamte Branche in China noch einen weiten Weg vor sich. Aber der führt nach oben.
Bild: Wild Rampage
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Der wirtschaftliche Abschwung in China macht der Sportartikel-Branche Sorgen. Doch wie sehen die konkreten Auswirkungen auf die Outdoor-Branche aus? In der örtlichen Industrie sieht man derzeit keinen Anlass zu Pessimismus, da unmittelbare Konsequenzen (noch) nicht zu spüren sind und der Bedarf bei den Verbrauchern ungebrochen scheint.

ISPO.com spricht über das Thema mit Pang Tao, Vice President Sales bei Wild Rampage, dem chinesischen Importeur von Outdoor-Marken wie Osprey, dem amerikanischen Rucksack-Anbieter.

ISPO.com: Wie sehen Sie Osprey am chinesischen Markt im Vergleich zu Ihren Mitbewerbern positioniert?
Pang Tao: Osprey ist bereits vor 13 Jahren auf dem chinesischen Markt gekommen, und wir haben für die Marke eine solide Grundlage am Markt gelegt. Die Outdoor-Branche hat erst etwas mehr als zehn Jahre Entwicklung hinter sich. Hier in China bestehen sehr gute Möglichkeiten für Marken, die Qualitäts-Aspekte ebenso berücksichtigen wie die Kultur des Landes. Im Jahr 2013 entschloss sich Osprey dazu, sein Image zu ändern – von der professionellen High-End Rucksack-Marke hin zu einer Brand, die sich die Konsumenten auch leisten können. Dies ist ein Ergebnis der Entwicklung der Branche und des Landes insgesamt.


Outdoor-Branche steht erst am Anfang

Wenn wir von der Geschäftsentwicklung von Osprey sprechen, dann sehen wir, dass die Outdoor-Branche eigentlich noch am Anfang steht. Wir haben erst begonnen, die Kaufpotentiale der chinesischen Konsumenten zu ergründen. Es wird eine ziemliche Herausforderung werden, Nachhaltigkeit zu schaffen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln.

Im Hinblick auf die Mitbewerber sind wir in einer interessanten Position. Ich bin davon überzeugt, dass es in einer noch jungen und kleinen Branche keine wirklichen Rivalen gibt. Stattdessen haben wir Freunde in der Branche, die sich mit uns den Markt teilen. In der Tat ist es ein gesundes Zeichen, wenn der Markt wächst und unsere Freunde gleichermaßen wachsen und wir uns gegenseitig als Inspiration dienen können.
Im Rucksack-Segment sehen wir daher keinen Wettbewerb im eigentlichen Sinne, da es noch viele Marktpotentiale gibt, die wir alle erst noch eruieren müssen. Laut einer Befragung unter mehr als 200 Händlern und von dem, was wir von den Verbrauchern wissen, ist Osprey die beliebteste Rucksack-Marke in China.

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Was sind Ihre bevorzugten Vertriebskanäle? Unabhängige Händler? Eigene Geschäfte? Warenhäuser? Wie sieht Ihre Strategie aus, den chinesischen Markt zu durchdringen?
In China sind unsere wichtigsten Vertriebswege die spezialisierten Läden in den Bereichen Outdoor, Fahrrad und Running. Auch E-Commerce ist ein Kanal, auf den wir uns konzentrieren und in dem wir die Plattformen T-Mall und Amazon nutzen.

Expansion in die Kaufhäuser

Seit diesem Jahr beginnen wir damit, mehr in die Warenhäuser zu expandieren. Über die nächsten sechs Monate werden Osprey-Geschäfte in den renommiertesten Kaufhäusern in den wichtigsten Städten entstehen. China ist ein besonderer Markt mit einer riesigen Fläche und Bevölkerung. Doch die Probleme bezüglich Wohlstandsgefälle, Logistik und Information sind erheblich. Das erfordert ein besonderes Management einer Marke. Aus diesem Grund engagieren wir uns im Informations-Austausch mit den wichtigsten Outdoor-, Running- und Radhändlern. Im zweiten Schritt geht es vorrangig um eine verstärkte Sichtbarkeit in den Warenhäusern.

Mehr Sichtbarkeit der Marke: Osprey drängt seit diesem Jahr verstärkt in die Warenhäuser der chinesischen Großstädte. (Quelle: Wild Rampage)
Mehr Sichtbarkeit der Marke: Osprey drängt seit diesem Jahr verstärkt in die Warenhäuser der chinesischen Großstädte.
Bild: Wild Rampage

Inwieweit sind die Effekte des Nachlassens der chinesischen Wirtschaft in Ihrem Geschäft spürbar? Welche Auswirkungen zeigen sich im Hinblick auf die Preispunkte und den Wettbewerb?
Tatsächlich ist die chinesische Wirtschaft angegriffen. Gleichzeitig hat die intensive Berichterstattung in den Medien einen gewissen Einfluss auf verschiedene Branchen. Hinzu kommen die jüngsten Wechselkurs-Effekte, die einen negativen Einfluss auf importierte Waren haben.

Wir denken darüber nach, die Einzelhandelspreise sogar noch zu erhöhen und unsere internen Abläufe zu optimieren, um unsere Budgets besser einzusetzen. Unsere Verkaufs-Statistiken vom letzten und laufenden Jahr zeigen, dass Osprey die Umsätze steigern konnte.

Verbraucher reagieren erst später auf den Abschwung

Der wirtschaftliche Abschwung ist zunächst makroökonomisch zu sehen. Die direkten Auswirkungen auf den Bedarf der Verbraucher brauchen hingegen mehr Zeit. Derzeit sehen wir, dass die Nachfrage nach Reisen und Sport mit hohem Tempo steigt. Die Menschen demonstrieren ihren Wunsch, nach draussen zu gehen und das Outdoor-Erlebnis zu genießen. Wir müssen die Gelegenheit ergreifen, unser Management und die Kostenkontrolle zu optimieren, weiter zu werben und die Vorteile der Marke herauszustellen.


Welche Rolle sehen Sie für ISPO SHANGHAI als Informations-Plattform für die chinesische Branche? Welche Unterschiede sehen Sie zwischen ISPO SHANGHAI und ISPO BEIJING, was das Interesse der Fachbesucher anbelangt?
ISPO SHANGHAI hat uns große Möglichkeiten eröffnet, mit unterschiedlichen Communities und Kunden in Berührung zu kommen. ISPO BEIJING ist eher eine Wintermesse, doch das Frühjahr und der Sommer ist die beste Zeit zur Ausübung von Outdoor-Sportarten. Daher ist ISPO SHANGHAI eine gute Ergänzung zu ISPO BEIJING. Uns ist schon bei der ersten ISPO SHANGHAI im letzten Jahr aufgefallen, dass Segmente wie Wassersport, Fitness, Outdoor, Reisen und Actionsport integriert wurden. Das macht die Messe zu einer vielfältigen Show. Das war ja erst die Premiere. Wir haben ein chinesisches Sprichwort, das besagt: „Der erste Schritt ist immer der schwerste.“ Offensichtlich hat ISPO SHANGHAI gute Arbeit geleistet.

 

Markus Huber (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Markus Huber, Autor
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