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 Worn Wear: Initiative für Nachhaltigkeit von Patagonia
Nachhaltigkeit | 02.05.2016

Patagonia setzt auf Nachhaltigkeit

Worn Wear: Initiative für Nachhaltigkeit von Patagonia

Worn Wear: Initiative für Nachhaltigkeit von Patagonia. Nachhaltigkeit steht bei der Worn Wear Initiative im Vordergrund. Reparieren statt wegschmeißen. (Quelle: Patagonia)
Nachhaltigkeit steht bei der Worn Wear Initiative im Vordergrund. Reparieren statt wegschmeißen.
Bild: Patagonia
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Besitzen statt konsumieren heißt die Devise der Experten für Nachhaltigkeit von Patagonia: Jacke oder Hose nicht gleich wegwerfen, nur weil ein Loch drin ist oder der Reißverschluss klemmt. Viele Macken sind mit wenig Aufwand zu reparieren. Wie? Das sieht und lernt man beim Worn-Wear-Team, das mit einem zur Nähstube umgebauten Kleinbus durch Europa tourt.

Aus Radfahrer-Sicht wird es beinahe gefährlich, als das Worn-Wear-Team mitten auf dem Gehsteig vor dem Patagonia-Shop in der prominenten Münchner Leopoldstraße die Arbeit aufnimmt. Wer vorbei radelt, sieht in einem umgebauten Kleinbus eine Frau an einer Nähmaschine sitzen, sieht eine ziemlich lange Schlange von Menschen mit reparaturbedürftigen Outdoorklamotten in den Händen, und er sieht verdutzte bis fragende Gesichter. „Was macht's ihr da?”, fragt ein älterer Herr, „Reparatur? Ah, das find ich gut! Und auch noch umsonst!“

 

Nicht nur die Radler recken die Hälse nach der ungewöhnlichen Aktion. Fünf Wochen lang sind zwei Patagonia-Teams in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Spanien unterwegs und machen an 40 Orten Station halt, reparieren kostenlos Kleidung (und zwar nicht nur Patagonia-Kleidung) und zeigen, wie man kleine Reparaturen selbst erledigen kann. Das Motto: If it's broken: fix it! Wenn etwas kaputt ist, reparier es! Denn: Wer seine Kleidung nur neun Monate länger nutzt, verringert seinen CO2-, Wasser- und Abfall-Footprint um rund 30 Prozent.

Patagonia-Gründer setzt auf Nachhaltigkeit

Der 77-jährige Patagonia-Gründer Yvon Chouinard gilt als einer der eifrigsten Verfechter nachhaltiger Produktion in der Outdoorbranche. Ein Prozent des Firmenumsatzes stiftet er Umweltaktivisten, als Mitgründer der Initiative „1 Percent for the Planet“. 1996 wechselte seine Firma aus ökologischen Gründen zu biologisch angebauter Baumwolle. In einer ganzseitigen Anzeige in der New York Times rief er vor ein paar Jahren dazu auf, nur das zu kaufen, was man wirklich benötige, propagiert das Reparieren, Recyclen, Wiederverwenden und den Weiterverkauf oder die Weitergabe von getragener Kleidung. In aufwendig produzierten Videos erzählen Outdoormenschen, warum sie so sehr an ihrer halb zerrissenen Jacke oder Hose hängen. Ein Yosemite-Kletterer hört angeblich sogar auf den Spitzname Singer – nach der berühmten Nähmaschinenfirma.

Barbara Heinze ist eine der Näherinnen des Worn Wear Teams. (Quelle: Patagonia)
Barbara Heinze ist eine der Näherinnen des Worn Wear Teams.
Bild: Patagonia

Auf dem Gehsteig der Leopoldstraße sitzt Barbara Heinze an der Nähmaschine im Werkstattbus. Die gelernte Näherin gehört schon lange zum Worn-Wear-Team und hat heute mal wieder viel zu tun: kaputte Reißverschlüsse, malade Nähte, rübergereicht von drahtigen Bergsportlern, einer älteren Dame mit „Bye Bye, CO2“-Tasche, auch ein Mann im Rollstuhl hat einen Jacken-Patienten mitgebracht. Sie alle folgen dem Patagonia-Claim: „Repair is a radical act! Lasst uns alle Umwelt-Fundamentalisten werden!“, so der Aufruf von Rose Marcario, CEO von Patagonia, „alles, was man dazu braucht, ist Nähzeug und eine Reparaturanleitung. Unsere Produkte möglichst lang zu nutzen, ist das Beste, was wir als Verbraucher für die Umwelt tun können. Indem wir die Lebensdauer unserer Kleidung durch Pflege und Reparatur verlängern, müssen wir weniger neue Sachen kaufen und vermeiden so die CO2 Emissionen, Abfälle und Abwässer, die mit ihrer Herstellung verbunden wären.“

Nachhaltigkeit: Reparieren statt Wegschmeißen

In der Tat wird in der heutigen Wegwerfgesellschaft so viel Billigramsch auf den seit Jahren boomenden Outdoormarkt geworfen, dass man kaum noch auf die Idee kommt, die alten Sachen vielleicht zu reparieren statt wegzuschmeißen – eine neue Jacke kostet ja kaum noch was! So entsteht eine Gesellschaft von Konsumenten, nicht von Besitzern. Letztere kümmern sich um ihre Produkte, um Pflege, Reinigung, Reparatur, Nutzung und Weitergabe.

So sieht Nachhaltigkeit bei Patagonia aus: alle Kleidungsstücke werden repariert und ihnen somit ein langes Leben ermöglicht.  (Quelle: Patagonia)
So sieht Nachhaltigkeit bei Patagonia aus: alle Kleidungsstücke werden repariert und ihnen somit ein langes Leben ermöglicht.
Bild: Patagonia

Wer ein Patagonia-Produkt erwirbt, hat darauf eine sogenannte produktlebenslange Garantie. Die Mitarbeiter in den Läden sind geschult, einfache Reparaturen selbst auszuführen. Auf der Website findet man mehr als 40 kostenlose Reparaturanleitungen für Patagonia-Produkte. Die in Kalifornien ansässige Fima betreibt das größte Textil-Reparaturzentrum Nordamerikas mit mehr als 40.000 Reparaturen im Jahr. Als der Worn-Wear-Bus 2015 mitten im New Yorker Stadtteil Soho vor dem Patagonia-Store Station machte, bildete sich eine lange Schlange auf der Greene Street, womöglich noch länger als die auf der Münchner Leopoldstraße.

Ein Beitrag von Thomas Becker, Autor
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