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 Adidas als Ausrüster bei Olympia 2016: Die Kollektion
Olympia | 10.08.2016

Fans können DOSB-Kleidung kaufen

Olympia-Kollektion: Adidas statt Bogner als Ausrüster 2016 in Rio

Adidas als Ausrüster bei Olympia 2016: Die Kollektion. Mit Fahnenträger Timo Boll voran zieht das DOSB-Team bei der olympischen Eröffnungsfeier ins Stadion ein. (Quelle: Imago)
Mit Fahnenträger Timo Boll voran zieht das DOSB-Team bei der olympischen Eröffnungsfeier ins Stadion ein.
Bild: Imago
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Die Adidas-Kollektion für Olympia 2016 in Rio begeisterte selbst Topmodel Lena Gercke: Die Athleten aus Deutschland treten bei den Olympischen Spielen in einem komplett neuen Look auf. Doch das Adidas-Outfit für die Eröffnungsfeier, das zuvor von Bogner designt wurde, kam nicht bei allen gut an. Einzelstücke gibt es diesmal auch zu kaufen.

Genau 101 Tage vor dem Beginn der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro hatte Adidas mit großem Stolz seine Olympia-Kollektion für das DOSB-Team präsentiert. Neben Topmodel Lena Gercke stellten deutsche Topsportler wie Handball-Europameister Steffen Weinhold oder Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste im Düsseldorfer Congress Centrum mit sichtlichem Vergnügen die Kleidung des deutschen Olympiateams für das Highlight 2016 an der Copacabana vor.

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Die Olympia-Kollektion von Adidas


Der bunte Look der Olympischen Winterspiele 2014 von Sotschi hat ausgedient, stattdessen zeigen sich die deutschen Sportler farblich deutlich zurückhaltender, vor allem mit Variationen der Farben Schwarz-Rot-Gold.

Negatives Feedback für Olympia-Outfit von Adidas

Das Adidas-Motto für seine Olympia-Kleidung heißt: cool und sportlich. Highlight für den Eröffnungsfeier-Look sollte ein Parka aus superleichtem Material mit reflektierenden Panels an den Armen sein. Beim Winken sollte es für Leuchteffekte im Blitzlichtgewitter sorgen. „Wir werden bei der Eröffnungsfeier ein schönes Bild abgeben“, glaubte Moritz Fürste.

Doch die Reaktionen in Rio fielen nach der Gala keineswegs so positiv aus. „Oh, wie peinlich! Deutschland blamiert sich mit Olympia-Outfit“, schrieb die „Hamburger Morgenpost“. Die „Welt“ ist enttäuscht von der deutschen „Provinz-Sportkleidung“. Die „B.Z.“ schrieb sogar von „Hohn und Spott für Kleidung vom deutschen Team“. Besonders die grauen Leggings gefielen nicht.

Olympia-Kollektion für Rio 2016: Sportler designen bei Adidas mit

Handball-Star Steffen Weinhold meinte hingegen, dass es perfekt gelungen sei, Design und Funktionalität – zum Beispiel passen die allgegenwärtigen Kopfhörer unter die Kapuzen – zu verbinden: „Das trifft den Puls der Zeit. Bei allen Sportlern ist die Olympia-Kollektion supercool angekommen.“

Was auch damit zusammenhängt, dass die Sportler vom Ausrüster Adidas so stark wie nie zuvor in den Designprozess einbezogen wurden.

Der DOSB hat den Athleten eine genaue Anleitung mitgegeben, wann und zu welchem Anlass sie welche Kleidung zu tragen haben. 


Adidas zeichnete erstmals für die Ausstattung und Kollektion einer deutschen Olympia-Mannschaft in Sachen Kleidung verantwortlich – also auch für das Outfit bei der Eröffnungsfeier. 2012 in London wie auch 2014 in Sotschi mit dem bunten Look hatte noch die traditionell bei Winterspielen als Ausstatter aktive Firma Bogner die Verantwortung für den deutschen Auftritt bei der größten Modenschau der Welt vor Milliarden von TV-Zuschauern getragen.

Diesmal sind nur Sioux mit farbenfrohen Schuhen im schwarz-rot-goldenen Retro-Look und Adidas für den Rest als Ausstatter dabei. 

Schuhe von Sioux, Kleidung von Adidas kostenlos für 450 Sportler

Dass Adidas auch die medienwirksamen Outfits für die Eröffnungs- und Schlussfeier designt hat, ist ein Statement. „Wir sind nicht nur die Firma für auf dem Platz, sondern auch für davor und danach. Das machen wir damit klar“, so Fabian Fischer von der Marketing-Abteilung von Adidas zu ISPO.com.

Das Design und die Produktion des Outfits haben nicht nur viele Monate gedauert, sondern auch eine höhere Millionensumme gekostet – schließlich bekommt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die 75-teilige Kollektion für seine 450 Sportler und 300 Betreuer kostenlos.

Das sind die Top-Verdiener bei Olympia


Aber der Imagegewinn durch Olympia ist für Adidas unbezahlbar. „Da geht es um die Sichtbarkeit unseres aktuellen Styles. Schließlich machen wir einen großen Teil unseres Umsatzes durch Leisurewear“, so Fischer.

Im Gegensatz zu Highlights wie der Fußball-Europameisterschaft, die über den Verkauf von Trikots riesige Millionensummen in die Kassen spült, sind von der deutschen Olympia-Ausstattung nur ausgewählte Stücke käuflich zu erwerben. Fischer zu ISPO.com: „Es geht bei Olympia nicht um den Produktverkauf.“

Im offiziellen Merchandising-Store der deutschen Olympia-Mannschaft gibt es fünf Kleidungsstücke für Damen, vier für Herren zu kaufen – und die Schuhe von Sioux (140 Euro). Günstigstes Teil: das offizielle „Village“ T-Shirt für 35,65 Euro, dem man das Olympische nicht ansieht.

Topmodel Lena Gercke: „Deutschland kann gut mithalten“

Bei Topmodel Lena Gercke ist die Adidas-Botschaft jedenfalls angekommen. „Damit kann Deutschland gut mithalten, keiner wird sich schämen. Die Sportler treten sehr modern auf und vor allem fühlen sich alle wohl in den Sachen. Das ist das Wichtigste, schließlich haben sie bei Olympia und speziell der Eröffnungsfeier einen der größten Momente ihres Lebens“, sagt Gercke.

Lena Gercke: „Die Sachen aus der Olympia-Kollektion sind einfach nur sehr bequem und cool.“ (Quelle: imago/Strussfoto)
Lena Gercke: „Die Sachen aus der Olympia-Kollektion sind einfach nur sehr bequem und cool.“
Bild: imago/Strussfoto

Im Vergleich zum bunten Look von Sotschi mutet die deutsche Olympia-Kleidung diesmal trotz des Einsatzes von Hightech-Materialien konservativer an. „2014 war Deutschland sehr auffallend, jeder hat darüber gesprochen“, meint Gercke, die 2006 die erste Staffel von Germany’s Next Topmodel gewann und danach die Cover von Cosmopolitan und Co. eroberte: „Aber es war halt auch sehr bunt und das hat nicht nur bei den Sportlern nicht jedem gefallen.“

Diesmal sei die Variation der Deutschland-Farben Schwarz-Rot-Gold sehr gut gelungen. Zudem seien modische Schnitte sehr gut mit funktionalen Elementen verknüpft worden. Ein spezieller Hingucker sind nach Auffassung von Gercke die feuerroten Schuhe.

Olympia-Kleidung 2016: „Bequem und cool“

Einen modischen Vergleich zwischen der Haute Couture in Paris oder Mailand und der deutschen Olympia-Kleidung verbietet sich laut Gercke. „Bei der Sportmode zählen ganz andere Kriterien. Die Stücke bei einer Top-Modenschau sehen zwar toll aus, aber sie sind total unbequem und man trägt sie nur ungern. Da möchte man so schnell wie möglich wieder raus. Die Sachen aus der Olympia-Kollektion sind einfach nur sehr bequem und cool.“ 

Die Outfits wurden unter anderem im Rahmen einer Tanz-Performance vorgestellt. (Quelle: imago/Chai v.d Laage)
Die Outfits wurden unter anderem im Rahmen einer Tanz-Performance vorgestellt.
Bild: imago/Chai v.d Laage


Damit die deutschen Sportler im Olympischen Dorf und auf den Straßen von Rio wirklich von jedem erkannt werden, ist auf einigen Kleidungsstücken wie der Trainingsjacke „Germany“ statt wie bisher üblich „Deutschland“ aufgedruckt.

Michael Vesper als Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) lobte die fulminante Modenschau mit Capoeira-Elementen passend zum Gastgeberland Brasilien und äußerte die Hoffnung, dass das deutsche Team nicht nur wegen seiner modischen Klamotten ein erfolgreiches Bild in Rio abgeben wird.

Deutsches Olympiateam will 50 Medaillen

„Wir werden mit über 450 Athleten eine sehr große deutsche Mannschaft im Vergleich zu den letzten Sommerspielen haben“, sagte Vesper. In London waren nur 392 Sportler dabei. Dazu kommen fünf deutsche Teams in den Spielsportarten mit Goldkandidaten wie den Handball-Europameistern, den Hockey-Olympiasiegern von 2008 und 2012 sowie den beiden Fußball-Teams.

Entsprechend sollen auch die deutschen Medaillen-Bilanzen der Sommerspiele von 2008 (41) und 2012 (44) verbessert werden. Vesper nannte einen Zielkorridor von „38 bis 68 Medaillen, wo wir uns irgendwo in der Mitte einordnen werden.“ Die magische Zahl von 50 würde man natürlich sehr gern übertreffen.


Die deutsche Olympia-Expedition nach Rio kostet etwa neun Millionen Euro kosten, für die deutschen Olympiasieger ist eine Prämie in Höhe von 20.000 Euro ausgelobt. Die Siegesfeiern des Teams gehen übrigens wie gewohnt im Deutschen Haus über die Bühne. Natürlich direkt am traumhaften Sandstrand in Rio, bei 30 Grad im Barra Beach Club.

Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
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