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 Puma setzt sich im Anti-Dumping-Streit gerichtlich durch
Sportbusiness | 09.02.2016

Sieg über die Europäische Kommission

Puma setzt sich im Anti-Dumping-Streit durch

Puma setzt sich im Anti-Dumping-Streit gerichtlich durch. Puma-Schuhe. (Quelle: Puma)
Der Sportanbieter war gar nicht glücklich über die Art und Weise, wie Brüssel mit den umstrittenen Anti-Dumping-Zöllen auf Lederschuhe aus Fernost verfährt.
Bild: Puma
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In den langjährigen Auseinandersetzungen um Anti-Dumping-Zölle für aus China und Vietnam importierte Lederschuhe konnte Puma nun einen bemerkenswerten Teilerfolg erringen. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg gibt dem Sportartikel-Anbieter in seiner Klage gegen die Europäische Kommission recht: Puma bekommt aus Brüssel 5,1 Millionen Euro zurückerstattet. Schuhanbieter Clarks darf sogar davon ausgehen, 60 Millionen Euro zurückzubekommen.

Die Klagen liegen schon einige Jahre zurück und befassen sich mit den Strafzöllen von 16,5 Prozent auf Lederschuhe aus China und 10 Prozent für solche aus Vietnam. Die Strafzölle sind den Sportmarken schon lange ein Dorn im Auge, da die meisten ihrer Schuhe in diesen Ländern hergestellt werden. Im konkreten Fall ging es darum, dass die Kommission überprüfte, ob bei verschiedenen Fabriken in Fernost indirekte Subventionen vorlagen. Wie es heißt, wurden Puma und Clarks zu den Zahlungen verpflichtet, obwohl ihre Produzenten gar nicht Gegenstand der Kontrollen gewesen sein sollen. Das hat Luxemburg nun als unzulässig anerkannt.

Streit über Protektionismus

Hinter dem langjährigen Ärger in der Schuhbranche steckt im Wesentlichen eine protektionistische Maßnahme, die von europäischen Firmen gefördert wird, welche unverändert in Europa selbst fertigen. Die Zahl dieser Unternehmen, angeführt von einer erfolgreich arbeitenden Lobby aus Italien und Spanien, hatte es lange Zeit verstanden, die so genannten Anti-Dumping-Zölle aufrecht zu erhalten. Zwar geht es hier durchaus um die Absicherung von Arbeitsplätzen innerhalb der EU, doch die erdrückende Mehrheit der Schuhanbieter – und vor allem der sportlichen Fraktion – haben diesen Protektionismus über einen langen Zeitraum vehement bekämpft.


Während die Schutzmaßnahmen vor allem im Sinne der hochwertigen Anbieter von Lederstraßenschuhen aus dem Mittelmeerraum gelten, nehmen die in Europa herstellenden Anbieter von Outdoor-Stiefeln eher eine neutrale Position zu der Thematik ein. Die wirklich innerhalb der EU produzierenden Marken dieser Kategorie kommen mehrheitlich aus Deutschland wie auch aus Italien (Lowa, Meindl, Hanwag, Aku, Scarpa, Zamberlan usw.).

Handelskrieg mit China oder Vietnam soll vermieden werden

Bei diesen Unternehmen verhält es sich allerdings schon seit Langem so, dass sie zweigleisig fahren: Die wirklich bergfesten Stiefel werden zu Hause genäht, während die günstigeren Modelle ebenfalls aus fernöstlichen Fertigungen kommen. Daher rührt deren eher zurückhaltende Einstellung zu diesem Thema. Einig sind sich all diese Lieferanten in dem Punkt, dass ein möglicher Handelskrieg mit China oder Vietnam über diesen Punkt der denkbar schlechteste Weg wäre.

Markus Huber (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Markus Huber, Autor
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