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 FC Bayern: Viel Geld und trotzdem Probleme
Sportbusiness | 01.12.2015

Sport Business

FC Bayern: Viel Geld und trotzdem Probleme

FC Bayern: Viel Geld und trotzdem Probleme. Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (Quelle: imago)
Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kann gute Zahlen verkünden - und blickt doch sorgenvoll in die Zukunft
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Der FC Bayern München präsentierte bei seiner Jahreshauptversammlung die besten Geschäftszahlen seiner Geschichte. Trotzdem steht Deutschlands Topklub im Kampf gegen die Giganten aus England und Spanien künftig vor schwierigen Herausforderungen.

Überlegener Bundesliga-Tabellenführer, die Meisterschaft schon im Herbst im Visier, vorzeitig im Achtelfinale der Champions League – sportlich steht der FC Bayern München momentan wieder einmal glänzend da.

Finanziell gilt das umso mehr: Im operativen Ergebnis Ebitda lag der Konzern FC Bayern München AG (inklusive Allianz Arena Stadion GmbH und weitere Tochterunternehmen) in der abgelaufenen Meistersaison 2014/2015 mit 111,3 Millionen Euro erstmals im dreistelligen Millionenbereich.

Auch in Sachen Gewinn, Eigenkapital oder Mitgliederzahlen purzeln die Rekorde. Trotzdem macht sich Deutschlands Topverein Sorgen um seine internationale Konkurrenzfähigkeit. ISPO.com beleuchtet die vier wichtigsten Erkenntnisse der Jahreshauptversammlung.

Der Vorstand des FC Bayern bei der Hauptversammlung 2015 (Quelle: imago)
Der Vorstand des FC Bayern konnte einen Rekordgewinn verkünden
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1. Gesünder als gesund

Der Bayern-Konzern wirtschaftete zum 23. Mal in Serie profitabel und schaffte mit 23,8 Millionen Euro einen Rekordgewinn nach Steuern (Vorjahr: 16,5). Auf stolze 411,5 Millionen beläuft sich inzwischen das Eigenkapital der FC Bayern München AG.

Positiv schlägt zu Buche, dass die 2005 mit 346 Millionen Euro finanzierte Allianz Arena seit gut einem Jahr bereits komplett abbezahlt ist. Auch wenn der Konzern-Umsatz mit 523,7 Millionen Euro um fünf Millionen Euro niedriger als im vorangegangenen Geschäftsjahr 2013/2014 lag – besser könnte es dem Nobelklub kaum gehen.

2. Nummer 1 in Deutschland – in Europa bald nicht mehr konkurrenzfähig?

 (Quelle: imago)
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Der Umsatz des FC Bayern ist fast doppelt so hoch wie jener bei Deutschlands Nummer zwei, Borussia Dortmund (276 Millionen). International liegt der FC Bayern nur auf Platz drei hinter den spanischen Topklubs Real Madrid und FC Barcelona, die um die 600 Millionen Euro im Geschäftsjahr bewegen. Und hier beginnen die Sorgen des FC Bayern: Die „Königlichen“ von Real Madrid waren schon im vorigen Geschäftsjahr laut Deloitte der erste Klub, der mehr als 200 Millionen Euro durch Fernsehrechte einnahm.

Die Topklubs in England wie Manchester United stoßen durch den neuen TV-Vertrag in der kommenden Saison in ähnliche Dimensionen vor. Die Klubs der Premier League kassieren ab der Saison 2016/17 zusammen 2,3 Milliarden Euro pro Spielzeit. Selbst die Hinterbänkler der Premier League erhalten dann mehr als der FC Bayern, der 2014/2015 im Vergleich dazu mickrige 58,7 Millionen Euro durch TV-Rechte einnahm.


3. TV-Einnahmen müssen steigen

Die TV-Einnahmen müssen also steigen – wenn der FC Bayern weiter regelmäßig um den Titel in der europäischen Champions League mitspielen will. „Unsere Spieler erhalten bereits jetzt dramatische Angebote der englischen Klubs“, sagt Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Bastian Schweinsteiger ist bereits zu Manchester United abgewandert, für Torjäger Thomas Müller wurden vom Klub des früheren Bayern-Trainers Louis van Gaal angeblich 100 Millionen Euro geboten.

Rummenigge hat deshalb nach Informationen der Süddeutschen Zeitung beim Kartellamt die Chancen einer eigenständigeren Vermarktung ausgelotet. Dabei soll es nicht um die Abschaffung der umstrittenen Zentralvermarktung gehen – sondern vor allem um die Rechte im Ausland und im Internet. Rummenigge hält ebenfalls TV-Erlöse um die 200 Millionen Euro für den FC Bayern für möglich – und notwendig, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Abstimmung bei der Hauptversammlung 2015 des FC Bayern (Quelle: imago)
Die Mitglieder des FC Bayern waren bei der Hauptversammlung zufrieden
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4. Die „Bayern-Familie“ bleibt die Basis

Wichtigstes Kapital beim FC Bayern waren trotz aller finanziellen Rekorde immer die Menschen – und diese „Bayern-Familie“ soll auch in Zukunft das Erfolgsgeheimnis bleiben. Das gilt nicht nur für das Spieler-Starensemble, dessen „Qualität vielleicht noch nie so hoch wie heute war“ (Rummenigge) – und mit 227,3 Millionen Euro Personalkosten auch noch nie so teuer.

Zusätzlich 70 Millionen Euro werden bis 2017 in das neue Nachwuchsleistungszentrum an der Ingolstädter Straße investiert. Die Bayern-Familie steht also zusammen – ob für die künftigen Stars oder die großen Väter des Erfolgs. Rummenigge jedenfalls betonte auf der JHV die unverbrüchliche Treue zu Ex-Präsident und Haft-Freigänger Uli Hoeneß ( „Er hat frischen Wind in die Nachwuchsabteilung gebracht“) und den im Zusammenhang mit dem WM-Sommermärchen von 2006 in die Kritik geratenen Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer ( „Wir haben Franz verdammt viel zu verdanken“).

Auch die Mitgliederzahlen beim FC Bayern haben sich in den letzten zehn Jahren auf inzwischen über 270.000 mehr als verdoppelt. Damit hat der FC Bayern Benfica Lissabon längst als mitgliederstärksten Verein abgelöst. Noch so ein Rekord.

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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