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 Crowdsourcing: Die neue Form Geld und Ideen zu finden
Innovation | 30.11.2015

Innovation mit Unterstützung

Crowdsourcing: Die neue Form Geld und Ideen zu finden

Crowdsourcing: Die neue Form Geld und Ideen zu finden. Crowdfunding hilft, Ideen zu finden - und diese auch zu finanzieren (Quelle: Thinkstock)
Crowdfunding hilft, Ideen zu finden - und diese auch zu finanzieren
Bild: Thinkstock
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Die Masse ist dumm, hat keine Ahnung, irrt sich? – Wer daran heute noch glaubt, hat den Anschluss verpasst. „Schwarmintelligenz“ und „die Weisheit der Vielen“ sind die neuen Zauberwörter, die sich auch Unternehmen mit Hilfe der ISPO OPEN INNOVATION Plattform zu nutze machen.

Was märchenhaft oder nach biblischem Wunder klingt, hat dank WWW die Potenz zum lukrativen Geschäftsmodell: Die Erfolge von „Crowdsourcing“-Varianten, speziell der Finanzierungsform „Crowdfunding“, sprechen für sich.

Milliarden von Nutzern unterschiedlichster Couleur tummeln sich regelmäßig im World Wide Web, tauschen sich in den sozialen Netzwerken aus, shoppen und bewerten Produkte oder generieren Wissen und Informationen. Der Schritt zur Mobilisierung, Aktivierung und Einbindung dieser Menschen(massen) für Unternehmungen wie „Crowdsourcing“ ist da nur folgerichtig.


Selbst wenn die Idee, mithilfe von vielen freiwilligen Helfern Projekte auf die Beine zu stellen, nicht neu und keine Erfindung der virtuellen Welt ist: Erst das Web 2.0 bietet nun jedem die faszinierende Möglichkeit, schnell und global zu agieren. Damit können Traum-Konzepte wahr werden.

Weltwissen – Die Weisheit der Vielen

Wer über Volkes Stimme die Nase rümpft, ist von gestern. Im digitalen Zeitalter kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, die Potenzen des Internets ungenutzt zu lassen. Dank allgemeiner Vernetzung lassen sich die Nutzer auf vielfältige Weise als Akteure einsetzen: Sie sind unermüdlich auf der Suche nach immer umfangreicherem Wissen, etwa bei Projekten wie Wikipedia oder politischen Enthüllungen (WikiLeaks). Und sie engagieren sich für die Mobilisierung von Geld für kleinere und größere Projekte – vom geplanten Film, einem CD- oder Buchprojekt bis hin zur Unternehmensgründung: Stichwort „Crowdfunding“.

Mögliche Unterstützer aus der Crowd erscheinen in einer Lupe. (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Crowdsourcing – gemeinsam zur Lösung.
Bild: Thinkstock über The Digitale

Crowdsourcing – der Begriff verbindet Crowd (Menge) und Outsourcing (Auslagerung) – bedeutet zunächst eine neue Art der auf dem Internet beruhenden Arbeitsteilung. Über detaillierte Aufrufe auf speziellen Plattformen im Netz werden kreative, neuartige Ideen und Unternehmungen vorgestellt. Und es werden interessierte Nutzer gesucht, die bei Problemlösungen mitwirken, Teile der Arbeitsaufgaben übernehmen oder eben Finanzierungsmodelle bedienen.

Schon wenn einschlägige Versandhäuser ihre Kunden nach dem Kauf bitten, das jeweilige Produkt zu bewerten und so ihre Meinung und etwaige Verbesserungsvorschläge für andere potentielle Käufer und die Firma zugänglich zu machen, wird der Endnutzer unmittelbar beteiligt. Er wirkt mit und profitiert von anderen, die es ihm gleichtun. Mit dem „Crowdsourcing“ bekommen diese zaghaften Anfänge eine völlig neue Potenz.

Für innovative Köpfe und jeden Unternehmer

Die Beteiligung der Netzgemeinde ist nicht nur bei Finanzierungen im wahrsten Wortsinne Gold wert. Auch wenn das kreative Potential beispielsweise für Designfragen, bei Produktentwicklungen wie zum Beispiel ISPO OPEN INNOVATION, für wissenschaftliche oder innovative Probleme genutzt wird, hat diese „Schwarmarbeit“ ein beachtliches Sparpotential für Firmen, selbst wenn sie etwa bei Gestaltungen und Entwürfen Prämien für den Sieger ausloben. 

Mindestens ebenso wichtig wie die Einsparung von Geldern ist jedoch das „Crowdsourcing“ als wirksames Instrument bei Marktforschung und Marketing: Wer beispielsweise bei der Entwicklung und Optimierung einer Espressomaschine mitmacht, entwickelt ein Verhältnis dazu und wird gern zum freiwilligen Werbeträger, der das Produkt weiterempfiehlt.


Und warum wird der „Schwarm“ aktiv? Hierbei steht das Geldverdienen wohl nicht im Vordergrund. Viel eher geht es um die Selbstdarstellung und das Miteinander. Der Austausch mit anderen bringt Spaß, ein Mittun bei Entscheidungsprozessen macht stolz.

Die Grenzen zwischen den bloßen Konsumenten und den alleinigen Produzenten werden damit fließender – wobei jeder derartige Demokratisierungs- und Beteiligungsprozess immer auch die Gefahr der Ausnutzung und Ausbeutung des „Schwarms“ in sich birgt. Für Freelancer liegt der Vorteil in den flexiblen Arbeitsformen und -zeiten. Allerdings lässt der Nutzer-Pool als billiges Arbeitskräftereservoir auch die Grenze zwischen Job und Freizeit durchlässiger werden – und kostet so möglicherweise in der Zukunft feste Arbeitsplätze.

Modelle und Spielarten

„Crowdsourcing“ ist ein weites Feld, noch immer stehen wir relativ am Anfang dieser Entwicklung. Die Möglichkeiten sind derart vielfältig, dass sich in Zukunft neue Richtungen auftun werden. Zugleich hat Crowdsourcing aber auch schon eine Geschichte. Als James Murray in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für sein ehrgeiziges „Oxford English Dictionary“ alle englischsprechenden Leser aufrief, ihm Belege für besondere Begriffe ihrer Muttersprache zu schicken, nutzte er damit genaugenommen dasselbe Prinzip.

Der Begriff selbst wurde allerdings erst 2006 vom US-amerikanischen Journalisten Jeff Howe vom „Wired Magazine“ geprägt. Längst ist die Entwicklung unaufhaltsam: Der „Crowdsourcing“-Report von 2012 verzeichnet einen sprunghaften Anstieg gerade von Web-gestützten Finanzierungsmodellen, Tendenz weiter steigend.

Von Microworking bis Crowdfunding

Die Mitwirkung der Communities funktioniert dabei in unterschiedlicher Weise, wie im erwähnten Report dargestellt ist: Zu nennen wären „Microworking“ (kleinste Aufgaben für kleinste Bezahlung, wie bei Amazon Mechanical Turk), „Collective Knowledge“ (Wikipedia und Co.), „Creative Content-Marktplätze“ (z.B. Jobangebote für Freelancer), „Open Innovation and Ideas“ (vom Brainstorming bis zu Alltagsfragen) und „Engagement und Charity“ (gemeinnützige Projekte).

Crowdfunding (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Crowdfunding hilft, Ideen zu finden - und diese auch zu finanzieren
Bild: Thinkstock über The Digitale


Einer der Teilbereiche – und vermutlich der bekannteste – ist das „Crowdfunding“. Als Form der Finanzierung ermöglicht es längst nicht nur Nischenprojekte. Der bürokratische Aufwand dieser Methode ist zugleich wesentlich geringer als bei einem traditionellen Finanzierungs-Verfahren. Da meist das sogenannte „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ greift, ist das Risiko für den Geldgeber überschaubar, wenn auch keineswegs verschwunden. Alles oder Nichts heißt: Wird das zuvor definierte Finanzziel in einer bestimmten Zeitspanne nicht erreicht, bekommen alle Einzahler ihre Einlagen zurück. Die wichtigste internationale Plattform ist kickstarter.com, eine deutsche Variante beispielsweise Startnext.de.

Andere finanzielle Spielarten sind „Crowdinvesting“ oder „Equity Crowdfunding“, bei denen Anteile und Gewinnbeteiligungen erworben werden (z.B. Seedmatch.de), beispielsweise von Startups. Beim „Crowdlending“ geht es um eine Vergabe von kleinen Krediten (z.B. smava.de), „Crowddonnations“ ist eine Spendensammel-Plattform (z.B. Betterplace.org), „Cofunding“ eine Mischfinanzierung, bei der die Gelder nur teilweise durch „Crowdfunding“ und daneben durch Stiftungen oder Institutionen erworben werden.

Diskussion

Würden Sie ein Geschäftsmodell abseits des Mainstream auch selbst durch „Crowdfunding” unterstützen und so versuchen, es zu realisieren? Haben Sie das schon getan?
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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