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 Warum Outdoor- und Sportbrands auf Zusammenarbeit setzen
Nachhaltigkeit | 11.05.2017

Nachhaltigkeit statt Gewinnmaximierung

Warum Hersteller von Outdoorbekleidung Innovationen teilen

Warum Outdoor- und Sportbrands auf Zusammenarbeit setzen. Die Outdoorbranche setzt in Sachen Nachhaltigkeit auf Teamwork. (Quelle: imago)
Die Outdoorbranche setzt in Sachen Nachhaltigkeit auf Teamwork.
Bild: imago
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„Innovation und Sustainability: Rethink or die“, heißt ein Webinar der ISPO ACADEMY. Das lässt aufhorchen, doch Experten sind sich sicher, es bedarf drastischer Maßnahmen, wenn der Kampf gegen den Klimawandel eine Chance haben soll. Das sehen auch viele Brands in der Outdoorbranche so. Dafür sind die Hersteller bereit, beispielsweise Innovationen, Know-how und Entwicklungen zu teilen. 

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Open Source – das klingt nach IT-Software, doch auch Eva Karlsson spricht davon, wenn sie als CEO von Houdini über die Entwicklungsphilosophie ihrer Marke spricht: „Wir fragen nicht nach Exklusivität, wenn es um nachhaltige Lösungen geht“, sagt Karlsson.

Bei Houdini glaube man daran, dass es wichtig ist, Wissen zu teilen. Das habe den größten positiven Effekt, wenn es um Nachhaltigkeit geht.

Konkurrenten sind Mitspieler

Houdini hat, laut Karlsson, positive und negative Erfahrungen mit dem Thema ‚Zusammenarbeit für mehr Nachhaltigkeit’ gemacht. So konnte das Unternehmen einige Stoffe und Technologien nicht nutzen, weil die Konkurrenz auf Exklusivrechten bestand.

Andersherum seien einige nachhaltige Alternativtechnologien von Partnerfirmen entwickelt und umgesetzt worden, weil sich Houdini und einige andere Brands, in der Entwicklung und Fertigung dafür einsetzten.

„Konkurrenten sind Mitspieler“, heißt es auch bei Patagonia. Innovationen werden geteilt, das will der Spezialist für Outdoorbekleidung auch als Botschaft an die Konsumenten verstanden wissen. Bei Patagonia liegt diese Philosophie gewissermaßen schon in der Firmen-DNA.

Gründer Yvon Chouinard hat den Brand mit folgendem Leitsatz aufgebaut: „Stelle das beste Produkt her, belaste die Umwelt dabei so wenig wie möglich, inspiriere andere Firmen, diesem Beispiel zu folgen und Lösungen zur aktuellen Umweltkrise zu finden.“


Nachhaltigkeit hat unternehmerische Grenzen

Heute ist Patagonia immer noch in Familienbesitz. Aktiendruck, den andere Unternehmen bei Entscheidungen spüren, die nicht auf direkte Umsatzziele einzahlen, gibt es bei dem Outdoor-Hersteller nicht. Innovationen werden, laut Patagonia, der Konkurrenz zur Verfügung gestellt, sollte diese ein Interesse daran haben.

Auch Outdoor-Ausrüster Vaude, „Deutschlands nachhaltigste Marke 2015“, ist ein Familenunternehmen. Lisa Maria Fiedler ist bei dem Unternehmen aus Tettnang für Unternehmensentwicklung und Nachhaltigkeit zuständig. Sie sagt: „Nachhaltigkeit ist Teamsport.“

Fiedler schränkt aber auch ein, es gebe unternehmerische Grenzen. Der Einzelfall entscheide, ob beispielsweise ein Patent für ein bis zwei Jahre geschützt, exklusiv genutzt und dann für den Markt freigegeben werden. 

Higg Index steht für Zusammenarbeit

Gleichzeitig nennt Fiedler als Beispiel für Zusammenarbeit in der Branche den Higg Index der Sustainable Apparel Coalition. Hier geht es zwar nicht um Innovationen, aber um die beständige Weiterentwicklung eines Messinstruments, das über die Nachhaltigkeit in der gesamten textilen Wertschöpfungskette Auskunft gibt.

Man sei hier in vielen Pilotprojekten engagiert, in die ebenfalls das ganze Know-how von Vaude und den beteiligten Konkurrenzfirmen fließe.

Nach Ansicht von René Bethmann, Innovationsmanager Materialien und Fertigungstechnologien bei Vaude, werden solche Koalition auch zwingend notwendig sein, denn beispielsweise Vaude als mittelständisches Unternehmen ist „viel zu klein, um in der langen textilen Wertschöpfungskette allein etwas zu verändern.“ 


Wirtschaftlichkeit spielt maßgebliche Rolle

„Auf der anderen Seite“, sagt Bethmann, sei es Vaude, „extrem wichtig, dass neue, nachhaltige Technologien, die mit Partnern wie beispielsweise Primaloft entwickelt werden, nach kurzer exklusiver Nutzung auch von anderen Unternehmen genutzt werden.“

Neben der Nachhaltigkeit hat das einen simplen Grund: Wirtschaftlichkeit. Nutzen mehrere Firmen die gleiche Technologie, wird der Abverkaufspreis natürlich günstiger. „Exklusivität hat immer einen höheren Preis zufolge“, sagt der Innovationsmanager.

Neben allen wirtschaftlichen Interessen bleibt für Houdini-CEO Karlsson Co-Creation der Schlüssel, um mit den massiven Umweltveränderungen umzugehen. „Wir schulden es dem Planeten und zukünftigen Generationen“, sagt Karlsson. Dies sei die wahrlich lohnenswerte Arbeit – auf Unternehmens-, als auch auf persönlicher Ebene. 

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Im Video: Nachhaltigkeit in der Sportbranche

 (Quelle: CK)
Ein Beitrag von Claudia Klingelhöfer, Autorin
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