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 Gesundheit im Unternehmen: „In Deutschland Kreisklasse“
Gesundheit | 20.02.2017

Unternehmen müssen mehr für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun

Gesundheitsmanagement im Unternehmen: „Deutschland spielt Kreisklasse“

Gesundheit im Unternehmen: „In Deutschland Kreisklasse“. Nach dem Arbeitstag noch ins Fitnessstudio: Viele Arbeitgeber unterstützen die Angestellten finanziell. (Quelle: jacoblund  / IStock)
Nach dem Arbeitstag noch ins Fitnessstudio: Viele Arbeitgeber unterstützen die Angestellten finanziell.
Bild: jacoblund / IStock
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Sport, gesunde Ernährung und Beruf ist oft eine quälende Kombination, doch immer mehr Unternehmen legen Wert auf ein qualifiziertes betriebliches Gesundheitsmanagement. Denn auch für die Gesundheit gilt: Investitionen in die Prävention zahlen sich am Ende auch finanziell für Firmen aus.

Gesundheitsmanagement wird in Deutschland noch immer unterschätzt: Oft belächelt von den Arbeitnehmern und zu wenig wertgeschätzt von den Unternehmen. Auf der ISPO MUNICH 2017 geben Experten wichtige Tipps wie Unternehmen in die Prävention von Erkrankungen investieren können und erklären, wie viel Geld sich damit verdienen lässt.

Gesundheit: Gewinn durch Vorsorge

Der Leitsatz ist für jedes Unternehmen einfach: Gewinn wird durch Investition erwirtschaftet. Das gilt auch für die Gesundheit der Angestellten. „Wir haben herausgefunden, dass der Return of Invest für Unternehmen, die einen Euro in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren, bei drei Euro, in speziellen Fällen sogar bei bis zu 16 Euro liegt“, sagt Prof. Dr. Uwe Nixdorff vom European Prevention Center.


Eine Rechnung, die in Deutschland nur die wenigsten Unternehmen wirklich verfolgen. Prof. Dr. Volker Nürnberg, Leiter des Health Managements bei der Unternehmensberatung Mercer, sieht hier die größten Probleme: „Bei der Reparatur von Krankheiten spielt Deutschland Champions League, bei der Prävention Kreisklasse.“ Härter geht das Urteil nicht mehr.

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Daran leiden Arbeitnehmer: Muskeln, Psyche und Atemwege 

Die Gesundheitsvorsorge muss von den Unternehmen viel kontinuierlicher betrieben werden, zu oft würden sich Arbeitnehmer nicht trauen, ihren Burn-Out zuzugeben, sagt Nürnberg. Am Häufigsten leiden sie an Muskel- und Skelettbeschwerden, danach folgen psychische Erkrankungen und erst danach kommen Atemwegserkrankungen wie Erkältungen.

Vor allem gegen die ersten beiden Symptome kann man präventiv einwirken. „Um es simpel zu beschreiben: Bewegung, Ernährung und Entspannung haben gigantische Potenziale“, sagt Nixdorff. Das heißt aber auch: Allen drei Maßnahmen werden von vielen Berufstätigen maßlos unterschätzt. Immerhin: Rund 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland bieten bereits Gesundheitsprogramme für die Mitarbeiter an.

Auf der ISPO MUNICH 2017 diskutierten sechs Experten über das ideale Gesundheitsmanagement. Dr. Gabriele Lüke (IHK München/Oberbayern), Dr. Mathias Bellinghausen (Gesellschaft für Prävention), Prof. Dr. med. Uwe Nixdorff (European Prevention Center), Michael Paul Herbst (JetztZeit), Irmgard Franken (Betriebliches Gesundheits- und Eingliederungsmanagement bei der Stadt München) und Prof. Dr. Volker Nürnberger (Leiter Health Management Mercer) mit dem Moderator (v.l.). (Quelle: GR)
Auf der ISPO MUNICH 2017 diskutierten sechs Experten über das ideale Gesundheitsmanagement. Dr. Gabriele Lüke (IHK München/Oberbayern), Dr. Mathias Bellinghausen (Gesellschaft für Prävention), Prof. Dr. med. Uwe Nixdorff (European Prevention Center), Michael Paul Herbst (JetztZeit), Irmgard Franken (Betriebliches Gesundheits- und Eingliederungsmanagement bei der Stadt München) und Prof. Dr. Volker Nürnberger (Leiter Health Management Mercer) mit dem Moderator (v.l.).
Bild: GR

„Die Botschaft kommt immer mehr an. Das beginnt bei der Gründung einer Laufgruppe und endet beim gesunden Führen. Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter motivieren und wertschätzen, sind produktiver. Spannend sind Erhebungen, die zeigen, dass Chefs, egal in welcher Abteilung sie sind, immer den gleichen Krankenstand haben. Das zeigt, dass die Art der Führung auch mit der Gesundheit der Mitarbeiter zusammen hängt“, erklärt Dr. Gabriele Lücke von der IHK München/Oberbayern.

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Best-Practice-Beispiele gibt es genug

Wie können Unternehmen also ein effektives Gesundheitsmanagement installieren? Bislang nämlich erreichen die meisten Programme nur zehn Prozent der Mitarbeiter. „Und wer ist das? Das sind die ohnehin gesunden, die dann zwar noch gesünder werden, was in der Summe allerdings nichts bringt“, sagt Nürnberg. Wichtig sei für Firmen vor allem, dass es „evidenz-basierte Angebote gibt, dann geht es auch nicht um die Kosten“, sagt Nixdorff.

Vom kleinen Mittelständler bis zum DAX-Konzern gilt: Man muss einen oder mehrere Verantwortliche für das Thema finden, je nach Größe des Betriebs. Und dann geht es weiter in kleinen Schritten, schnelle Erfolge wird es nicht geben: „Quick and dirty gibt es nicht“, sagt Nürnberg, der zugeben muss: „Als ich angefangen habe, hat sich der Krankenstand erstmal erhöht. Das war bitter für mich, aber im Nachhinein hat sich gezeigt, dass wir erst mal alles aufgedeckt haben.“ 

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Ein wichtiges Zusammenspiel: Wer im Beruf erfolgreich sein will, braucht gute Gesundheit und eine ausgeglichene Work-Life-Balance. (Quelle: IStock / 3D_generator )
Ein wichtiges Zusammenspiel: Wer im Beruf erfolgreich sein will, braucht gute Gesundheit und eine ausgeglichene Work-Life-Balance.
Bild: IStock / 3D_generator

Die USA können als Vorteil herhalten: Da viele Arbeitnehmer nicht Krankenversichert sind, zahlen am Schluss die Unternehmen die Krankenversorgung, deshalb wird in Prävention investiert. Der Öl-Konzern überweist jedem Arbeitnehmer 1000 Dollar, wenn er pro Jahr mehr als eine Million mit dem firmeneigenen Schrittzähler zurückgelegt hat. „Das klingt erstmal richtig viel, runter gebrochen auf 365 Tage sind das nicht mal 3000 Schritte pro Tag. Wir sagen immer, dass man mit 10.000 Schritten am Tag sein Gewicht hält“, sagt Nürnberg.


Zu hohe Erwartungen dürften die Unternehmen allerdings nicht haben: „Ein Ziel könnte sein, den jetzigen Krankenstand zu erhalten und nicht zu steigern“, schlägt Nürnberg vor. Einen Geheimtipp hat Gabriele Lüke noch parat: „Ein Unternehmen hat die Aufzüge so eingestellt, dass sich die Türen so langsam schließen, dass die Mitarbeiter so genervt waren, dass sie immer die Treppe genommen haben.“ Irmgard Franken, bei der Stadt München für das Gesundheitsmanagement zuständig, sieht auch die Eigenverantwortung: „Zuerst sollte jeder sein eigener Gesundheitsmanager sein.“

Gregor Röslmaier schreibt für ISPO.com. (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Gregor Röslmaier, Autor
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