ISPO.com is also available in English ×
Blitzumfrage für Business Professionals: Ihre Meinung zählt! Jetzt teilnehmen – in nur zwei Minuten
 Kunstschnee und Leih-Ski: So läuft Wintersport in Peking
ISPO-BEIJING | 20.02.2017

Der Wintersport wird zum Trend in China

Skifahren in Peking: Ein Besuch in den Ski-Gebieten Nanshan und HuaiBei

Kunstschnee und Leih-Ski: So läuft Wintersport in Peking. Viele Anfänger sind auf Chinas Pisten unterwegs: Hier erklärt ein Skilehrer (l.), wie man sich auf dem Snowboard verhält. (Quelle: FP)
Viele Anfänger sind auf Chinas Pisten unterwegs: Hier erklärt ein Skilehrer (l.), wie man sich auf dem Snowboard verhält.
Bild: FP
Artikel teilen:
Artikel bewerten:
Der Wintersport kommt immer mehr an in China: Nach der ISPO BEIJING 2017 schaute sich ISPO.com die Ski-Gebiete Nanshan und HuaiBei genauer an und analysiert den Ski-Boom in China.

„Nur 60 Minuten, und schon stehen Sie auf der Piste“. Slogans wie dieser werden oft von Tourismusverbänden verwendet, um Touristen und Einheimische aus den nahe gelegenen Großstädten in die Wintersportregionen zu locken. München ist da ein gutes Beispiel.

Dass dies aber auch für die Mega-Metropole Peking, die Heimat der ISPO BEIJING, gilt, ist nur wenigen klar. Aus diesem Grund veranstaltete die Multisegment-Sportmesse einen Tag nach der ISPO BEIJING 2017 einen Trip für 20 Aussteller in die rund eine Stunde entfernten Ski-Gebiete Nanshan und HuaiBei, um sich ein Bild über den Status quo der Situation vor den Toren Pekings zu machen.

Das Fazit der Teilnehmer fiel dabei durchweg positiv aus, vor allem die sehr professionellen Strukturen beeindruckten. „Es ist beachtlich, was die Betreiber hier auf engstem Raum und nur mit Kunstschnee bewerkstelligen“, so Cornel Grämiger, Initiator des erstmals auf der ISPO BEIJING vertretenen Schweizer Pavillons: „Natürlich sind die Anlagen und Pisten nicht mit der Schweiz zu vergleichen, aber hier entsteht etwas für die Menschen in Peking. Das ist sehr respektabel.“


Die Ski-Gebiete werden künstlich beschneit

Aufgrund der klimatischen Bedingungen müssen beide Ski-Gebiete komplett künstlich beschneit werden, und das Pistenangebot ist mit drei bis vier Sesselliften, mehreren Schleppliften und Magic Carpets überschaubar. Die Betreiber der Resorts geben sich aber Mühe, so nah wie möglich an einen europäischen Standard heranzukommen.

Lesen Sie hier: Warum der Ski-Boom in China eine Chance für europäische Unternehmen ist.

Um diesen zum Beispiel in Nanshan zu erreichen, setzen die Betreiber auch stark auf Hilfe aus dem Ausland. In Kooperation mit dem Österreicher Steve Zdarsky und seiner Firma Mellow Parks bietet Nanshan einen Freestyle Park an, der unter anderem für die mit 30.000 Dollar dotierten Nanshan Freeski Open als Austragungsort dient. 

Viel Schnee liegt nicht: Nur die Ski-Pisten sind akkurat beschneit worden. (Quelle: FP)
Viel Schnee liegt nicht: Nur die Ski-Pisten sind akkurat beschneit worden.
Bild: FP

Die in China noch sehr spitze Zielgruppe der Freeskier ist natürlich nicht die Haupteinnahmequelle, gerade in Stadtnähe ohne wirklich steile Berge. Anfänger prägen das Bild und dementsprechend auch viele gerade Übungspisten oder Hänge mit leichten und breiten Kurven. Um den täglich rund 4000 Ski-Gästen optimale Bedingungen zu präsentieren, sorgen 30 Schneekanonen für neuen Kunstschnee, und bevor es auf die Piste geht, werden die Ski-Novizen in riesigen Räumlichkeiten mit allem ausgestattet, was sie brauchen. 

Lesen Sie hier: Die MND-Gruppe stattet das Skigebiet Snowland aus und sichert sich damit einen Mega-Deal

In China werden Ski geliehen

Skibrillen, Handschuhe, Ski, Snowboards, Schuhe – es gibt nichts, was nicht ausgeliehen werden kann. Und im Falle Nanshans macht das auch Sinn, denn rund 80 Prozent der Gäste brauchen laut Aussage von Marketing Assistant Cao Wei die komplette Ausrüstung. Ein Tagespass ist mit 470 Renminbi (64 Euro) im ersten Moment nicht gerade preiswert, doch die Betreiber des Ski-Gebiets haben hier bereits die komplette Leihgebühr mit eingerechnet. Wer sein eigenes Equipment mitbringt, bekommt 30 Prozent Rabatt.

Mehr als 80 Ski-Lehrer stehen bereit, um die Gäste auf den Anfängerhügeln zu schulen. Angesichts der vielen Neulinge sicher nicht übertrieben, allein der Qualitätsstandard muss noch verbessert werden.

Leihski soweit das Auge reicht: Gekauft werden Ski in China noch selten. (Quelle: FP)
Leihski soweit das Auge reicht: Gekauft werden Ski in China noch selten.
Bild: FP

„Einen Ski-Lehrer-Verband gibt es landesübergreifend noch nicht. Wir arbeiten aber eng mit der Beijing Ski Association zusammen. Damit wird zumindest ein regionaler Standard gewährleistet“, erklärt Wei.

Auch hier sind viel Resort-Betreiber sich nicht zu schade, um ausländische Hilfe zu fragen. Regelmäßig werden Ski-Lehrer aus Europa und den USA engagiert, um das Niveau der Ski-Lehrer-Ausbildung zu verbessern.

Lesen Sie hier: Der Wintersport in China wird zum Trend – doch noch gibt es viele Ansätze zu Verbesserung

Zum Wintersport nach Neuseeland 

Vom Wintersport-Boom in China profitieren aber nicht nur Chinesen und Europäer, sondern auch der komplette asiatisch-pazifische Raum. Neben Japan und Südkorea entdecken die Chinesen auch Neuseeland als Wintersport-Destination. Aus diesem Grund ist auch ein Team um Bridget Legnavsky, General Managerin des Cardrona Alpine Resorts in Wanaka, vor Ort.

„Die Chinesen sind unheimlich offen für Hilfe aus dem Ausland. Sie wollen lernen, und sie hören sehr genau zu“, sagt Legnavsky, die mit ihrem Team nach dem Resort in Nanshan auch noch die größeren Ski-Gebiete weiter nördlich besuchen will.

„Neuseeland ist zwar mit dem Flugzeug zehn Stunden entfernt, doch wir sind in der gleichen Zeitzone, was ein großes Plus ist“, erklärt Legnavsky: „Aber viel wichtiger ist, dass China und Neuseeland sich nicht gegenseitig die Kunden wegnehmen. Wenn in China und den umliegenden Nationen Winter ist, ist bei uns Sommer und umgekehrt. Es wäre also die perfekte Ergänzung.“


Zehn Stunden sind letztlich natürlich eine Hausnummer, um in den Ski-Urlaub zu fahren. Vor allem beim chinesischen Klientel, das zum Beispiel in Nanshan zu 95 Prozent aus Tagesgästen besteht. Da klingen „Nur 60 Minuten, und schon stehen Sie auf der Piste“ doch deutlich besser. Und mit den Olympischen Winterspielen 2022 vor der Brust werden aus den 60 Minuten bald 15. Denn in zwei bis drei Jahren ist die Trasse für den Expresszug aus Peking in diese Region fertig, und dann dürfte der Wintersport-Tourismus noch einmal einen deutlichen Schub erfahren.

Alles rund um die Ski-Industrie in China – Das White Book 2016 ist erschienen

Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media