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 Nachhaltige Sport-Mode braucht klare Ökolabel
Textilien | 06.02.2017

Braind-Gründer Tomas Vucurevic über Zukunft von „Fair Fashion“

Nachhaltige Sport-Mode braucht klare Ökolabel

Nachhaltige Sport-Mode braucht klare Ökolabel. Braind-Gründer Tomas Vucurevic spricht bei der ISPO ACADEMY Conference über den „Ökolabel-Dschungel". (Quelle: ISPO.com)
Braind-Gründer Tomas Vucurevic spricht bei der ISPO ACADEMY Conference über den „Ökolabel-Dschungel".
Bild: ISPO.com
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Was ist „faire Kleidung“? Und weshalb kaufen Millionen Menschen zwar Öko-Lebensmittel, aber nur wenige Öko-Kleidung? In einem spannenden Vortrag auf der ISPO MUNICH stellt Braind-Gründer Tomas Vucurevic die Probleme der Textilindustrie dar – und fordert ein Ende des kundenfeindlichen Label-Dschungels.

Zögerlich gehen vier Hände im Publikum nach oben. „Vier von etwa 50, das ist im Vergleich zum Rest der Bevölkerung sehr viel“, sagt Tomas Vucurevic.

Der Gründer und Geschäftsführer von Braind, einer Unternehmensberatung für Ingredient Brands, hatte zuvor gefragt, wer im Auditorium nachhaltige Kleidung einkaufe.


Die Nachfrage nach fair hergestellter Kleidung wächst zwar, die Textilindustrie stehe sich aber noch immer selbst im Weg, meint der 50-Jährige. „Der Begriff Fair Fashion bedeutet für jeden etwas anderes – und das behindert das Wachstum dieser Branche. Wir müssen uns auf eine allgemeine Definition einigen, um das Thema wirklich groß zu machen.“

Neue Ansätze für Ökolabel-Dschungel

Tomas Vucurevic stellt in seinem Vortrag auf der ISPO TEXTRENDS Bühne vier Ansatzpunkte vor:

1. Meta-Standardisierung der vielen Ökolabels.
2. Niedrigere Preise und bessere Distribution der Produkte.
3. Bessere Konsumenten-Einbindung durch die Unternehmen.
4. „Sexy“ Konzepte.


Manche Jacken sähen von innen aus „wie ein Christbaum“, meint Vucurevic: „Wenn ich möchte, kann ich meine Jacke voll mit Ökolabels nähen.“ Die Konsequenz seien überforderte Kunden. „Niemand will 100 verschiedene Labels kennen. Und was machen Kunden, die sich nicht mehr auskennen? Sie kaufen gar nichts.“

Sein Appell richtet sich an die Textilbranche im Allgemeinen und die Händler im Speziellen. „Wir brauchen endlich eine Standardisierung im Ökolabel-Dschungel.“ Industrie und Handel müssten sich zu einem Bündnis zusammenschließen und viel Energie hineinstecken, um die Kunden zu informieren, sagte Vucurevic. Um Erfolg zu haben, müssten Konsumenten wissen, wofür ein Label steht und wo sie die zertifizierten Produkte bekommen.

„Wir brauchen endlich eine Standardisierung im Ökolabel-Dschungel“, sagt Braind-Gründer Tomas Vucurevic bei der ISPO ACADEMY Conference. (Quelle: ISPO.com)
„Wir brauchen endlich eine Standardisierung im Ökolabel-Dschungel“, sagt Braind-Gründer Tomas Vucurevic bei der ISPO ACADEMY Conference.
Bild: ISPO.com

„Nachhaltige Mode muss attraktiv sein!"

Patagonia sei ein populäres, gutes Beispiel: „Wer bei Patagonia einkauft, bekommt nicht nur nachhaltige Kleidung, sondern weiß, dass sich das ganze Unternehmen der Nachhaltigkeit verschrieben hat“, sagt Vucurevic. Er glaubt: „Einzelne nachhaltige Produkte von nicht-nachhaltigen Unternehmen haben keine Zukunft.“

Vucurevic mahnte die Unternehmen, sich nicht zu dogmatisch zu vermarkten. „Kein Mensch hat Lust auf Vorwürfe“, sagte er. „Verbote sind kein Kaufanreiz. Nachhaltige Mode muss attraktiv sein, sie muss sexy sein. Nur dann hat sie eine Chance.“

Joscha Thieringer (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Joscha Thieringer, Redakteur
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