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 Werbung im Videospiel: Wie profitieren Sport-Brands davon?
Action Sports | 21.12.2016

Marketing via Gaming

Steep: Deshalb werben Red Bull, GoPro, The North Face und Salomon im Videospiel

Werbung im Videospiel: Wie profitieren Sport-Brands davon?. In manchen Szenen wirkt die Videospiel-Welt von Steep nahezu fotorealistisch. (Quelle: Ubisoft)
In manchen Szenen wirkt die Videospiel-Welt von Steep nahezu fotorealistisch.
Bild: Ubisoft
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Steep ist ein Videospiel und bildet die Welt der Action Sports im Schnee so detailliert und spektakulär ab wie noch keines zuvor. Bekannte Unternehmen der Sportbranche wie Red Bull, GoPro, The North Face und Salomon sind Partner. Aber warum eigentlich? Wie profitieren die Marken, wenn jemand auf dem Sofa sitzt und zockt?

Ortler, Mont Blanc und Matterhorn sind nur wenige Kilometer – oder besser: nur einen Wingsuit-Flug voneinander entfernt. Wer auch nur einen Hauch Ahnung von Geographie hat, der muss in Steep beide Augen zudrücken. Kurz zumindest. Denn sonst würde er etwas verpassen.

Das Entwickler-Studio des Software-Giganten Ubisoft in Annecy hat mit seinem jüngsten Werk eine manchmal maßlos überzeichnete, aber dennoch beeindruckend unterhaltsame Spielwiese für den virtuellen Wintersport geschaffen.

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Sponsoring in der virtuellen Bergwelt

In „Steep“ darf der Gamer Ski und Snowboard fahren, mit dem Gleitschirm und Wingsuit fliegen, wann und wo immer er in der Spielwelt das möchte. „Open World“ heißt das, es gibt keinen starren Erzähl- und Levelstrang, der dem Menschen am Gamepad vorschreibt, was er zu tun hat.

Ein wahnwitziger Wingsuit-Sprung die Matterhorn-Nordwand hinab. Klar, gerne auch im Flughörnchen-Kostüm! Eine Freestyle-Session auf dem Gletscher, ein Highspeed-Ritt durch einen verschneiten Wald? Jederzeit möglich, auch gemeinsam mit anderen Sofa-Wintersportlern aus der ganzen Welt.

Wer mag, spielt Steep in der Ego-Perspektive. Leichter zu steuern wird das Spiel dadurch allerdings nicht. (Quelle: Ubisoft)
Wer mag, spielt Steep in der Ego-Perspektive. Leichter zu steuern wird das Spiel dadurch allerdings nicht.
Bild: Ubisoft

Der Spieler kann bei „Steep“ aber nicht nur all das ausprobieren, was in der Realität vermutlich innerhalb weniger Minuten mindestens zu Knochenbrüchen führen würde – er wird auch immer wieder aufgefordert, an Events im Spiel teilzunehmen. Das kann eine Stunt-Tour durch ein verschneites Dorf sein oder ein Gleitschirm-Flug an einer Felswand entlang.

Diese Events in „Steep“ haben dann meist einen Sponsor: Das ist oft Red Bull mit seinem schier unendlichen Marketing-Budget, das ist manchmal GoPro, das sind aber auch Unternehmen wie Salomon oder The North Face, die sich eigentlich im Winter- und Bergsport der realen Welt positionieren und die man nicht unbedingt als Partner eines Videospiels erwarten würde.

„Es ist das erste Mal, dass wir eine derart intensive Zusammenarbeit mit einem Entwickler haben", sagt Anssi Makela, Global Digital Marketing Manager bei Salomon. „Für uns passt das perfekt: Nicht nur, dass das Studio wie wir in Annecy zu Hause ist, wir teilen auch die selbe Passion für das Draußensein.“


Erst virtuell, dann in der Realität kaufen

Draußen? Finden Videospiele praktisch nicht ausschließlich drinnen statt? „Wenn ein Spiel wie Steep den Leuten vermitteln kann, dass das nächste Abenteuer draußen nur auf sie wartet, dann freuen wir uns, ein Teil des Ganzen zu sein“, sagt Makela.

Auch The North Face positioniert sich zum ersten Mal in einem Videospiel. „Die Welt, die Ubisoft geschaffen hat, ist sehr authentisch und nahe am Sport – das war für uns Grundvoraussetzung, Partner zu werden“, sagt Jeremy de Maillard, Vizepräsident Marketing & e-Commerce EMEA bei The North Face.

„Mit unseren Produkten haben wir dem Spiel mehr Glaubwürdigkeit gegeben“, sagt de Maillard, „gleichzeitig haben wir die virtuelle Welt mehr mit der echten verbunden. Die Grenzen verschwimmen heutzutage, deswegen haben wir diesen Weg gewählt, um die Menschen zu erreichen.“

Natürlich gilt das vor allem auch auf Produktebene: „Aus einer Business-Perspektive hoffen wir natürlich, dass die Menschen, wenn sie dann für Draußen einkaufen gehen, unsere Produkte im Hinterkopf haben“, sagt Makela.

Auch im Spiel „Steep“ gibt es eine Art Shop, in dem sich für erspielte Währung der eigene Charakter von der Mütze bis zum Skischuh individuell und markenbewusst einkleiden lässt.

So soll „Steep“ für die beteiligten Unternehmen also als Content-Marketing-Maßnahme funktionieren – im besten Fall aber auch auf einer höheren, weit umfassenderen Ebene. Weil der Schnee weniger, die Investitionen für Ski-Tage aber immer höher werden, wird es für die gesamte Wintersport-Branche immer schwieriger, Menschen für Sport im Schnee zu begeistern (lesen Sie hier einen Kommentar von ISPO-Director Tobias Gröber zu diesem Thema).

Vom Bildschirm zur realen Wintersport-Action?

„Wir glauben, dass Steep Gamer dazu inspirieren kann, nach draußen zu gehen und dort dann die echten Erlebnisse in der Realität zu haben“, sagt Salomon-Mann Anssi Makela. Und das erst einmal unabhängig von Sport und Sportgerät: „Der Trend geht klar dahin, dass die Menschen mehrere Sportarten nebeneinander ausüben.“

Die Bergdörfer in Steep sind unbewohnt. Und bieten sich deshalb für spektakuläre Stunts an. (Quelle: Ubisoft)
Die Bergdörfer in Steep sind unbewohnt. Und bieten sich deshalb für spektakuläre Stunts an.
Bild: Ubisoft

Auch Jeremy de Maillard sieht das ähnlich: „Wir glauben, dass diese neue Plattform uns hilft, auf die lange Sicht mehr Wintersport-Begeisterte zu gewinnen. Und das ist entscheidend, für The North Face und die Industrie als Ganzes.“

Schafft es also am Ende ein Videospiel, dass die Menschen das Gamepad beiseite legen, vom Sofa aufstehen und mindestens in den nächsten Outdoor-Laden gehen, um sich eine neue Jacke zu kaufen? Klar: Ubisoft reicht es in erster Linie, wenn sich „Steep“ gut verkauft. 

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Für die beteiligten Unternehmen aus der Sportbranche kann die Partnerschaft allerdings ein zukunftsweisendes Modell sein: Versuchen, die Kunden von morgen dort abzuholen, wo sie heute nunmal sind: Vor dem Bildschirm, nicht im Tiefschnee.

„Steep“ ist für Playstation 4, Xbox One und PC erschienen und auf den einzelnen Plattformen digital sowie in jedem gängigen stationären und Versandhandel erhältlich.

Julian Galinski (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Julian Galinski, Leitender Redakteur
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