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 Macht der Kletter-Trend den Sport gefährlicher?
Outdoor | 18.11.2016

Volle Hallen, volles Risiko? Warum der Kletter-Trend auch gefährlich ist

Sicherheit beim Klettern: Die Industrie ist gefordert – und jeder Einzelne

Macht der Kletter-Trend den Sport gefährlicher?. Sportklettern ist grundsätzlich sicher – wenn alle Beteiligten auch wirklich aufmerksam sind. (Quelle: Thinkstock)
Sportklettern ist grundsätzlich sicher – wenn alle Beteiligten auch wirklich aufmerksam sind.
Bild: Thinkstock
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Klettern boomt. Das ist gut für Industrie, Hallenbetreiber und Verbände. Was mit der Beliebtheit des Sports aber nicht gleichermaßen steigt: Das notwendige Verantwortungsbewusstsein für den Sport. Das ist gefährlich. Ein Kommentar von ISPO-com-Redakteur Julian Galinski.

Die stetig wachsende Beliebtheit des Klettersports ist gleichzeitig auch sein großes Problem. Nicht um Geld zu verdienen, nein – Hallen, Hersteller und Verbände profitieren vom anhaltenden Boom. Das Problem ist die Sicherheit der Kletterer, vor allem derer, die gerade auf den Trend mitaufspringen.

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Nicht beim Bouldern, das gerade in süddeutschen Großstädten Menschenmassen anzieht und ohne Seil und auf Absprunghöhe relativ ungefährlich bleibt. Sobald allerdings ein Seil ins Spiel kommt, ändern sich allerdings die Ansprüche grundlegend. An die Psyche des Kletterers, weil die Routen bis zu 30 Meter hoch sind – und vor allem an den sichernden Partner.

Lesen Sie hier: Der Kletter-Boom – wie aus Bergsport Fitness-Sport wird

Grundvoraussetzung beim Klettern: Verantwortungsbewusstsein

Hier herrscht der größte, ein teilweise sogar eklatanter, Nachholbedarf an Wissen und Übung. Denn eines unterscheidet den Sport Klettern grundlegend von anderen populären Freizeitbeschäftigungen wie Laufen, Fitness oder den Mannschaftssport-Evergreens: Das notwendige Maß an Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Einst Trainingsform des Kletterns, heute selbst Boom-Sportart: Bouldern. (Quelle: Thinkstock)
Einst Trainingsform des Kletterns, heute selbst Boom-Sportart: Bouldern.
Bild: Thinkstock

Mal eben Seil, Gurt und Sicherungsgerät kaufen und loslegen – das ist es eben nicht. Wer klettert und das nicht mit hundertprozentiger Aufmerksamkeit tut, kann stürzen und sich verletzten. Wer einen Kletterer sichert und das nicht mit hundertprozentiger Aufmerksamkeit tut, der riskiert dessen Absturz – und am Ende dessen Leben.

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Es gibt – in den meisten Kletterhallen – keine Kontrollmechanismen, ob die Kletterer dort (zumindest mit einem Toprope- und Vorstiegskurs) ausgebildet sind, für das was sie tun. Und wer mit ein bisschen Vorbildung den Blick durch eine Kletterhalle schweifen lässt, der sieht hanebüchen fahrlässige Dinge: Vor allem in den wildest möglichen Falschanwendungen von Sicherungsgeräten. Immer wieder sterben Freizeit-Kletterer oder verletzen sich schwer, weil grundlegende Sicherheitsprozeduren nicht oder falsch durchgeführt werden, Hardware falsch gehandhabt wird.


Innovationen in der Sportindustrie

Die Industrie hat das erkannt, viele Hersteller setzen nun verstärkt auf Halbautomaten mit Blockierfunktion, die komfortabel wie ein Tuber (ohne Blockierfunktion) sind, im Sturzfall des Kletterers bei einem unaufmerksamen (das gibt auf jedem Leistungslevel) oder unerfahrenen Sicherer den Absturz vermeiden können.

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AustriAlpin etwa hat den Fish auf den Markt gebracht, Black Diamond setzt 2017 auf den ATC Pilot. Der Revo von Wild Country hat besondere Aufmerksamkeit erlangt, weil er noch eine Fehlerquelle eliminiert: Das Seil falsch herum in das Sicherungsgerät einzulegen. Edelrid geht das Thema Gewichtsunterschied mit dem Ohm grundlegend neu an: Mit einer leichten, einfach zu bedienenden Seilbremse, die in die erste Sicherung gehängt wird.

 

Hersteller, Hallenbetreiber und Verbände sind gefordert

Das kann nur der erste und, so sinnvolle wie notwendige Schritt sein: Kletterpartnern auf komfortablem Weg jede mögliche technische Unterstützung zu geben. Der zweite, noch viel wichtigere, muss ein gemeinsames Handeln von Herstellern, Hallenbetreibern und Verbänden sein: Nicht mit erhobenem Zeigefinger, aber mit nachdrücklicher Deutlichkeit zu vermitteln, dass Klettern nicht nur ein großartiger Sport ist, weil er Kopf und Körper fit hält. Sondern auch, weil er ein überdurchschnittliches Investment an Konzentration und Verantwortung bedarf – und gerade das jeden Klettertag so wertvoll macht.

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Wer in eine Kletterhalle geht, egal ob zum ersten oder fünfhundertsten Mal, der muss wissen: Es ist seine Pflicht, alles zu tun, um die eigene und die Sicherheit der anderen zu gewährleisten. Dazu gehört die richtige, unterstützende Ausrüstung. Und dazu gehört die richtige Einstellung: Erst Wissen, dann Erfahrung zu sammeln – für die größtmögliche Sicherheit des Seilpartners.

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Julian Galinski (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Julian Galinski, Leitender Redakteur
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