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 Zukunftsforscher Jens-Uwe Meyer: „Was Leute morgen wollen“
Innovation | 22.09.2016

ISPO OPEN INNOVATION: Von künftigen Konsumenten lernen

Zukunftsmarkt-Forscher Jens-Uwe Meyer: „Heute entwickeln, was Leute morgen wollen“

Zukunftsforscher Jens-Uwe Meyer: „Was Leute morgen wollen“. Für viele Menschen gehört Sport fest zum Alltag – eine Chance für innovative Firmen und Sportartikel. (Quelle: Thinkstock)
Für viele Menschen gehört Sport fest zum Alltag – eine Chance für innovative Firmen und Sportartikel.
Bild: Thinkstock
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Eine gute Produktidee ist eine tolle Sache – aber zunächst einmal wertlos. Zukunftsmarkt-Forscher und Bestseller-Autor Dr. Jens-Uwe Meyer erklärt, wie aus einer bloßen Idee eine Innovation entstehen kann und warum Manager beim Begriff „Digitale Disruption“ nicht angstvoll zusammenzucken sollten.

Jahrelang liebte er das Rudergerät in seinem Fitnessraum, doch mittlerweile ist die Liebe etwas erkaltet. „Es ist leise, es ist toll, aber es kann nicht mit meinem Handy kommunizieren“, sagt Dr. Jens-Uwe Meyer. „Vor fünf Jahren konnte man das vielleicht noch rechtfertigen, aber heute fehlt mir da was Grundlegendes. Jetzt würde ich das so nicht mehr kaufen.“


Jens-Uwe Meyer im Interview

Wie der 50-Jährige, der nach eigener Aussage „die analoge Welt schon immer gehasst“ hat, denken viele Menschen. Und es werden immer mehr, die im Zeitalter des Internets und der Smartphones aufgewachsen sind.

Ihre Konsumgewohnheiten sind zwar schwerer vorauszusehen als früher – aber es ist nicht unmöglich. ISPO.com hat mit Dr. Meyer, der gerade sein neues Buch „Digitale Disruption“ veröffentlicht hat, über die Herausforderungen der Unternehmen und die Chancen von ISPO OPEN INNOVATION gesprochen.

ISPO.com: Herr Dr. Meyer, früher fahndeten Sie als Polizeikommissar nach Drogenhändlern, nun bringen Sie anderen bei, innovativ nach vorne zu denken und schreiben Bestseller über Innovationsfähigkeit von Unternehmen – bitte helfen Sie uns: Wo ist da der rote Faden?
Dr. Jens-Uwe Meyer: (lacht) Als Kriminalist habe ich mich schon immer für Muster interessiert und das ist heute genauso wichtig. Ich fahnde also nach Mustern in Unternehmen und Geschäftsfeldern und leite daraus eine Strategie für die Zukunft ab. Die Digitalisierung bietet mir da großartige Chancen.

Digitale Disruption – Risiko und Chance

Sie meinen bei der Auswertung von Daten?
Ja, aber nicht nur. Sehen Sie: Unsere Gesellschaft erlebt gerade einen riesigen Wandel – und die Geschwindigkeit, mit der das passiert, ist phänomenal. Was früher 50 Jahre brauchte, passiert nun binnen fünf. Klassische Tätigkeitsfelder brechen durch die Digitalisierung nach und nach weg. Zum Beispiel der freundliche Bankberater, den braucht man heutzutage eigentlich gar nicht mehr. Und so ergeht es immer mehr Branchen und Berufen.

Dr. Jens-Uwe Meyer ist Internet-Unternehmer und hat gerade sein neuestes Buch über Digitale Disruption veröffentlicht. (Quelle: innolytics)
Dr. Jens-Uwe Meyer ist Internet-Unternehmer und hat gerade sein neuestes Buch über Digitale Disruption veröffentlicht.
Bild: innolytics

Sie sprechen die sogenannte Digitale Disruption an.
Ja, meistens wird ja noch von digitaler Transformation gesprochen. Aber das reicht längst nicht mehr. Während früher der Personal Trainer irgendwann auch per Skype erreichbar war oder sich eine Homepage gebaut hat, wird er nun sukzessive durch digitale Fitnesscoaches komplett ersetzt. Wie diese Branche in zehn Jahren aussieht? Mit Sicherheit wieder völlig anders! Die Prioritäten der Kunden verschieben sich massiv, das macht vielen Unternehmen schwer zu schaffen.

Das klingt, ehrlich gesagt, ziemlich negativ.
Wenn man in alten Strukturen eingesperrt ist, mag das sein. Für alle, die freudig und flexibel nach vorne denken, ist es eine riesige Chance. Der Personal Trainer beispielsweise wird ja nicht automatisch arbeitslos, sondern könnte eigene Fitness-Ideen digital weiterentwickeln und damit viel mehr Menschen erreichen und mit seinem Konzept begeistern.

ISPO OPEN INNOVATION „maßgeschneidert“ 

Dafür benötigt man aber nicht nur eine Idee. Was ist der Unterschied zwischen einer Idee und einer Innovation?
Eine Idee ist zunächst einmal wertlos. Eine Innovation hingegen entsteht dann, wenn eine Idee aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln optimal entwickelt und zur Marktreife gebracht wird. Das beginnt bei der Produktentwicklung und hört erst bei der Markteinführung auf.

Und wer dabei Hilfe gebrauchen kann, kann sich an Sie wenden?
So könnte man es formulieren. Zusammen mit ISPO hat meine Firma innolytics die Innovations- und Consumer-Insights-Plattform ISPO OPEN INNOVATION ausgebaut. Wir wollen nicht nur Ideen mit unseren Kunden entwickeln, sondern decken alle Bedürfnisse bei der Produktentwicklung ab – maßgeschneidert auf die Kundenwünsche.

Gemeinsam Lösungen finden – ISPO OPEN INNOVATION nutzt die Power der Crowd. (Quelle: Thinkstock)
Gemeinsam Lösungen finden – ISPO OPEN INNOVATION nutzt die Power der Crowd.
Bild: Thinkstock

Warum sollte ein Sportunternehmen ausgerechnet bei ISPO OPEN INNOVATION mitmachen und nicht einfach eine Marktforschungsstudie in Auftrag geben?
Nicht nur Sportunternehmen! Sondern auch Unternehmen aus anderen Branchen, die vom Potenzial des boomenden Sportmarkts profitieren wollen. Natürlich gibt es Marktforschungsfirmen und andere Open-Innovation-Plattformen, aber eines unterscheidet ISPO grundlegend von allen anderen: ISPO verfügt über eine unvergleichliche Fachcommunity.
Das bedeutet: Wenn ein Unternehmen mit einer Produktidee oder ersten Prototypen zu uns kommt, ermitteln wir aus unserer Community genau die Mitglieder, die für die Produktentwicklung genau passen. Wir können die zukünftigen Nutzer von der ersten bis zur letzten Minute des Entwicklungsprozesses einbinden.

„Wir kennen unsere Testpersonen genau“

Erklären Sie doch bitte mal, wie Sie die richtigen Testpersonen finden.
Wir clustern sehr stark mit Hilfe eines detaillierten Fragebogens. Sie dürfen nicht vergessen: Die ISPO-Fachcommunity ist nicht nur hochqualifiziert, sondern auch sehr groß. Die Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. 
Wenn also ein Sportunternehmen beispielsweise Laufschuhe für Viel-Jogger entwickelt hat, die über einen Chip mit dem Smartphone kommunizieren können, dann macht es ja keinen Sinn, Testpersonen auszuwählen, die nur gelegentlich laufen und wenig technikaffin sind.
Wir hingegen kennen unsere Community sehr genau. Die Leute geben uns gerne über sich Auskunft, weil sie wissen, dass sie dann nur Produkte zum Testen bekommen, die sie auch wirklich interessieren. 

Was wollen die Konsumenten in Zukunft? Im Herbst 2016 starten einige spannende Projekte bei ISPO OPEN INNOVATION. (Quelle: Thinkstock)
Was wollen die Konsumenten in Zukunft? Im Herbst 2016 starten einige spannende Projekte bei ISPO OPEN INNOVATION.
Bild: Thinkstock

Ist es leicht, Unternehmen für ISPO OPEN INNOVATION zu gewinnen?
Von Projekt zu Projekt wird es leichter. Meistens sind es junge, noch nicht sehr große Unternehmen, die unseren Service nutzen. Es ist eine Frage der Unternehmenskultur. Sie alle sind offen, kreativ, neugierig und haben Lust, etwas Neues auszuprobieren. Das können auch große Unternehmen sein, aber die haben oft Führungskräfte, die wenig verkehrt machen wollen. Aber so funktioniert Open Innovation nicht. Wir wollen unsere Community ja nicht steuern und ihr sagen: „Leute, findet das hier toll, das ist ein tolles Produkt!“

„Da kann keine Marktforschung mithalten“

Man sollte also kritikfähig sein.
Ja, es kann gut sein, dass die Community über deine Idee vernichtend urteilt – aber dann war's wohl auch nicht so super wie gedacht. Aber jetzt kommt's: Die Leute sagen ja nicht einfach nur „Das ist Mist!“, sondern sagen dir ganz konkret, welche Features sie vermissen. Und um das Produkt dann zu finalisieren, kann ISPO als Teil der Messe München GmbH schließlich auch noch den Kontakt zu Experten aus anderen Industriesegmenten herstellen.

Zunächst aber klassisches Crowdsourcing?
Nein, eigentlich viel besser. Ich habe noch nie eine derart begeisterte Community gesehen wie bei ISPO. Die Leute bekommen ja kein Vermögen dafür, sondern die arbeiten mit, weil sie Interesse daran haben, Sportprodukte zu konsumieren, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Heute schon wissen, was die Leute morgen wollen – das ist das Ziel. Da kann keine Marktforschung mithalten. Wenn ich sehe, welche Projekte wir im Herbst in der Pipeline haben, da habe auch ich Lust mitzumachen. Darf ich aber leider nicht. (lacht)

Endlich im Druck! Buchpremiere ist am 13. September auf einer Vorstandstagung von T-Mobile in Österreich. Der Inhalt...

Posted by Innolytics GmbH on Montag, 22. August 2016

Über Dr. Jens-Uwe Meyer:

Schon als 16-Jähriger startete er 1982 seine Karriere als Polizeibeamter in Hamburg. Acht Jahre später war er Radiomoderator bei Antenne Niedersachsen, 1996 wurde er Korrespondent für ProSieben. Meyer begann, erst Journalisten, dann Unternehmen zu schulen und promovierte schließlich über die Innovationsfähigkeit von Unternehmen.
Heute ist der 50-Jährige Internet-Unternehmer. Seine Leipziger Firma Innolytics hat gerade gemeinsam mit ISPO die Open-Innovation-Plattform ausgebaut. Sein zehntes Buch „Digitale Disruption“ ist im September 2016 erschienen. 

Joscha Thieringer (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Joscha Thieringer, Autor
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