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 Olympia-Hashtags:
Olympia | 03.08.2016

Experte erklärt den Umgang mit den Social-Media-Regeln des IOC

Hashtags bei Olympia 2016: Was auf Twitter, Facebook & Co. erlaubt ist – und was nicht

Olympia-Hashtags:. Für die Olympischen Spiele 2016 hat das IOC klare Regeln aufgestellt – gerade auch für die sozialen Medien. (Quelle: imago)
Für die Olympischen Spiele 2016 hat das IOC klare Regeln aufgestellt – gerade auch für die sozialen Medien.
Bild: imago
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Sportfans und Vertreter der Sportbranche sind gleichermaßen verunsichert: Angeblich dürfen weder Athleten noch Unternehmen mit Olympia-Hashtags wie #Rio2016 oder #Olympia zu und während der Olympischen Spiele in Rio in den sozialen Medien aktiv sein – also keine Posts auf Facebook, Instagram oder Facebook mit diesen Hashtags verfassen.

Was wirklich stimmt, wer mit den Olympia-Hashtags twittern darf oder nicht, klärt für ISPO.com der Rechtsanwalt Thomas Stadler, der mit seinem Blog Internet-law.de zu den bekanntesten Internet-Rechtsexperten Deutschlands zählt.

Darf ich noch zu #Olympia twittern?

Grund für die Hashtag-Verwirrung: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) macht rigorose Vorgaben:  #Rio2016, #OlympischeSpiele, #Olympia2016 – sie alle dürfen nicht im Zusammenhang mit Unternehmen verwendet werden, die keine Sponsoren der Olympischen Spiele sind. Entsprechend kritisch und auch unterhaltsam waren die Reaktionen in den sozialen Netzen.

Aber nicht nur Unternehmen, sondern auch Athleten und Privatpersonen sind verunsichert. Sie fragen sich: Darf ich noch über Olympia twittern? Was ist, wenn ich auf Facebook etwas zu den Olympischen Spielen schreibe oder ein Bild mit dem Hashtag #Rio2016 oder #Olympia auf Instagram poste?

Fragen, die unser Experte Thomas Stadler beantwortet – mit sieben Fakten rund um die Olympia-Hashtags wie  #Rio2016, #Olympia und #OlympischeSpiele, die jeder kennen sollte.


1. Privatpersonen dürfen alles mit #Olympia und #Rio2016 twittern

Dürfen Privatpersonen in sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter Hashtags wie #Rio2016 #Olympia oder #OlympischeSpiele verwenden? Gibt es Einschränkungen?
Thomas Stadler: "Für Privatpersonen gibt es keinerlei Einschränkungen, weil sie einerseits gar nicht im geschäftlichen Verkehr handeln und andererseits auch nicht über Produkte oder Dienstleistungen schreiben werden, sondern nur über die Spiele oder das Drumherum. Dazu dürfen die Hashtags benutzt werden."

Wie ist es aber, wenn ein User auf seinem Twitter-, Facebook- oder Instagram-Accounts schreiben würde: „Alle Sprinter sind gedopt! #Rio2016 #OlympischeSpiele“
Thomas Stadler: "Damit werden jedenfalls die Rechte des IOC bzw. des DOSB nicht verletzt. Wenn jemand namentlich benannte Sportler des Dopings bezichtigt, könnte das aber eine Ehrverletzung gegenüber dem betroffenen Sportler darstellen."

2. Olympia-Teilnehmer dürfen nicht mit den Hashtags #Rio2016 oder #Olympia werben

Welche Hashtags dürfen Olympia-Sportler in den sozialen Medien bedenkenlos verwenden? An welche Grundregeln müssen sie sich halten?
Thomas Stadler: "Es gibt einen Leitfaden der deutschen Olympiamannschaft, der sich auf die Regel 40 der Olympischen Charta bezieht. Danach darf ein Wettkampfteilnehmer während der Olympischen Spiele nicht mit seiner Person, seinem Namen, seinem Bild oder seiner sportlichen Leistung werben. Das gilt nach diesem Leitfaden auch für soziale Medien. Solange aber keine Verbindung zur Leistung eines Unternehmens (Sponsors) ersichtlich ist, dürfen Athleten natürlich auf Facebook oder Twitter schreiben. Ein generelles Äußerungsverbot für Sportler besteht nicht."

3. Hashtag-Missbrauch: Athleten müssen mit Sanktionen rechnen

Und kann das IOC Sportler bei Nichtbefolgung der Regeln tatsächlich bestrafen? Mit Sperren oder tatsächlichen Gerichtsverfahren, falls sie #Rio2016 oder #Olympia missbräuchlich verwendet haben?
Thomas Stadler: "Es gibt in der Olympischen Charta eine Regelung zu Sanktionen im Falle des Verstoßes gegen die Bestimmungen der Charta. Als Sanktion ist dort grundsätzlich auch der zeitweise oder vollständige Ausschluss des Sportlers von den Spielen vorgesehen. Es besteht aber auch die Möglichkeit einer Verwarnung durch das IOC."

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4. Hashtag-Schlupflöcher: Firmen dürfen nicht gegen Markenrechte verstoßen

Unternehmen wie etwa Garmin, die keine Olympia-Sponsoren sind, nutzen jetzt schon die Aufmerksamkeit des Falls für ihre Kampagnen (etwa mit: #DieStadtinBrasilien) – was dürfen Unternehmer nach den Maßstäben des IOC, was nicht?
Thomas Stadler: "Unternehmen, die keinen Vertrag mit dem IOC haben, sind grundsätzlich natürlich auch nicht an die vom IOC einseitig aufgestellten Werberegeln gebunden. Erst dann, wenn solche Unternehmen gegen geschützte Rechte des IOC verstoßen, beispielsweise gegen Markenrechte, hat das IOC eine rechtliche Handhabe gegen solche Unternehmen. In Deutschland gibt es zudem noch das Gesetz zum Schutz des olympischen Emblems und der olympischen Bezeichnungen (OlympSchG). 

Danach steht das ausschließliche Recht zur Verwendung und Verwertung des olympischen Emblems und der olympischen Bezeichnungen dem NOK und dem IOC zu. Zu den olympischen Bezeichnungen gehören aber nur die Wörter „Olympiade“, „Olympia“, „olympisch“, allein oder in Zusammensetzung. Ein Hashtag wie #Rio2016 ist keine olympische Bezeichnung."


5. Journalisten und Blogger dürfen #Rio2016 und #Olympia verwenden

Was dürfen Menschen, die beruflich in irgendeiner Form im Sport Business tätig sind – vom Blogger über Journalisten bis Agenten und Manager? Gibt es Unterschiede gegenüber Privatpersonen?
Thomas Stadler: "Darin sehe ich aus Sicht des Journalisten kein Problem, weil der Hashtag nicht für Waren- oder Dienstleitungen benutzt wird, sondern dazu, sein Interview mit einer Ex-Sportlerin zu verbreiten, also zu Zwecken der Berichterstattung."

6. Wenn Unternehmen mit #Rio2016 oder #Olympia wirbt, verstößt es gegen das Markenrecht

Thomas Stadler: "Anders wäre der Fall zu beurteilen, wenn beispielsweise ein Sportartikelhersteller konkret ein Produkt via Twitter bewirbt und mit dem Hashtag #Rio2016 versieht. Also so in der Art: „Hier finden Sie unser neues Laufschuhmodell. #Rio2016“. In einem solchen Fall würde der Hashtag tatsächlich für eine Produktwerbung benutzt, mit der Folge, dass ein Verstoß gegen die eingetragene Marke Rio2016 in Betracht kommt."

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7. Konkrete Produktwerbung mit den Hashtags #Rio2016 und #Olympia ist abmahnfähig

Hat das IOC tatsächlich eine Handhabe gegenüber Unternehmen und Unternehmern/Sport Business Professionals, die die Olympia-Hashtags verwenden? Müssen Unternehmer mit Albmahnverfahren rechnen?
Thomas Stadler: "Nach meiner Einschätzung nur in den Fällen, wie ich sie gerade beschrieben habe. Konkrete Produktwerbung unter den offiziellen und als Marken geschützten Olympiahashtags ist abmahnfähig."

ISPO.com-Experte Thomas Stadler

Rechtsanwalt Thomas Stadler
Rechtsanwalt Thomas Stadler

Thomas Stadler ist Fachanwalt IT-Recht, Fachanwalt Gewerblicher Rechtsschutz und mit seinem Blog Internet-law.de einer der bekanntesten Rechtsblogger in Deutschland.
Blog: www.internet-law.de
Xing: www.xing.com/profile/Thomas_Stadler5
Kanzlei: www.afs-rechtsanwaelte.de


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Julian Galinski (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Julian Galinski, Leitender Redakteur
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