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 Action Sports: Eine Branche sucht den Weg aus der Krise
Action-Sports | 20.06.2016

Lösungsansätze in der Action-Sport-Branche

Action-Sports: Eine Branche sucht den Weg aus der Krise

Action Sports: Eine Branche sucht den Weg aus der Krise. Tommy Delago, Co-Gründer von Nitro Snowboards, zusammen mit seinem Sohn zur Nachwuchsförderung im Actionsport. (Quelle: Tommy Delago)
Tommy Delago, Co-Gründer von Nitro Snowboards, zusammen mit seinem Sohn zur Nachwuchsförderung im Actionsport.
Bild: Tommy Delago
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Jahrzehntelang ging es für die Action-Sports-Branche nur bergauf. Aktuell geht der Umsatz in einigen Bereichen jedoch zurück – und das hat neben schlechten Wintern auch mit hausgemachten Fehlern zu tun. Doch es gibt positive Signale aus den Unternehmen und der gesamten Branche.

Grundsätzlich gibt es Grund zur Freude für die Action-Sports-Szene: Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio werden Skateboard, Surfen und auch Sportklettern erstmals zum Programm gehören. Das wird der Branche ganz sicher einen ordentlichen Push geben, denn die Zahlen sind vielerorts nicht gerade rosig.

Bei GoPro zum Beispiel rechnen Analysten in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang um 17,6 Prozent auf 1,34 Mrd. US-Dollar – dabei wird ein Nettoverlust von 95 US-Cent je Aktie erwartet. Auch für 2017 rechnen Analysten nochmals mit roten Zahlen bei GoPro. Um gegenzusteuern, wurde eine neue globale Partnerschaft mit dem Energy-Drink-Hersteller Red Bull vereinbart. GoPro wird so zum exklusiven Kamera- und Content-Provider für Red Bull. Im Gegenzug wird Red Bull ein Prozent der GoPro-Anteile erhalten.


Action-Sports: Zurück in die Herzen der Kunden

Die Zeichen in der Szene stehen auf Zusammenarbeit und neue Ideen. ISPO unterstützt das mit einem neuen Hallenkonzept für die nächste Welt-Leitmesse der Sportartikelindustrie ISPO MUNICH vom 5. bis 8. Februar 2017. „Back to the roots“ und zurück in die Herzen der Kunden heißt das Motto für die Branche. ISPO-Exhibition-Group-Director Markus Hefter spricht von einer „Rückbesinnung“, ganz nach dem Motto „weniger ist mehr“ (hier zum Interview).

Die Ursachen für die Probleme und den Umsatzrückgang sind vielschichtig: Winter mit wenig Schnee und der Klimawandel machen dem Actionsport in den Wintermonaten zu schaffen. Für viele Familien mit Kindern – für die es immer noch viel zu wenig Angebote gibt – sind die Liftpass-Preise der Betreiber schlichtweg unbezahlbar. Generell haben viele Unternehmen der Branche den Kunden aus dem Fokus verloren und halten an längst überholten Verkaufsmodellen fest. 

„Hersteller und Handel müssen wieder viel mehr auf Ihre Kunden und deren – teilweise sehr individuelle – Wünsche eingehen. Es genügt nicht mehr, das Produkt im Laden oder online darzustellen und bei Interesse zu kassieren. Beratung steht wieder ganz stark im Vordergrund, ebenso wie das Schaffen eines passenden Umfelds, sei es im Shop oder bei der Internetpräsenz“, sagt Tommy Delago, Co-Gründer von Nitro Snowboards.

Einkaufen muss zum Erlebnis werden – und der Kunde will die Produkte oft genau dann kaufen, wenn der Bedarf besteht. Dass Winterprodukte wie Daunenjacken weiterhin schon ab dem Spätsommer angeboten werden, ist kontraproduktiv. Zudem muss nicht nur für die Freaks sondern auch die ganz normalen Menschen wieder die richtige Ansprache gefunden werden.

Neue Ideen – Auf Kundenwünsche eingehen und Kinder in den Fokus

„Ich denke, dass wir den Konsumenten nicht mit 1000 verschiedenen Produkten verwirren dürfen. Ich glaube nicht, dass Leute das begreifen. Und wenn es zu kompliziert wird, geht der Kunde wieder – das ist nicht nur in unserer Industrie so. Deshalb lasst uns die Botschaft zusammen einfacher machen“, meint Martino Fumagalli, CEO von Union Bindings in Italien.

Generell müsste sich die Branche über gemeinsame Ziele einig werden und optimistisch nach vorn schauen. Fumagalli: „Der Action-Trend ist in den vergangenen 40 Jahren oft gekommen und wieder gegangen. All diese negativen Nachrichten machen die Situation nur negativer. Deshalb lasst uns beginnen, positiv zu sein.”

So bringt man mehr Leute dazu auf das Wakeboard zu steigen: Mit Leasing und Leihe der Produkte und der Erfüllung von weiteren Kundenwünschen. (Quelle: Thinkstock via The Digitale)
So bringt man mehr Leute dazu auf das Wakeboard zu steigen: Mit Leasing und Leihe der Produkte und der Erfüllung von weiteren Kundenwünschen.
Bild: Thinkstock via The Digitale

Das allein wird sicher nicht reichen, um die Action-Sports-Branche zurück in den Wachstumsbereich zu führen. Es bedarf neuer Crossover-Produkte, neuer Trends und neuer Ideen. Kinder als Kunden der Zukunft und Influencer ihrer zahlungskräftigen Eltern sind zum Beispiel noch viel zu wenig im Fokus – hier braucht es viel mehr Events wie den Cable Session Contest.

Auch für den Trend, dass es immer mehr in Richtung Leasing/Leihe von Action-Sport-Produkten geht, gibt es noch nicht ausreichend passende neue Businessmodelle. 

„Actionsport wird mit Extremsport gleichgesetzt“

„Die Zugänglichkeit und das Image der Actionsportarten müssen wieder verbessert werden“, sagt Tommy Delago. „Actionsportarten wie Skate- oder Snowboarden werden in der Öffentlichkeit oft gleichgesetzt mit Extremsportarten wie Wingsuit-Fliegen oder Base Jumping.“

Er ergänzt: „Die neue Carving-Bewegung beim Snowboarden oder Sendereihen wie ‚Das Surfcamp' auf KiKa wirken sich sicherlich positiv auf die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit aus. Dieser positive Trend muss von Industrie und Handel unterstützt und weiter vorangetrieben werden.“

Lesen Sie dazu auch das Interview mit ISPO Projektleiter Markus Hefter über das neue Hallenkonzept der ISPO MUNICH für den Action-Sport.

Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
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