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 Trends im Handel: Wenn aus Outdoor Indoor wird
Outdoor | 31.05.2016

Die neuen Outdoor-Trends finden Indoor statt

Outdoor-Trends im Sommer: Klettersteig, Bouldern, E-Bike

Trends im Handel: Wenn aus Outdoor Indoor wird. Klettersteige sind und bleiben Outdoor-Trend. (Quelle: Thinkstock via The Digitale)
Klettersteige sind und bleiben Outdoor-Trend.
Bild: Thinkstock via The Digitale
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Nachhaltig produzierte Kleidung, Outdoor-Sportarten wie Bouldern in der Halle und Hybridkleidung  – das sind nur einige der Trends im kommenden Outdoor-Sommer.

ISPO.com hat über das Thema mit Martin Stolzenberger gesprochen. Er ist Leiter Produktmanagement beim Outdoor-Ausstatter Bergzeit und Juror beim ISPO AWARD.

Was ist im Outdoor-Business momentan der beherrschende Trend?
Martin Stolzenberger: Ganz klar das Thema Nachhaltigkeit. Firmen, die nachhaltig oder nach dem Fair-Trade-Prinzip produzieren, gewinnen sehr deutlich. Ein Beispiel dafür ist Vaude, die ja den Nachhaltigkeitspreis der Bundesregierung gewonnen haben. Das Bewusstsein beim Verbraucher in diesem Bereich wird immer größer.


Aber ist nicht weiterhin der Preis das ausschlaggebende Argument beim Käufer, wenn es um Outdoor-Produkte geht?
Natürlich bleibt der Preis für die Masse der Kunden entscheidend, wenn die Produkte vergleichbar sind. Firmen, die sich aber zum Beispiel durch das Thema Nachhaltigkeit und innovative Produkte abheben können, gewinnen deutlich. Wichtig ist, dass sie glaubwürdig sind, so wie eben Vaude. Der Outdoor-Markt wächst ja nicht mehr, es gibt einen echten Verdrängungswettbewerb. Und da zählt das Thema Nachhaltigkeit immer mehr: in unserem Online-Shop ist zum Beispiel die Klickrate für Öko-Labels deutlich gestiegen.

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang für den Kunden die PFC-freie Produktion von Outdoor-Produkten?
Sehr wichtig. PFC-frei ist ein Slogan, den die Kunden verstehen. Viele andere Bereiche in Sachen Umweltverträglichkeit sind bei vielen Produkten ja nicht transparent oder schwer zu verstehen. 

Was für generelle Trends stellen Sie im Outdoor-Markt noch fest?
Einige Outdoor-Sportarten werden mehr und mehr zu Indoor-Sportarten. Zum Beispiel beim Klettern oder Bouldern verschiebt sich das Interesse immer mehr in die Hallen. Bouldern wird immer mehr zu einem eigenen Sport mit eigenen Szenemarken. Auch in diesem Zusammenhang  wird statt Funktions- und Sportkleidung Lifestyle und cooles Aussehen immer wichtiger. Die Leute wollen die Sportklamotten auch in der Freizeit tragen. Es gibt deshalb immer mehr Marken, die auf Hybridkleidung setzen. Da gibt es halt dann Jacken, die man multifunktional beim Fahrradfahren, Wandern und der Freizeit einsetzen kann.

Für den Umsatz der Branche ist das nicht unbedingt förderlich…
Das stimmt, aber das sind Veränderungen, auf die sich der Markt einstellen muss. Der Kunde von heute kauft auch mehr nach Bedarf. Und wir Händler müssen uns darauf einstellen und einfach besser werden. Winterkleidung gibt es oft schon im August, aber es schneit erst im März. Und genau dann will der Kunde auch seine Kleidung kaufen.


Gibt es neue Sportarten, die immer wichtiger werden?
Klettersteige, Mountainbiken und speziell der Verkauf von E-Bikes sind Megatrends. Dazu gibt es eine Verschiebung vom klassischen Joggen zum Trailrunning im Gelände. Statt Firmen wie Nike oder Adidas sind andere Marken wie Scarpa oder la Sportiva mehr gefragt. Auch das „Barfußlaufen“ mit Schuhen mit einer ganz weichen Sohle und einem natürlichen Abrollverhalten boomt. Wandern – früher eine Opa-Sportart – ist bei jungen Leuten wieder in.

Die gern auch auf smarte Gadgets zurückgreifen…
Genau. Wearables sind voll im Trend. Deshalb werden Uhren immer populärer, mit denen man während der Wanderung E-Mails oder andere Infos wie im Smartphone abrufen kann. Kombiniert in einem Gerät mit klassischen Informationen wie Kompass, Höhenmesser und Temperaturfühler. Praktisch, leicht, multifunktional – das ist der Trend. Dazu gehören zum Beispiel auch Faltstöcke, die man einfach in den Rucksack stecken kann. Oder immer heller leuchtende Stirnlampen. Der nächste Schritt wird sein, dass sich diese selbstständig an die Lichtverhältnisse anpassen werden. Auch die Campingstühle und –Tische, die viele der VW-Bus-Nutzer von heute brauchen, werden immer kleiner und leichter.

Welche Stoffe oder Materialien werden immer gefragter?
Bei der Sportunterwäsche geht es in Richtung Mischgewebe statt nur Merino. Das merkt man auch daran, dass man Merino inzwischen sogar beim Discounter kaufen kann. Außerdem geht es von der umstrittenen Daune hin zur Kunstfaser. Womit wir wieder beim Thema Nachhaltigkeit wären.

Martin Stolzenberger, Leiter Produktmanagement beim Outdoor-Profi Bergzeit und Juror für ISPO AWARD, erklärt im Interview die Outdoor Trends. (Quelle: bergzeit.de)
Martin Stolzenberger, Leiter Produktmanagement beim Outdoor-Profi Bergzeit und Juror für ISPO AWARD, erklärt im Interview die Outdoor Trends.
Bild: bergzeit.de

Wie werden sich die beim ISPO AWARD ausgezeichneten Produkte auf dem Markt schlagen?
Die sind ganz sicher gefragt. Zum Beispiel der Lawinen-Airbag mit Gebläse und Akku, der den ISPO AWARD gewonnen hat, wird sicher gefragt sein. Auch bei Skitourenschuhen gibt es eine kleine Revolution. Sie sind wahnsinnig leicht und flexibel, gehen mehr in Richtung Bergschuh. Auch die mit einigen ISPO AWARDS ausgezeichnete Firma BlackYak ist neu auf dem Markt und wird mit ihrer komplett anderen Designsprache für Furore sorgen. Es gibt generell eine deutliche Verschiebung der Marken. Die Platzhirsche wie Jack Wolfskin oder The North Face bekommen Probleme. Sie leben nur noch vom Image, die Authentizität ist nicht mehr so da. Alles verschiebt sich momentan etwas in Richtung kleiner Label wie Ortovox.

Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
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