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 Die wunderbare Welt der Wearables: Wie sieht die Zukunft aus?
Innovation | 19.04.2016

Wie sieht die Zukunft der Wearables aus?

Von totaler Kontrolle bis zum totalen Kontrollverlust: Die wunderbare Welt der Wearables

Die wunderbare Welt der Wearables: Wie sieht die Zukunft aus?. Bisher sind Smartwatches das meist getragene Wearable. Doch die Zukunft bietet noch viel mehr, prophezeit Prof. Dr. Eckehard „Fozzy" Moritz. (Quelle: iStock/Thinkstock via The DigiTale)
Bisher sind Smartwatches das meist getragene Wearable. Doch die Zukunft bietet noch viel mehr, prophezeit Prof. Dr. Eckehard „Fozzy" Moritz.
Bild: iStock/Thinkstock via The DigiTale
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Monatlich schreibt unser Kolumnist Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz über „The Future of Sports“ – und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Diesmal träumt er über die wunderbare Welt der Wearables und welche Möglichkeiten sie uns wohl in der Zukunft noch geben könnten.

Manfred hat schlecht geschlafen. Zumindest zeigt ihm das der Ärmel seines Nachthemds: REM, Alpha, Gamma – alles und noch mehr akribisch gelistet und jeweils orange oder rot eingefärbt. Rein in die Gesundheitslatschen, doch die merkt sofort, dass er nicht gleichmäßig auftritt. Hat er sich verletzt? Auch die Laufstabilität lässt zu wünschen übrig, wohl Folgen der zwei Wodkaschorlen vom Vorabend. „Schon das zweite Mal in diesem Jahr“ mahnt eine Stimme aus dem Spiegel. Bei dem folgenden Gang auf die Toilette lässt er das Sensorsieb lieber weg. Er will gar nichts wissen an diesem Morgen über die Zusammensetzung seines Urins. Soll die Krankenkasse ihn doch zurückstufen…


„Baut Sensoren ein, was das Zeug hält"

Sieht so die Zukunft von Wearable Technologies aus? Ich fürchte, für einen großen Teil von uns ja. Ein Kolumnist muss die Zukunft ja nicht gut finden, die wahrscheinlich ist. Denn eine Geschichte wie "Alfred wacht um zwei Uhr nachts durch ein melodisches Piepsen auf. Wer ihm jetzt wohl eine What´s App schickt... usw." hätte auch vor zwanzig Jahren je nach Perspektive belustigend oder nach Horrorvision geklungen. Und Manfreds Morgenwelt wird keine zwanzig Jahre mehr brauchen, um verbreitete Realität zu sein.

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Also los, ihr Hersteller von Nachthemden, Badelatschen und Sensorsieben; auch von T-Shirts, Tennisschlägern und Kaffeetassen: Hier ist eure Chance. Baut Sensoren ein, was das Zeug hält - es gibt genug Messgrößen zu adressieren und genug Gesundheitsgeschichten zu erzählen.

Wie der Leser ahnen mag, gefällt mir die Rolle als sarkastischer Miesepeter nicht. Vor allem, da ja in den verschiedenen Messoptionen zwischen Halsschlagader und Zellkern auch viele positive Möglichkeiten liegen. Doch es geht mir um einen ganz anderen Punkt: Mit Wearables kann man nicht nur messen, sondern auch erwärmen, erregen, erleuchten, entspannen, erkunden, entzerren und noch viele weitere Funktionen realisieren. In der Summe dieser Möglichkeiten sind Potenziale verborgen, gegen die die Messeritis und die resultierende Volkskrankheit Diagnose alt aussehen.

Beispiele gefällig?

  • Abhängig vom Belastungszustand können Wearables Muskel und Gelenke an bestimmten Stellen vorspannen, an anderen entspannen, gleichzeitig mit Vibration stimulieren, wärmen oder kühlen.
  • Mit kleinen Motoren an den Gelenken können Belastungen noch mehr reduziert - oder auch induziert werden. Ein Ganzkörpertraining beim Joggen, das Nordic Walking endgültig aufs Altenteil schiebt... oder auch den netten Spaziergang zur Qual werden lässt. Nur: der verlinkte Freund in Bolivien quält sich auf 4000 Höhenmetern noch mehr...
  • Eine Klamotte kann in Strichen, Pfeilen oder japanischen Schriftzeichen leuchten. Für Nachtjogger und Radler bietet das ungeahnte Möglichkeiten - von einer Erhöhung der Sicherheit bis zur personalisierten Beleidigung penetranter Autofahrer. Selbstverständlich kann auch der Kläffer um die Ecke durch hochfrequenten Schall und Hau-Ab-Duft zur Raison gebracht werden.
  • Die Welt der Sinne kann auf vielfältigste Weise adressiert werden: Mit Brille und Soundstöpsel eine totale Immersion erleben beim Austoben drinnen oder in einen Psychorausch eintauchen ohne die lästigen Nebenwirkungen von Drogen wie Abhängigkeit, Tod usw. Draußen mit Augmented Reality Projektionsstirnband den richtigen Weg finden, samt Höhenmeter und Wettervorhersage. Mit Duftklammer und Geschmacksgebiss Weine vorschmecken und die richtige teure Wahl treffen. Ein flauschiges Gefühl auf den Körperteilen erzeugen, die es gerade nötig haben. Der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt...


Noch geht nicht alles, was hier angedeutet ist - aber es wird funktionieren. Was davon wie schnell kommen wird, ist eine Entscheidung der Wissenschaft und der Unternehmen, aber auch der Gesellschaft und der Nutzer; von uns allen. Schauen wir uns zur Illustration noch eine Alternative der Eingangsgeschichte an.

Ein Blick in die Zukunft

Manfred mag gar nicht aufstehen, auch wenn es schon nach neun ist. Sein Nachthemd hat seinen Körper die ganze Nacht in der für ihn angenehmsten Temperatur gehalten; die Nutzung der speziellen Massagefunktionen, die er sonst zum weiterschlafen so schätzte, war gar nicht mehr nötig. Durch die detektierte Alkoholfahne aufmerksam geworden, hat das Nachthemd gleichzeitig schubweise Ibuprofen in die Hautoberfläche eingebracht, so dass er den guten Rotwein von gestern gar nicht mehr spürt. Im Verwöhnpantoffel fahren automatisch die Druckpunkte etwas höher, so dass sein Kreislauf in Schwung kommt. Außerdem sondern sie schon seit dem Wachwerden angenehmen Kaffeeduft ab; genau von der Sorte, die gerade in der Kaffeemaschine automatisch frisch zubereitet wird. An der Toilette angekommen, fährt schnell der Spritzschutz hoch – etwas verschlafen vergisst er meistens, die Klobrille hochzuklappen...

Die Welt der Wearables ist wunderbar, mit fast unüberschaubar vielen Möglichkeiten. Lasst uns solche realisieren, an denen wir alle möglichst viel Freude haben.

Über den Autor dieser Kolumne

Eckehard Fozzy Moritz (Quelle: Privat)
Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz ist Gründer und Chef der Innovationsmanufaktur
Bild: Privat

Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz ist Gründer und Chef der Innovationsmanufaktur; Visionär, Akrobat und Weltentdecker. Er hat in München Maschinenbau studiert, in Tokyo promoviert und Professuren in Mexico und China. Sein Buch „Holistische Innovation“ wirft ein neues Licht auf Zukunftsgestaltung – lieber als Bücher schreiben arbeitet er jedoch selbst an Innovationen; vor allem solchen, die mehr Freude, Genuss und Weisheit in die Welt bringen.

Wie wird die Wearable-Welt von morgen aussehen? Ihre Meinung interessiert uns.

Nun bitte her mit Kommentaren und Anregungen, damit auch diese Kolumne lebendig bleibt. Ich freue mich sehr auf den Austausch mit Ihnen.

Eckehard Fozzy Moritz (Quelle: Privat)
Eine Kolumne von Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz, Director – CEO der Innovationsmanufaktur
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