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 Wer braucht schon Outdoor-Klamotten?
Outdoor | 29.02.2016

Wie sieht die Zukunft der Outdoor-Industrie aus?

Kolumne: „Die Zukunft von Outdoor liegt in der Stadt“

Wer braucht schon Outdoor-Klamotten? . Outdoor-Textilien kommen nicht nur in der Natur zum Einsatz, sondern insbesondere auch in den Städten. (Quelle: Thinkstock)
Outdoor-Textilien kommen nicht nur in der Natur zum Einsatz, sondern insbesondere auch in den Städten.
Bild: Thinkstock
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Die Outdoor-Industrie produziert an der Lebenswirklichkeit vorbei: Die Menschen brauchen funktionale Klamotten für die Stadt und keine für den Mount Everest, sagt Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz, Gründer und Chef der Innovationsmanufaktur.

Vorgestern war Ötzi. Gestern hießen die Outdoor-Helden Roald Amundsen, erster Mensch auf dem Südpol, Luis Trenker, kletternder Popstar aus Südtirol, und Wayne McLaren, der als Marlboro Man an Lungenkrebs starb. Sie legten die Grundsteine für das Outdoor-Feeling: Das Meistern extremer Herausforderungen.

Was ist eigentlich Outdoor?

Wunderbare Natur als Erlebnisraum und Kulisse. Freiheit und Abenteuer als Lebensstil. Heute kommen dazu noch ein wandernder Hape Kerkeling, eine Elch jagende Sarah Palin, die Vorzeigedame aus dem Gruselkabinett der Republikaner und das Nacktmodel Michaela Schäfer im Dschungelcamp: Outdoor ist hip. Outdoor ist, je nach Perspektive, ganz oben und ganz unten angekommen.


Doch was ist eigentlich „Outdoor“? Entstrippt von Werbeklamauk und Branding heißt Outdoor einfach „Draußen“. Also frische Luft, Natur, Bewegung, Gesundheit… Die Besteigung des Mount Everest ist dabei ein sehr viel extremeres Draußen als ein Spaziergang am Rheinufer – doch in beiden Fällen ist es sinnvoll, gegen Wind und Wetter geschützt zu sein.

Mit Funktionskleidung… welch ein Begriff! Denn welche Kleidung hat denn, bitteschön, keine Funktion? Und welche Funktion hat Funktionskleidung? Erstaunlich, was man der Welt alles andrehen kann.

Das Perfide daran ist, dass man dem Rheinufer-Spaziergänger gerne eine doch recht ähnliche „Funktionskleidung“ verkauft wie dem Mount-Everest-Besteiger. Ein dezenter Papagei bewegt sich dann in Ultraleicht-Daune mit Alu-Innenschicht durch das Kölner Schmuddelwetter. Sicherheitshalber mit Höhenmesser, Leuchtkapuze und Eispickelhalter. Man weiß ja nie. Und während das noch eine ganz lustige Ressourcenverschwendung ist, tun mir die Schönwettercamper im Polar-Mumienschlafsack eher ziemlich leid. 

Ehrlich: Die Weltbevölkerung hat ganz andere Sorgen – und die Industrie ganz andere Chancen.

Neue Konzepte für Städter müssen her

Die Menschheit heute lebt zusehends in Städten. Schon der gemeine Hamburger mag sich fragen, ob statt Karabinerhalter und integriertem Rückenprotektor nicht lieber wasserdichte Brötchenhalter und integriertes Sitzkissen entwickelt werden sollten.


Was aber ist mit den Menschen in Mexico City, Peking, Kalkutta, Johannisburg? Oder, um es nicht ganz so dramatisch zu machen, Zaragoza, Osaka, Colombo und Casablanca? Die Zukunft von Outdoor liegt hier auf der Straße. Aber nicht durch more of Mount Everest, sondern in Bereichen wie:

  • Aktive Mobilität: Klamotten, die zum Fahrradfahren einladen, Richtungsanzeigen geben und trotzdem chic sind. Helme im Mützenformat, die man einfach in die Tasche stecken kann.
  • Gesundheitsförderung: Oberflächenbeschichtungen, die die Luft reinigen helfen. Unterwäsche, die medizinische Wirkstoffe abgibt.
  • Nachhaltigkeit: Recyclebare Kleidung aus lokalen Unkrautpflanzenfasern, die günstig ist und so gut wie nicht kaputt geht. Sharing-Konzepte für Extremausrüstung.
  • Erlebnis: Allwetter-Outdoor-Gleitsportarenen und dazugehöriges Rutschspielzeug. In Hausfassaden integrierte Kletterbäume.
  • Lifestyle: Rucksäcke, die einen zur U-Bahn fahren können. Stirnbänder, die Stress reduzieren helfen.

Mensch, Outdoor-Industrie: Kriegt eure Hintern hoch! Die Welt braucht und will Produkte für draußen. Schaut euch die Welt an, auch abseits von der Eiger-Nordwand. Redet nicht nur mit Nachbarn und Meinungsbildnern aus der Szene, sondern auch mit dem Rikschafahrer in Bangladesch und dem Weingutbesitzer in Mendoza. Und traut euch was!

Über den Autor dieser Kolumne

Eckehard Fozzy Moritz (Quelle: Privat)
Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz ist Gründer und Chef der Innovationsmanufaktur
Bild: Privat

Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz ist Gründer und Chef der Innovationsmanufaktur; Visionär, Akrobat und Weltentdecker. Er hat in München Maschinenbau studiert, in Tokyo promoviert und Professuren in Mexico und China. Sein Buch „Holistische Innovation“ wirft ein neues Licht auf Zukunftsgestaltung – lieber als Bücher schreiben arbeitet er jedoch selbst an Innovationen; vor allem solchen, die mehr Freude, Genuss und Weisheit in die Welt bringen.

Wo muss die Outdoor-Industrie wirklich ran? Ihre Meinung interessiert uns.

Nun bitte her mit Kommentaren und Anregungen, damit auch diese Kolumne lebendig bleibt. Ich freue mich sehr auf den Austausch mit Ihnen.

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Eckehard Fozzy Moritz (Quelle: Privat)
Eine Kolumne von Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz, Director – CEO der Innovationsmanufaktur
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