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 Läuft! China rennt in die Zukunft
ISPO-BEIJING | 24.02.2016

Lauf-Trend auf der ISPO BEIJING

Läuft! China rennt in die Zukunft

Läuft! China rennt in die Zukunft. Chinesin läuft in der Stadt. (Quelle: lzf/iStock/Thinkstock)
Der Lauf-Trend ist vor allem in den großen Städten an der Ost-Küste zu spüren.
Bild: lzf/iStock/Thinkstock
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Die Anzahl der Marathons in China hat sich binnen drei Jahren mehr als verdoppelt, von 22 auf 53, es standen 785.000 Läufer an den Startlinien – und das ist nur der harte Marathon-Kern der chinesischen Laufgemeinde. Die Feierabendsportler und ambitionierten Hobbyläufer entern in China die Straßen und Parks: Das Reich der Mitte hat das Laufen für sich entdeckt.

Die immense Steigerung zwischen den Jahren 2011 bis 2014 sollen im bevölkerungsreichsten Land der Welt aber nur der Anfang sein. Dass nicht nur die Sportartikelindustrie aus dem Ausland – wie Odlo oder ISPO-BEIJING-Debütant Dynafit – diesen Trend nutzen will, zeigt sich beim Blick auf die chinesischen Aussteller, die unter anderem mit 361, Skywards oder Topsky zahlreich vertreten sind.

Lauf-Boom noch nicht am Ende

Gleichzeitig wird die Messe dem Boom mit einem extra eingerichteten Running Village gerecht, welches mit seinem B2B- und B2C-Ansatz einzigartig in Asien ist. In dem Village gibt es unter anderem Workshops zum korrekten Aufwärmen, Faszien-Training sowie Vorträge zur Gründung eines Laufclubs.


Ben Zhou, Marketing Manager der italienischen Tecnica Group in China, sieht den Laufboom in seinem Land noch längst nicht am Ende. „2008 haben wir in China 5.000 Paar Schuhe verkauft, im vergangenen Jahr waren es bereits 30.000. Laufen, egal ob Straßenlauf oder Trailrunning, ist nach wie vor ein großer Wachstumsmarkt“, sagt Zhou.

Tecnica, das zusammen mit Lowa, Nordica und Blizzard, zur Tecnica Group gehört, profitiert in China von seinem Engagement im Trailrunning-Segment. Das Unternehmen begleitet das „Tor des Geants“, das längste und härteste Trailrunning-Rennen der Welt, als Sponsor und stattete 2014 mit Franco Colle den Gewinner des in China extrem beliebten Rennens aus.

Sport im Freien trotz schlechter Luft

Zusätzlich organisiert Technica den Dreh eines Dokumentarfilms über das 330 Kilometer lange und auf über 25.000 Höhenmeter angesetzte Rennen im Aosta-Tal, der anschließend im chinesischen Fernsehen und im Internet gezeigt wird.

Chinesin läuft im Sonnenuntergang. (Quelle: lzf/iStock/Thinkstock)
Der Lauf-Trend ist auf der ISPO BEIJING zu spüren.
Bild: lzf/iStock/Thinkstock


Die Vorbereitung auf solch ein extremes Abenteuer – und natürlich auch die etwas unspektakulären vor der Haustür – finden in China trotz der manchmal etwas problematischen Luftqualität draußen statt.

„Trailrunner trainieren eigentlich nur im Freien, nur für etwas zusätzliches Muskelaufbautraining gehen sie ins Fitnessstudio. Auch die Straßenläufer zieht es eher raus“, erklärt Zhou die Trainingsgewohnheiten seiner Landsleute. Der Wettkampfgedanke steht dabei zumindest vorerst noch hinten an, denn „für die chinesischen Sportler geht es momentan erst einmal um das Dabeisein. Es geht um die Freude am Sport“, sagt Zhou.

Aktuell befindet sich das Hauptklientel der Running-Industrie noch in den großen, wohlhabenderen Städten wie Peking und Shanghai. Bessere Jobs für die Chinesen in den Mega-Metropolen bedeutet mehr Geld für Konsum und mehr Freizeit für Sport.

Wo der Sport noch nicht angekommen ist

Dass das Potenzial in China noch längst nicht ausgeschöpft ist, macht Zhou aber deutlich: „Der Trend geht aber klar in Richtung Westen. Die Unternehmen sind bestrebt, die eher ländlichen Gegenden Chinas dem Laufsport näher zu bringen.“


Eine Vorgehensweise, die auch Tobias Gröber, Director der ISPO Group, für absolut essentiell hält. „Momentan existiert der Markt in China eigentlich nur im Osten des Landes, also den Großstädten an der Küste. Jetzt geht es für die Produzenten und Händler darum, den Westen mit den Second-Tier- und Third-Tier-Cities zu erschließen“, so Gröber. (Lesen Sie hier im ISPO.com-Interview mit Tobias Gröber über die Situation in China).

Zhou und Tecnica nutzen hierzu ebenfalls die Anziehungskraft des „Tor des Geants“. In zehn Städten über das Land verteilt werden Läufer für das Rennen rekrutiert, die anschließend ebenfalls in der Dokumentation vorkommen. „Wir sehen das als kulturelle Förderung an, um noch mehr Menschen die Freude am Trailrunning zu vermitteln.“

Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
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