ISPO.com is also available in English ×
 Das Internet revolutioniert den chinesischen Handel
China | 22.02.2016

Das Internet revolutioniert den chinesischen Handel

Triumphe auf der virtuellen Seidenstraße

Das Internet revolutioniert den chinesischen Handel. Junge Wilde: Eine Gruppe von Studenten um Jack Ma (links) schufen seit Ende der Neunziger Jahre das Internet-Imperium Alibaba. (Quelle: alibabagroup)
Junge Wilde: Eine Gruppe von Studenten um Jack Ma (links) schufen seit Ende der Neunziger Jahre das Internet-Imperium Alibaba.
Bild: alibabagroup
Artikel bewerten:
Schier unendliche Distanzen, abgelegene Ortschaften und schlechte Verkehrswege. Die pragmatischen Chinesen stellen sich der Herausforderung. Und das ziemlich erfolgreich. Der Online-Handel blüht – und stellt das Geschäft im Reich der Mitte auf den Kopf. Das Internet wird auch ausländischen Firmen neue Chancen im Riesenland China bieten.

Dass China Internet kann, ist spätestens seit dem spektakulären Börsengang des Online-Riesen Alibaba im Herbst 2014 bekannt. Das chinesische Unternehmen legte den bislang größten Börsengang aller Zeiten hin und beschaffte sich mit dem Schritt nicht weniger als 25 Milliarden US-Dollar.

Dabei bietet Alibaba gewissermaßen das virtuelle All-inclusive-Sorglospaket an. Seine Services Taobao und Tmall verstehen sich als chinesische Antwort auf eBay und Amazon, ergänzt wird das Programm durch Angebote nach dem Vorbild von Twitter, Whatsapp und vielem mehr. Konkurrenz scheut der Branchen-Primus dabei nicht, denn in JD.com gibt es auf dem Gebiet des Einzelhandels einen absolut ernsthaften Mitbewerber.


Ein Riesenmarkt schnell und günstig bedient

Warum ist der Versandhandel in China so eine attraktive Sache und löst auch bei ausländischen Anlegern ein Vertrauen aus, das zu Alibabas Riesenerfolg an der Wall Street führte?

  • Die Zahl der Kunden ist gewaltig. Zwar ist die bloße Bevölkerungszahl von knapp 1,4 Milliarden Menschen nicht komplett aussagekräftig, da nicht jeder Chinese die materiellen Voraussetzungen hat, um im Internet umfassend einkaufen zu können, dennoch spricht die Anzahl der bei Alibaba aktiven User für sich: Nicht weniger als 350 Millionen Chinesen nutzen die unterschiedlichen Dienstleistungen dieses Internet-Imperiums (Stand: März 2015). 
  • Der Versandhandel funktioniert sehr schnell. Nicht wenige Anbieter versprechen eine Anlieferung in maximal zwei Tagen – egal, wo der Kunde in China wohnt.
  • Der Transport ist günstig. Der Versand eines Normalpakets kostet bei einigen Dienstleistern pro Bestellung durchschnittlich 13 Yuan Renminbi (1,77 Euro).

Die Internet-Riesen verkaufen nicht nur selbst, sondern geben auch anderen Web-Shops die Möglichkeit, auf ihren Plattformen mitzuspielen. Das hat viele Händler ermutigt, diese Chancen zu nutzen. Allein im Outdoor-Segment steigerte sich die Zahl der Web-Shops zwischen 2011 und 2014 von 87 auf 658 (Quelle: China Outdoor Commerce Alliance). Ohne die Nutzung der bereitgestellten Plattformen wäre ein Boom in dieser Form nicht denkbar gewesen.

Das Alibaba-Headquater in Hangzhou, China. (Quelle: alibabagroup)
Das Alibaba-Headquater in Hangzhou, China.
Bild: alibabagroup

Ohne hohe Kosten direkt zum Kunden

Auch die Marken entdecken zunehmend die Möglichkeiten des Internets, den Markt zu bedienen. Die Gründe sind dabei vielfältig:

  • Eigener Einzelhandel ist für die Marken vor allem in den reicheren Städten teuer geworden. Insbesondere für kleinere Hersteller mit begrenzten finanziellen Ressourcen bietet der Online-Handel hier Alternativen.
  • Ähnliches gilt für größere Brands, die recht spät am Markt angekommen sind und keinen Zugriff auf die attraktivsten Standorte mehr haben.
  • Das Internet bietet die beste Möglichkeit, eine Präsenz auch in ländlichen Gebieten fernab attraktiver Einkaufsmöglichkeiten zu erlangen.
  • Anbieter können ihr Angebot splitten. Der funktionelle Ausrüster Kailas tut dies beispielsweise mit seiner Untermarke Udjat, deren Produkte eher günstig und modisch ausgelegt sind und für die sich der Internet-Vertrieb teilweise besser eignet als für die technischen Kernprodukte.

Inzwischen gibt es bereits spezialisierte chinesische Anbieter wie zum Beispiel Yihaoying, die sich genau auf diesen Bedarf eingestellt haben und dafür Shop-Lösungen anbieten.


Der spektakuläre Börsengang von Alibaba, der dem Online-Riesen gewaltigen finanziellen Spielraum eingebracht hat, birgt aber auch Risiken: Beinahe wöchentlich sind Gerüchte in der Zeitung zu lesen, dass Alibaba in diesem oder jenem Land komplementäre Firmen kaufen möchte (selbst von eBay war schon die Rede).

Sollte dies geschehen, darf sich der Markenpartner nicht wundern, wenn seine eigene Ware plötzlich durch die Hintertür zu günstigen Preisen zurückkehren und dies bei den Händlern in den angestammten Märkten im Westen für erhebliche Unruhe sorgen könnte.

Mehr zum Handel in China und der ISPO BEIJING lesen Sie hier.

Markus Huber (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Markus Huber, Autor
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media