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 Kommentar: Sport verlangt Haltung
SPORTBUSINESS | 18.02.2016

Nike kündigt Manny Pacquiao

Kommentar: Sport verlangt Haltung

Kommentar: Sport verlangt Haltung. Bekam nach seinen schwulenfeindlichen Aussagen von Nike die Retourkutsche: Boxer Manny Pacquiao, dessen Sponsorenvertrag vom Sportartikelhersteller gekündigt wurde. (Quelle: imago/ZUMA Press)
Bekam nach seinen schwulenfeindlichen Aussagen von Nike die Retourkutsche: Boxer Manny Pacquiao, dessen Sponsorenvertrag vom Sportartikelhersteller gekündigt wurde.
Bild: imago/ZUMA Press
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Wegen schwulenfeindlicher Äußerungen hat sich der US-Sportartikelhersteller Nike von Manny Pacquiao, einem der besten Boxer der Welt, getrennt. Warum dies konsequent und auch wirtschaftlich notwendig ist: ein Kommentar des ISPO.com-Chefredakteurs.  

Dass der Tier- und Verhaltensforscher Manny Pacquiao sich mehr als vergaloppiert hat, als er einem lokalen TV-Sender seine Haltung zu Homosexuellen anvertraute, die nämlich für ihn „schlimmer als Tiere seien“, darüber wird es schnell einen Konsens geben. Und ebenso darüber, dass sich dieser diskriminierende Tiefschlag eines Boxers nicht damit aus der Welt schaffen lässt, dass man sagt, der Mann habe halt den ein oder anderen Kopftreffer zu viel kassiert. 

Welches Unternehmen möchte schon geistige Brandstifter unterstützen?

Hier ist mehr zerstört worden als das Image eines ohnehin vor dem Rücktritt stehenden Sportlers, dessen bislang letzter Fight vom TV-Sender Sky marktschreierisch als „Kampf des Jahrhunderts“ an die Bezahlkundschaft verkauft wurde. Hier geht es auch um den Ruf all derer, die sich als Partner des offenbar homophoben Philippinen verstanden hatten, es geht um seine Gönner, seine Geldgeber. Welches Unternehmen möchte mit seinen Sponsorengeldern schon geistige Brandstifter unterstützen und damit in der Folge sich dem Verdacht aussetzen, Diskriminierung oder gar Rassismus zu unterstützen?


Dass der Sportartikel-Hersteller Nike keine Debatte über zwölf Runden brauchte, sondern dem bisherigen Testimonial Pacquiao sofort den K.o. versetzte, ist nicht nur politisch korrekt, sondern aus Unternehmenssicht konsequent und aus wirtschaftlicher Sicht absolut notwendig. Sportler haben Vorbildfunktion – oder eben abschreckende Wirkung. Ihre Werbepartner tragen dies weiter – oder eben mit. Kurzum: Die Sportschuhe eines Rassisten möchte man nicht selber anziehen.

Der Sport hat eine soziale Verantwortung – das gilt auch fürs Sport-Business

Wie Nike reagiert hat, verdient Respekt – und soweit, dass diese schnelle Reaktion als selbstverständlich durchgeht, ist es noch nicht. Oder nicht mehr. In Zeiten, in denen Fremdenfeindlichkeit scheinbar wieder salonfähig wird, hat der Sport durchaus eine soziale Verantwortung. Und das gilt dann eben auch für das Sport-Business, das daran hängt.

Der Ausrüster Trigema hat das dieser Tage erkennen müssen, als er ein sich küssendes Pärchen ins Zentrum seiner Valentinstag-Kampagne stellte, sie blond, er dunkelhäutig. Daraufhin tobte auf der Facebookseite des Unternehmens sich die Pegida-Front aus – bis Trigema ein Stoppschild postete mit der Aufschrift „keine Diskriminierung“ und ankündigte fremdenfeindliche Kommentarschreiber „an die entsprechenden Stellen zu melden“. Auch das klingt selbstverständlicher als es in Zeiten einer emotional aufgeheizten Flüchtlingsdebatte leider ist.

Haltung zeigen – das ist beim Sport nicht nur wörtlich zu verstehen und auch fürs Sport-Business eine im übertragenen Sinne geradezu notwendige Prämisse. Sogar der FC Bayern München erlebt dies gerade beim eigenen Anhang, wo selbst aufs Mia-san-Mia eingeschworene Mitglieder öffentlich ihren Vereinsaustritt ankündigen, weil nach der erneuten Debatte um das Wintertrainingslager in Katar nun der Flughafen von Doha als Platin-Partner verpflichtet wurde. 


Im Fußball ist das Thema Glaubwürdigkeit besonders in den Verruf geraten, daran hat der Weltfußball-Verband Fifa einen enormen Anteil, und darunter leiden auch die Sponsoren. Adidas hat sich lange schwer getan, sich im Korruptionsskandal um den inzwischen suspendierten Fifa-Präsidenten Sepp Blatter zu positionieren, wenigstens hat sich der deutsche Ausrüster nach den jüngsten Doping-Skandalen in der Leichtathletik seinen Rückzug aus dem Sponsoring des Weltverbands IAAF angekündigt.

Rote Karte für Doping, Korruption – und Diskriminierung

„Es muss uns gemeinsam gelingen, Doping, Spielbetrug oder Korruption die rote Karte zu zeigen“, das hat der Präsident des Weltverbands der Sportartikel-Industrie (WFSGI), Frank Dassler, auf der ISPO MUNICH 2016  angekündigt. Was er nicht erwähnte, aber eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Diese rote Karte muss erst recht im Falle von Diskriminierung gezeigt werden, immer und sofort. Der Sport ist Teil der Gesellschaft, er ist per se nicht besser oder schlechter. Wer dort Geld verdient, also professionell unterwegs ist, hat auch eine Verantwortung. Nike ist ihr gerecht geworden. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. Und das ist doch schon mal eine ganze Menge wert. 



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Gunnar Jans ist Chefredakteur von ISPO.COM (Quelle: www.goettlicherfotografieren.de)
Ein Beitrag von Gunnar Jans, Chefredakteur
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