ISPO.com is also available in English ×
 Headis: Botschafter mit Köpfchen
Action-Sports | 03.02.2016

Trendsport Headis erobert die Welt

Headis: Botschafter mit Köpfchen

Zurück zu den Wurzeln: Headis wurde an der frischen Luft in einem Schwimmbad in Kaiserslautern erfunden (Quelle: Rene Wegner)
Video teilen:
Video bewerten:
120 Tage im Jahr 2015 unterwegs. Trainingseinheiten mit Jürgen Klopp, Mirko Slomka und Thomas Tuchel. Fernsehauftritte bei Stefan Raab. Klingt nach gestandenem Fußball-Profi in der Bundesliga – doch diese Wahrnehmung täuscht. 

Rene Wegner ist zwar auch ein Profi, aber eben kein Fußballer. Wegner spielt Headis. Oder besser gesagt: Wegner ist Headis. Denn der Kaiserslauterner hat diese Sportart erfunden und sie zu einer echten Marke gemacht.

Finalist beim ISPO BRANDNEW

2006 gegründet, wurde Headis – Tischtennis ohne Schläger aber dafür mit Kopf und Gummiball gespielt – vier Jahre später als einer der Finalisten des ISPO BRANDNEW ausgezeichnet. Und das war erst der Anfang des Siegeszugs.


2014 wird das Charity-Projekt "Headicao" – angelehnt an die brasilianische Fußballnationalmannschaft Selecao – gegründet, das sich zum Ziel gesetzt hat, Headis benachteiligten Kindern in der ganzen Welt zu ermöglichen.

„Wir sind in die Slums und Ghettos geflogen, haben dort mit den Kindern zusammen die Platten aufgebaut und sie trainiert“, erklärt Wegner das Projekt, das 2015 beim ISPO BRANDNEW mit dem Award in der Kategorie Social Awareness ausgezeichnet wurde.

Expansion nach Südamerika und Afrika

Brasilien und die Dominikanische Republik hat Wegner mit Headicao schon bereist, 2016 wird Südafrika folgen. Der Erfolg gibt ihm Recht.

In der Dominikanischen Republik beeindruckte Wegner zusammen mit dem Projektpartner „Cafe con Leche“ sogar den Sportminister des Landes, der nun Headis staatlich fördern will, um den Sport noch mehr Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen.

Headis erobert die Karibik und Thailand


„Mir ging es bei Headicao darum, den olympischen Gedanken von Headis zu zeigen. Letztlich brauchst du nicht mal eine richtige Tischtennisplatte, eine Sperrholzplatte genügt auch. Dann nur noch ein Ball und schon herrscht Chancengleichheit“, so der angehende Doktor der Sportwissenschaften.

Innovativ und leicht verrückt

Keine schlechte Entwicklung für eine Idee, die in einem Schwimmbad aus der Not heraus geboren wurde: Kein Platz zum Kicken, dann ab an die Platte und mit dem Kopf gezockt.

Nach der ersten Weltmeisterschaft – alle Spieler aus Wegners Freundeskreis versammelten sich im elterlichen Garten – nahm das Projekt Headis rasant an Fahrt auf.

Der Mix aus verrückten Spielernamen wie Rolli der Schlächter oder Headi Potter kamen an, und die Fangemeinde konnte von den Highlight-Videos der ersten Turniere gar nicht genug bekommen.

Marketing über alle Kanäle

„Die Namen sind für uns ein wichtiges Element der Sportart, es soll Spaß machen“, blickt Wegner zurück: „Klar wurden wir am Anfang etwas belächelt und nicht für voll genommen. Das war auch nach den Auftritten bei Stefan Raab noch so.“


„TV Total“ und „Schlag den Raab“ brachten Headis dem breiten Publikum näher, sogar der zunächst skeptische Tischtennisverband legt seine Ressentiments schnell ab. Das Angebot auf „Aufnahme in den Verband“ lehnte Wegner aber dankend ab.

Parallel nähert sich Headis dem zweiten Element seiner Herkunft an: dem Fußball.

Wichtige Kontakte auf der ISPO MUNICH

„Kaiserslautern ist nicht so groß, als das man nach ein paar Turnieren und Aktionen nicht irgendwen kennt, der beim 1. FC Kaiserslautern arbeitet“, beschreibt Wegner, selbst begeisterter FCK-Fan, die Kooperation.

Über Sportartikelhersteller Kappa auf der ISPO MUNICH und die Vermarktungsagentur Sportfive kamen Kontakte zu Hannover 96, Borussia Dortmund, dem FSV Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach zustande.

„Wir wurden von Jürgen Klopp nach Dortmund eingeladen, der uns wiederum mit seinen Kontakten nach Mainz zu Thomas Tuchel brachte. Damit nicht genug, denn Borussia Mönchengladbach kam später ebenfalls noch dazu, so entstand auch die Aktion mit Weltmeister Christopher Kramer.“

Trendsport mit Potenzial

Tuchel - hier das Trainer-Fazit im Video - und seine Bundesliga-Kollegen waren begeistert und bei vielen Vereinen wird Headis immer noch in den Trainingsalltag integriert, um das Kopfballspiel zu verbessern.

Die ISPO MUNICH war der letzte Beweis, dass Headis weit mehr ist, als eine fixe Schwimmbad-Idee.


„Der erste Auftritt zeigte, dass wir ernsthaft und längerfristig mit Headis etwas erreichen können“, sagt Wegner: „Wir haben damals unseren ersten Produzenten für die Netze gefunden, der Vertrieb wurde professionell geregelt und wir konnten sehen, wie Leute aus der Industrie das Potenzial unserer Sportart einschätzen.“ 

Potenzial bis zum Mond und zurück, trifft es wohl ganz gut, denn Wegner zieht Sponsor um Sponsor an Land. Das Tempo ist so atemberaubend, dass „ich gar nicht dazu komme, den Business-Plan regelmäßig upzudaten“.

Sponsoring kommt auf Touren

Für Deutschland akquirierte die Headis Trendsports UG den Getränkehersteller „Vitamin Water“, eine Marke der Coca Cola Company, als Hauptsponsor.

Riecht nach Ausverkauf, Willkommen im Mainstream. Bei der Headis-Fangemeinde verhält es sich aber etwas anders, denn die Anhänger haben verstanden, dass potente Sponsoren die Sportart voranbringen.

„Das Geld kommt indirekt auch unseren Spielern zu gute. Auf den Turnieren legen immer DJs auf, die Organisation ist besser und Zusatzevents können realisiert werden. Aktuell ist es so, dass unsere Spieler die Firmen unterstützen, die uns unterstützen.“

Vermarktung auch in Asien

Auch auf internationaler Bühne treibt Wegner die Headis-Expansion in atemberaubenden Tempo voran. 

Agenturen-Verträge in der Schweiz, Tschechien und Belgien bestehen, vor Heilig Abend beschenkte sich die Headis-Crew noch mit einem Business-Trip nach Thailand.

Headis in Action: Headis-Präsentation in Thailand (Quelle: Rene Wegner)
Headis in Action: Headis-Präsentation in Thailand
Bild: Rene Wegner

Wegner und Co. stellten sich auf dem Wonderfruits Festival für Moose, dem ersten lokalen Cider-Produzenten, als Werbebotschafter zur Verfügung. Die Kampagne soll Headis in Thailand verbreiten und beinhaltet unter anderem eine Roadshow im April. 

China wird erobert

Den letzten Coup vermeldete der Headis-CEO pünktlich zum Jahresabschluss 2015:

China, in dem Tischtennis zum Volkssport gehört, wird Headis in Zukunft staatlich fördern.

Mit der China Global Media Group wurde ein Vertrag abgeschlossen, der Headis an Universitäten und über die Medien bekannt machen soll. Zusätzlich wurden Unterrichtsstunden, Turniere und Headis-Shows in 2016 vereinbart.

Mit ca. einer Milliarde potenzieller Headis-Spieler, dürfte die nächste Evolutionsstufe wohl nur eine Frage der Zeit sein.

Kommentare
Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media