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 Trends-Kolumne: Die Zukunft des Sports liegt nicht im Sport
Sportbusiness | 26.12.2015

Sport-Business: die „The Future of Sports“-Kolumne

Zukunft des Sports liegt nicht im Funktionärssport – oder: Der Kaiser braucht neue Kleider!

Trends-Kolumne: Die Zukunft des Sports liegt nicht im Sport . Eine Joggerin läuft im Sonnenuntergang (Quelle: lzf/iStock/Thinkstock)
Herzstück des Sports: die Bewegung.
Bild: lzf/iStock/Thinkstock
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Monatlich schreibt unser Kolumnist Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz über „The Future of Sports“ – und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Nun plädiert er dafür, dass wir alle gemeinsam die Zukunfts des Sports gestalten. Denn korrupte Funktionäre hätten den Sport von oben kaputt gemacht und lokale Vereine seien zur Folklore verkommen. Jeder, der den Sport liebt, sei nun gefordert.

Schon in wenigen Jahren wird vieles im Sport nicht mehr so sein, wie wir es kennen. Der Fisch stinkt dabei von Kopf bis Fuß: „Oben“ regier(t)en korrupte Greise wie der FIFA Großwesir Sepp Blatter, Formel 1 Strippenzieher Bernie Ecclestone oder Lamine Diack, der als Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes für Dopingvertuschung fleißig kassiert hat. Ach, das kann in Deutschland nicht passieren? Dumm, dass derzeit auch der DFB wie eine FIFA für Arme erscheint und sogar die Lichtgestalt Franz Beckenbauer offenbar viel Schwarzlicht produziert hat.

Medien als Leibeigene von König Fußball

„Unten“ kämpfen Vereine gegen flexible Arbeitszeiten; gegen Entsolidarisierung und Virtualisierung... all das trifft unselig auf beherzte Bräsigkeit vieler Vereinsmeier und sorgt dafür, dass Turn- und Schützenvereine eher zum folkloristischen Anwärter für das Weltkulturerbe mutieren, als die Jugend der Welt um sich zu scharen. Mittendrin operieren Sportmedien als Leibeigene von König Fußball und eine marketingoptimierte Sportindustrie, die eine neue Produktfarbe als Innovation preist – und das ist dem Handel noch zu extrem.

Was folgt? Die Menschen wenden sich ab, zumindest in Europa und Nordamerika. Keine Formel 1 auf dem Nürburgring. NOlympia in München und Hamburg, auch nicht mehr in ARD und ZDF, sondern primär verwertet im Spartensender Eurosport. Nur das Runde rollt weiter omnipräsent ins Eckige. Immer mehr wird offensichtlich, dass der Spitzensport zum Spielball von Geld- und Machtinteressen verkommt; ja, warum soll er auch anders sein als Wirtschaft und Politik, die ja die Rahmenbedingungen bestimmen.

Sportwetten und E-Sports statt körperlicher Betätigung

Auf der anderen Seite überaltern Wandervereine, wird der Schulsport immer schlechter ausgestattet und im Zweifelsfall gestrichen. Als eine Folgeerscheinung machen in vielen Ländern Sportwetten und E-Sports (Computerspielen mit Zuschauern) bereits den größten Teil des „Sportengagements“ der Bevölkerung aus. Immerhin, Angebote für Extreme und Technikfreaks nehmen zu: Edel-Fitnessstudios und Städtemarathons ebenso wie Radtouren-Apps, ulkige Armbänder und allerlei weitere sogenannte Wearables.

Eine Frau schaut beim Joggen auf ihr Wearable und Smartphone (Quelle: Jacob Ammentorp Lund/iStock/Thinkstock)
Voll im Trend: Die „ulkigen Armbänder“ oder auch Wearables
Bild: Jacob Ammentorp Lund/iStock/Thinkstock



Genug genörgelt. Kaum jemand glaubt doch wirklich, dass sich Sport langsam in Un-Wohlgefallen auflöst. Alle doof, außer dem Kolumnisten? Sicher nicht. Dazu ist das Herzstück des Sports, die Bewegung, viel zu attraktiv, unterhaltsam, freudvoll... und vor allem wichtig: Für Körper und Geist, für Gesundheit und Tatkraft, für Gesellschaft und Wirtschaft.

Lasst uns den Sport nicht den Großmogulen überlassen!

Wir könnten nun einfach warten, was passieren wird: Bewegungsangebote in Social Media, Nike-gesponserte Bewegungscamps im Süd-Sudan und Firmensport mit der Apple Watch. Aber, hey, wollen/sollen/dürfen wir dieses Feld den Großmogulen unter der Regie von Uncle Sam und Tante Kim überlassen? Clever vermarktete Angebote für wohlhabende Zielgruppen, meist letztendlich doch teuer und mit immer neuen Abhängigkeiten?

Nein! Mein Plädoyer ist, dass wir alle die Zukunft des Sports gemeinsam gestalten. Der Sport, so wie wir ihn kennen, mag von Funktionärsriegen, gierigen Managern und Spekulanten an die Wand der Geschichte gefahren werden. Die Freude an Bewegung, am Erlebnis, am Miteinander und am respektvollem Gegeneinander ist jedoch eine soziale, kulturelle und wohl auch biologische Errungenschaft, die wir erhalten und gemeinsam für alle Menschen erlebbar machen sollten.

Ein Blick in die Zukunft: Senioren-Longboards und Outdoor-Erlebnisparks

Wie kann so etwas aussehen? In der Zukunft des Sports werden viele neue Themenfelder entstehen, im Folgenden habe ich exemplarisch angeteasert, was alles möglich sein könnte:

+++ Sheffield, 2017: Eine von der Stadt und Sport England finanzierte Bewegungs-Spielstation wird vor dem Bahnhofsgebäude eingeweiht +++ Hang Zhou, 2018: Rund um den Western Lake entsteht eine Experimentierroute für neue muskelgetriebene Fortbewegungsgeräte +++ Berlin, 2019: Der Kleistpark wird um eine Downhillstrecke für Senioren-Longboards erweitert +++ Mexico City, 2020: Die Bank of America unterstützt die erste Fiesta de Deporte, eine Sport-Erlebnisfeier im mexikanischen Stil, auf dem Zentralplatz Zocalo +++ Ludwigshafen, 2021: Die BASF führt Bewegungsmöbel in 25 Besprechungsräumen ein +++ Madrid, 2022: Die Telefonica verschenkt eine einfache Lösung zum Handyaufladen durch Muskelkraft +++ Buenos Aires, 2023: Das im Frühjahr überschwemmte Wildgelände am Rio Plata wird durch eine Gemeinschaftsinitiative zum größten städtischen Outdoor-Erlebnispark der Welt +++

Über den Autor dieser Kolumne

Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz ist Gründer und Chef der Innovationsmanufaktur; Visionär, Akrobat und Weltentdecker. Er hat in München Maschinenbau studiert, in Tokyo promoviert und Professuren in Mexico und China. Sein Buch „Holistische Innovation“ wirft ein neues Licht auf Zukunftsgestaltung – lieber als Bücher schreiben arbeitet er jedoch selbst an Innovationen; vor allem solchen, die mehr Freude, Genuss und Weisheit in die Welt bringen.

Eckehard Fozzy Moritz (Quelle: Privat)
Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz ist Gründer und Chef der Innovationsmanufaktur
Bild: Privat

Ist der Funktionärs-Sport am Ende? Ihre Meinung interessiert uns.

Nun bitte her mit Kommentaren und Anregungen, damit auch diese Kolumne lebendig bleibt. Ich freue mich sehr auf den Austausch mit Ihnen.

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Eckehard Fozzy Moritz (Quelle: Privat)
Eine Kolumne von Prof. Dr. Eckehard „Fozzy“ Moritz, Director – CEO der Innovationsmanufaktur
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