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 Der zeitlose Sneaker-Kult
Textilien | 26.11.2015

Textilien

Der zeitlose Sneaker-Kult

Der zeitlose Sneaker-Kult. Ein Mann schnürt seine Chucks zu. (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Sneaker und Anzug – aber gerne doch.
Bild: Thinkstock über The Digitale
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Sneaker waren schon vor Jahrzehnten Kult - und sind es immer noch. Mit dem Athleisure-Trend sind sie nun auch zum Anzug salonfähig. Die unglaubliche Metamorphose vom Sportschuh und Freizeit-Treter zum Accessoire auf den Laufstegen und roten Teppichen dieser Welt.

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, höhnte Modezar Karl Lagerfeld im April 2012 in der Talkshow von Markus Lanz. Nun, diese krasse Fehldiagnose konnte den Trend nicht aufhalten, der derzeit der Textilindustrie satte Zuwächse bringt und zahlreiche namhafte Designer rund um den Globus zum Umdenken veranlasst hat. „Athleisure“ – eine Kombination der englischen Begriffe Athletics (Sport) und Leisure (Freizeit) – steht für vielseitige, praktische und alltagstaugliche Mode, die im Büro und im Fitnessstudio funktioniert ebenso wie in der Bar oder dem Café. Auch Lagerfeld ist auf den gewinnträchtigen Zug aufgesprungen. Schon seine Chanel-Winterkollektion für 2014/15 präsentierte nicht nur Tweedsneaker, sondern ebenso Leggins und – schwer zu glauben – Jogginghosen.

Der Imagewandel von Jogginghosen ist vergleichbar mit dem der Sneaker, nur dass sich die Schuhe schon viel früher vom reinen Sportartikel zum begehrten Lifestyle-Accessoire gemausert haben. Sneaker funktionieren längst als Statussymbol mit Aussagekraft: Marke und Modell transportieren den eingeweihten Kreisen überzeugter Turnschuhträger ohne Worte viel über soziale Einbindung und Wertvorstellungen des anderen. Alles ist wichtig, bis hin zur richtigen Farbe und Schnürung, der „Laces“. Jenseits dieser Symbolkraft sind Sneaker vor allem eines: gern getragene, bequeme Schuhe für alle Lebenslagen.

Mode ist gern überraschend und kreativ – erlaubt ist, was gefällt und ankommt. Und egal, welchem Lebensbereich ein Kleidungsstück ursprünglich zuzuordnen ist: Was die Potenz hat, sich zu verkaufen, wird alltagstauglich und in großen Mengen produziert. Das gilt nicht nur für Schuhe, sondern allgemein für ursprünglich dem Sport vorbehaltene Kleidung.


Textilien und der Modetrend Athleisure

Körperliche Fitness und Gesundheit, Aktivsein im Job und in der Freizeit – Werte, die an Bedeutung gewonnen haben und durch die Wahl der Kleidung transportiert werden. Das Outfit suggeriert die permanente Bereitschaft, von der Arbeit zum Sport zu eilen. Gerade für die vielbeschäftigten Städter ist nichts so wertvoll wie Zeit, die es optimal zu füllen gilt. Damit wird Lagerfelds Spruch von 2012 in sein Gegenteil verkehrt: Gerade wer in der Jogginghose unterwegs ist, hat sein Leben im Griff. Und in Sneakers ohnehin.

Die Geburtsstunde der „Schleicher“ – so die korrekte Übersetzung des englischen Wortes „Sneakers“ – hat viel mit neuen Materialien zu tun, die während der industriellen Revolution erfunden wurden. Erst als es eine bestimmte Art von Gummi gab, konnten Schuhe aus Segeltuch mit flexibler Gummisohle hergestellt werden. 1875 war das erste Mal von Sneakers die Rede, mit denen man auf leisen Sohlen unterwegs sein konnte.

An diesem Punkt kommt die bis heute kultige Firma Converse zum Zuge. Gegründet 1908, ansässig in Massachusetts, war Converse eigentlich auf Gummistiefel spezialisiert. 1917 landete sie ihren größten Coup mit Basketball-Schuhen, den bis heute vielgeliebten Converse All Stars. Die Idee, einen Converse-Sticker zum Schutz der Knöchel auf die Innenseite zu nähen, geht auf den Rat des Profispielers Chuck Taylor zurück. Heute ziert seine Unterschrift dieses runde Label.

Lebensgefühl Sneaker – Mehr als nur Schuhe

Populärer wurden Sneaker durch den Breakdance. Im New York der frühen 1970er war den Jungs zuerst nur wichtig, dass man gut mit ihnen tanzen und alle Moves vorführen konnte, aber die Schuhe mauserten sich zunehmend zum entscheidenden Detail beim Outfit. Dabei wurde Wert auf einen cleanen Look gelegt. Angeblich hatten die Breakdancer – deren Gangs ihre Konflikte tänzerisch klärten – immer eine Zahnbürste zum Schuhputzen dabei. Lieblingsmarken ihrer Sneaker waren Adidas und Nike.

„Meine Adidas hält keiner auf, wenn ich damit über die Bühne lauf …“ – auch Rapper und Hip-Hopper unterstrichen ihren Bad-Boy-Look gern mit den sportlichen Schuhen und wurden damit zum letztlich wichtigsten Verbreiter der Sneaker. Die Jungs von Run DMC steuerten zudem mit „My Adidas“ (s.o.) den Soundtrack zum Kultschuh Adidas Superstar von 1969 bei – die Fans flippten aus und schwenkten ihre Schuhe im Takt: Ein Werbeträger war geboren.
Und das Beispiel machte Schule. Lobgesänge auf die Konkurrenten Nike (Heavy D), Converse (Busy Bee) und Fila (Flash Gordon) ließen nicht lange auf sich warten. Jay-Z warb erst für Nike, dann für Reebok, die später auch 50 Cent verpflichteten. Adidas holte sich außer Run DMC auch Missy Elliot, und Rap-Star Pharrell Williams verhalf der Marke A Bathing Ape zu klingelnden Kassen.

Nike gelang mit der Verpflichtung des damals noch unbekannten Basketballers Michael Jordan ein besonderer Glücksgriff: Der Ausnahmespieler passte so gut ins Klischee vom bösen Buben, dass die Schuhe zum Hit der Szene wurden und Nike an die Spitze katapultierten. Der Athlet trug seine Air Jordans auf dem Spielfeld und verstieß damit zwar gegen das Reglement der NBA, das einheitliches Schuhwerk fordert, aber selbst das daraufhin fällige Bußgeld – die Firma zahlte – kam der Popularität zugute.


Sneaker als Verkaufsschlager

Das bequeme und praktische Schuhwerk ist allgegenwärtig und an den Füßen von jedermann und -frau zu entdecken – egal, wo auf der Welt und in welchen Kreisen man sich bewegt. Sneaker sind aus dem Straßenbild nicht wegzudenken, stehen auf Showbühnen, flanieren übe rote Teppiche und staksen über Catwalks. Rund um den Globus gehen jedes Jahr Milliarden Paar Sneakers über die Ladentische – und nur rund ein Fünftel davon verkauft sich an Sportler.

Teaser Diskussion
Würden Sie mit Jogginghose, Kapuzen-Sweatshirt und Sneaker ins Sterne-Restaurant oder in die Oper gehen?
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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