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 Ideal für die Stadt: Lastenräder
Action-Sports | 28.11.2015

Bike-Trend Lastenfahrrad

Mit Kind und Kegel durch die Stadt

Ideal für die Stadt: Lastenräder. Mutter mit Kindern in Lastenfahrrad vor Obststand. (Quelle: Christianiabikes)
Ideal für junge Familien in der Stadt: Das Lastenfahrrad
Bild: Christianiabikes
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Sie sind die Maultiere unter den Rädern und wahre Transportgenies. Lastenräder haben das Zeug, den Kleinwagen zu ersetzen. Nicht nur junge Eltern entdecken gerade die Vorzüge.

Waschmaschinen, Klaviere, Matratzen, die Post oder auch der Nachwuchs – mit einem Cargo Bike lässt sich so einiges von A nach B bewegen. Manch einer soll schon ganze Umzüge mit dem Lastenrad abgewickelt haben.

In asiatischen Ländern gehören über und über beladene Räder zum Straßenbild, anderswo zählen Transporträder noch zu den Exoten, obschon man sie in letzter Zeit häufiger auf den Straßen der großen Städte erspäht.

Lastenräder gehörten zum Straßenbild

Kein Wunder, schließlich bieten die Räder Möglichkeiten: Sie können Lieferwagen oder Familienkombi ersetzen, kommen ohne Sprit aus und auch die nervige Parkplatzsuche fällt flach.

Lastenräder gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts. Damals war es überall auf der Welt üblich, Botendienste mit dem Fahrrad zu erledigen. In den 50er Jahre verschwanden die radelnden Kuriere, bis sie in den 70ern zunächst in New York und Mitte der 80er in Europa wieder auftauchten.

Zu diesem Zeitpunkt erlebte auch das Lastenrad seine Renaissance. 1984 wurde im autofreien Freistadt von Kopenhagen, in Christiania, das dreirädrige Christiania-Bike entwickelt.


Klassiker mit klingenden Namen

Der Erfinder kutschierte damit seine Kinder in die Kita und abends seine Freundin in die Bar. Mittlerweile haben die urigen Räder viele Fans gefunden und werden in Serie produziert.

Vielleicht nicht ganz so berühmt ist das aus den Niederlanden stammende Bäckerrad oder Bakfiets, das meist zwei Räder hat und vorn und hinten große Gepäckträger. Ebenfalls zu den Klassikern gehört das zweirädrige Long John.

Ein Long John hat zwischen Lenksäule und Vorderrad eine Ladefläche, die Bewegung beim Lenken wird über ein Gestänge auf das Vorderrad übertragen. Eine der modernsten Variante am Markt ist momentan das Bullitt Cargobike, das in der Basisversion nur 25 Kilo wiegt und auch mit Elektromotor zu haben ist.

Das Fahren erfordert ein wenig Übung

Ein Lastenrad zu fahren erfordert Übung. Manche Exemplare messen über zwei Meter, der Wendekreis so eines Gefährts fällt üppig aus und das Anfahren mit Beladung geht ordentlich in die Beine.

Viele Anfänger bevorzugen daher Modelle mit drei Rädern. Sie haben einen besseren Stand und können nicht umfallen. Allerdings wiegen sie mehr als die Lastenesel mit zwei Rädern, fahren sich behäbiger und beim Umfahren von Schlaglöchern endet der Fahrspaß.

Besonders junge Familien in den Städten entdecken de Cargo Bikes als fahrbaren Untersatz und Autoersatz. Sie fühlen sich damit sicherer als mit einem Fahrradanhänger. Beim Lastenrad hat man den Nachwuchs vorn in der Box im Blick und zudem lassen sich die Abstände zu Autos und Straßenpfosten leichter abschätzen.

Hauptstadt der Cargo Bikes

In Kopenhagen zum Beispiel gehören die langen Kutschen schon lange zum Alltag. „Kopenhagen ist die Hauptstadt der Cargo Bikes“, meint Dänemarks wichtigster Velo-Botschafter Mikael Colville-Andersen.

„Mehr als 40.000 sind täglich auf der Straße. Damit werden die Kinder in die Kita gefahren oder Einkäufe erledigt.“ Colville-Andersen hat für seinen Fahrradkultur-Blog copenhagenize mehr als 15.000 Fotos geschossen, 3000 davon von Lastenrädern.

Die meisten Bilder entstanden in Kopenhagen, aber auch in São Paulo und Rio de Janeiro hat Colville-Andersen Lastenräder fotografiert. „Während man die Räder bei uns eher privat nutzt, wickelt man an der Copacabana jeden Tag 11.000 Lieferungen mit Lastenrädern ab. Supermärkte, Drogerien, Getränkehändler, Wäscherein, Blumenläden, Kioskbetreiber, Eisdielen oder Tischlereien – sie alle arbeiten damit.“


EU unterstützt Initiative 

Das möchte auch das noch bis April 2014 laufende und von der EU unterstützte Projekt „Cyclelogistics – Moving Goods by Cycle“ der Forschungsgesellschaft Mobilität (FGM) erreichen: Es zielt darauf ab, Fahrten mit dem Auto oder Laster in den Städten durch Fahrten mit dem Rad zu ersetzen.

Dazu bietet die FGM Firmen zum Beispiel Lastenräder zum Testen an oder versucht, Kleinunternehmer wie Fensterputzer oder Handwerker zum Umsteigen aufs Rad zu bewegen. Schließlich „ist jede zweite Fahrt in der Stadt kürzer als fünf Kilometer“, meinen die Initiatoren.

Projektpartner in zwölf europäischen Städten und Gemeinden sind beispielsweise die Energieagentur in Plovdiv (Bulgarien) und die Agenzia Mobilita'e Impianti in Ferrara (Italien).
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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