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 Die Dicken kommen
Action-Sports | 30.11.2015

Fatbikes erobern den Fahrradmarkt

Die Dicken kommen

Die Dicken kommen. Ein Fatbike-Fahrer fährt neben einer Langlauf-Loipe im Schnee. (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Ideal für Sand und Schnee: Fatbikes
Bild: Thinkstock über The Digitale
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Mit Fatbikes kann man noch fahren, wenn andere längst schieben. In den USA sind die Räder schon Trend, jetzt kommen die „Fatties“ auch zu uns nach Europa.

Warum braucht man ein Fatbike?

„Warum fährt man ein SUV? Braucht man so ein Auto?“  Gunnar Fehlau vom Pressedienst-Fahrrad kontert mit einer Gegenfrage: „Auch ein Fatbike macht in erster Linie Spaß und vermittelt völlig neue Fahrerlebnisse. Es wird mit widrigen Bedingungen wie Sand, Kies, Eis, Matsch oder Schnee spielend fertig. Mit einem Fatbike hole ich mir die vierte Jahreszeit zurück: Ich muss auch im Winter nicht aufs Radfahren verzichten.“ 

Mühelos durch tiefen Schnee

Zöge man bei einem herkömmlichen Fahrrad dagegen Spikes auf, komme man bei tiefem Schnee nicht weit. Ein Fatbike aber fräse sich mühelos durch den Tiefschnee. Fehlau muss es wissen: Er machte die Probe aufs Exempel und kämpfte sich vergangenen Winter bei minus 32 Grad mit einem Fatbike durch das verschneite Norwegen. „Nachdem ich mich an das Rad gewöhnt hatte, bin ich aus der kindlichen Freude gar nicht mehr rausgekommen.“

Die Geländefahrzeuge unter den Rädern wurden bislang vor allem von Extremradlern in den USA gefahren. Dort sind die Räder mit den fetten Reifen ein absoluter Hype und seit gut zehn Jahren auf der Bildfläche. Nach Schätzungen von Experten entwickelten sie sich hier in den vergangenen drei Jahren von einer Spezialanfertigung hin zu einem Serienprodukt.


Surly erobert den Markt in Europa

Das erste Fatbike brachte 2005 der Hersteller Surly auf den Markt. „Niemand hat damals im Traum damit gerechnet, dass wir damit so groß rauskommen“, staunt man dort noch heute. Inzwischen hat Pionier Surly drei Fatbike-Modelle im Programm und präsentierte im vergangenen Jahr auch in Europa erstmals sein Modell Moonlander. 

Mittlerweile gibt es weltweit eine gewisse Auswahl an Fatbikes. Jeder größere oder auch kleinere Anbieter hat eines im Programm. Der deutsche Hersteller Velotraum etwa präsentiert mit seinem Pilger ein extra dickes Rad, der deutsch-amerikanische Hersteller Felt mit Lebowsk-e den Prototyp eines E-Fatbike mit Bosch-Antrieb. „Fatbikes sind keine absoluten Nischenfreaks mehr“, meint Fehlau.

„Das Segment ist für die Fahrradbranche extrem spannend. Das kann man daran erkennen, dass nun auch die Großhersteller bereits verstärkt Komponenten für diese Räder anbieten.“ Noch vor ein paar Jahren habe man in Europa Felgen oder Federgabeln umständlich bei Spezialhändlern in Nordamerika ordern müssen.


Großhersteller nehmen den Trend auf

Der Fahrradexperte glaubt, dass Fatbikes mittelfristig auch für den Massenmarkt attraktiver werden. Zum einen weil das Radfahren immer beliebter würde und das Fatbike perfekt für Radler sei, die vom Wetter unabhängig bleiben wollten. Zum anderen weil man mit einem größeren Angebot „mehr fürs Geld bekomme“. Noch sind die Räder vergleichsweise teuer, sie kosten im Schnitt 2 500 Euro.

Die Technik der „Fatties“, wie die Amerikaner die Dicken liebevoll nennen, ist übrigens einfach. Sie dämpfen Stöße allein über den geringen Luftdruck im Reifen: Dieser liegt dazu meist deutlich unter einem Bar. Die Reifen der monströsen Räder sind bis zu 4,8 Zoll dick, was zwölf Zentimetern entspricht.

Im schneereichen Norden der USA soll Fatbiken schon so populär sein wie Skilanglauf. Und in Minneapolis etwa, wo Surly seinen Firmensitz hat, veranstalten die ersten Enthusiasten seit 2012 jedes Jahr ein Rennen, das Fatbike Frozen Forty. Ob man mit so einem rollenden Monster wirklich schnell fahren kann?


ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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