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 Bewegung heilt
Gesundheit | 30.11.2015

Sportmedizin präsentiert neue Erkenntnisse

Bewegung heilt

Bewegung heilt. Eine Frau macht Übungen unter ärztlicher Aufsicht. (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Übertriebene Schonung nach Verletzung oder Krankheit kann schaden, Sport die Heilung hingegen beschleunigen.
Bild: Thinkstock über The Digitale
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Regelmäßig benutzte Muskeln wirken wie eine Apotheke. Ihre Botenstoffe stärken das Herz, lassen Fettdepots schmelzen und den Blutdruck sinken. Wie das Wundermittel Bewegung hilft, die Selbstheilungskräfte des Körpers anzukurbeln und Krankheiten zu besiegen.

Ruhe, Schonung, Enthaltsamkeit – was bei Krankheiten über Jahrhunderte als richtig galt, gerät ins Wanken. Mediziner entdecken nach und nach die Heilkraft des Sports, schicken ihre Patienten aufs Laufband statt sie zu schonen oder ins Bett zu legen.

Etliche Studien weisen heute nach, wie sehr Schwimmen, Krafttraining oder Laufen gegen Krebs, Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose oder Depressionen helfen. Anders als Medikamente hat die Bewegungstherapie, vorausgesetzt, man wendet sie richtig an, kaum Nebenwirkungen und kostet (fast) nichts.

Ursachen statt Symptome bekämpfen

Und noch ein Plus: Mit Bewegung lassen sich sogar die Ursachen von Erkrankungen und nicht nur deren Symptome bekämpfen. Körperlich aktiv zu sein, das dient also mitnichten nur der Vorbeugung, sondern kann heilsame Prozesse im Körper anstoßen und Krankheitsverläufe umkehren.

Trotzdem setzen sich diese Erkenntnisse in der Heilkunde nur zögerlich durch. Auch wenn viele Ärzte dem Sport positiv gegenüberstehen und selbst aktiv sind, scheuen sie sich, Bewegung „selbstverständlich und großflächig“ als Therapie zu verschreiben und ihr einen zentralen Platz in der Medizin einzuräumen.

„Viele niedergelassene Ärzte setzen noch zu einseitig auf die Apparate- und Ersatzteilmedizin. Sie betreiben eine Wertschöpfung am Patienten“, bemängelt Professor Jürgen Steinacker von der Sektion Sport und Rehabilitationsmedizin am Ulmer Universitätsklinikum. 


Umdenken in der Medizin

„Der schlechte Arzt verkauft dem Patienten eine Knieprothese oder ein Hüftgelenk. Der gute Arzt berät seinen Patienten und sagt ihm: Bewegen Sie sich.“

Ein grundsätzliches Umdenken in der Medizin zu erreichen, das hat sich die Initiative „Exercise is Medicine“ (Sport ist Medizin) des American College of Sports Medicine zum Ziel gesetzt, die vor einigen Jahren in den USA gestartet wurde. Unter der Federführung des Kardiologen und Sportmediziners Steinacker soll diese Plattform nun auch in Europa etabliert werden, lokale Initiativen bündeln und dafür werben, moderates Training als eigenständiges Heilmittel anzuerkennen, das man wie ein Medikament verschreiben kann.

In Berlin fand dazu im Herbst der erste europäische „Ecercise is Medicine“-Kongress statt, bei dem namhafte Experten aus aller Welt über Themen wie Sport und Krebs, Sport als Medikament oder Sport und Diabetes diskutierten und berieten, wie man möglichst viele Patienten in Bewegung setzen kann.

Medizinische Versorgung wird teurer

Das ist auch bitter nötig. Keine Gesellschaft wird auf Dauer die Kosten der medizinischen Versorgung tragen können. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden im Jahr 2020 70 Prozent aller Erkrankungen durch unseren Lebensstil mit verursacht werden.

Weltweit sterben bereits heute jedes Jahr fünf Millionen Menschen, weil sie sich zu wenig bewegen, jeder zehnte Todesfall geht darauf zurück. Nach einer Untersuchung der brasilianischen Universität Pelotas ist ein Drittel der Menschen über 15 Jahren körperlich inaktiv; die Inaktivität ist bei Frauen häufiger als bei Männern und nimmt mit dem Alter zu.

Die Macht der Muskeln

Warum Bewegung sich auf so viele Krankheiten positiv auswirkt, war lange unklar. Erst seit kurzem verstehen die Forscher die Macht der Muskeln, verstehen, warum Muskeln viel mehr sind als reine Bewegungsorgane.

„Die Muskeln sind das größte und wichtigste Stoffwechselorgan unseres Körpers “, erklärt Doktor Martin Runge. „Muskeln machen zwischen 30 und 40 Prozent der Körpermasse aus. Da 1,2 Prozent der Muskelmasse täglich auf- und abgebaut werden, kann man bis ins hohe Alter wirkungsvoll in diese Prozesse eingreifen.“

Beispielsweise reagierten selbst über 90jährige auf ein adäquates Krafttraining und könnten so Muskelmasse erhalten oder sogar erhöhen. 

Myokine fördern den Muskelaufbau

Kräftige Muskeln sind ein wahrer Jungbrunnen. Skelettmuskeln schütten bei körperlicher Aktivität Botenstoffe aus, die überall im Körper wirken. „Myokine sind der Grund dafür, dass Bewegung bei vielen Krankheiten hilft“, sagt Bente Pedersen.

Die dänische Medizinprofessorin hat gemeinsam mit ihren Kollegen an der Universität Kopenhagen vor neun Jahren die Wunderstoffe entdeckt, die wie eine Apotheke im Körper wirken: Myokine fördern den Muskelaufbau und die Fettverbrennung, sie unterstützen den Zuckerstoffwechsel, machen Gefäße dehnbarer und verzögern die Arterienverkalkung.

Noch steckt die Forschung in den Anfängen. Fast 400 Stoffe setzt ein Muskel in Aktion frei, die Mehrzahl ist noch unerforscht, aber die bereits bekannten Myokine erklären, warum Sport gegen so viele unterschiedliche Erkrankungen hilft.

Krebs: Sport senkt Rückfallrisiko

Und: Je trainierter ein Muskel ist, umso effektiver funktioniert er nicht nur als Bewegungsorgan, sondern auch als heilender Botschafter im Körper. „Das Wissen um den Segen der Bewegung ist so umfangreich, dass es angewendet werden muss“, fordern die Wissenschaftler. Sieben Beispiele, wie Bewegung heilt.

Lange Zeit warnte man Krebspatienten vor körperlicher Anstrengung und verordnete ihnen absolute Schonung. Als der Kölner Mediziner Klaus Schüle vor 25 Jahren die erste Sportkrebsgruppe der Welt gründete, musste er herbe Kritiken einstecken. Radiologen konfrontierten ihn mit dem Vorwurf, ob der Sport nicht Metastasen lostreten könne.

Seitdem hat sich eine Menge getan. Sport nach Krebs ist heute fester Bestandteil von Krebsnachsorge und Rehabilitation. Viele Studien belegen, wie körperliche Bewegung das Leben von Krebspatienten verlängern und die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen verringern kann.


Weniger Stress durch Sport

Menschen, die eine Bestrahlung oder Chemotherapie bekommen, können die Auswirkungen wie Übelkeit oder Erschöpfung besser wegstecken. Außerdem macht der Sport sie zuversichtlicher, weniger stressanfällig und körperlich fitter.

Die amerikanische Brustkrebschirurgin Carolyn Kaelin etwa erkrankte im Alter von 42 Jahren selbst an Brustkrebs. Eine Chemotherapie, Operationen und die Amputation der Brüste haben sie nicht davon abhalten können, so oft wie möglich ins Sportstudio zu gehen.

Heute sagte sie: „Das hat mein Leben gerettet.“ Bekomme ein Frau die Diagnose Brustkrebs, solle sie sofort mit einem Fitnessprogramm beginnen, auch wenn ihr nicht danach zumute sei, sagt Buchautorin Kaelin.

Wandern mit Krebspatienten

Auch der Kölner Sportwissenschaftler Freerk Baumann setzt auf Bewegung als Heilmittel gegen die Nebenwirkungen einer Krebserkrankung. Er initiierte mit Erfolg viele Studien, etwa Wanderprojekte mit Krebspatienten, und leitet die Forschungsgruppe „Bewegung, Sport und Krebs“ an der Deutschen Sporthochschule Köln.

„Krebs ist keine Erkrankung, die man so einfach therapiert, und die dann ausheilt wie ein grippaler Infekt. Mit dem Aktivwerden aber fühlen sich die Patienten der Krankheit und der Medizin nicht mehr so ausgeliefert, sondern übernehmen Verantwortung für sich und ihre Genesung.“

In einer aktuellen Studie untersucht Baumann gerade den Einfluss von Krafttraining auf Brustkrebspatientinnen. Das Besondere daran ist, dass die Patientinnen bereits sechs Wochen nach der Operation mit dem Sport beginnen und dabei bis an ihre Leistungsgrenzen gehen sollen, was bisher ein Tabu war.

Effekte auf Kreislauf und Immunsystem

Noch sind die Daten nicht vollständig ausgewertet, aber erste Befragungen der Teilnehmer sagen, dass diese sich trotz der Chemotherapie erstaunlich fit fühlen, was sie vor allem dem Sport zuschrieben. Auch die Effekte auf Kreislauf, Immunsystem und Stoffwechsel werden positiv bewertet.

Untersucht werden soll auch, ob der Sport eine eigene Heilkraft besitzt. Dazu dehnt Baumann seine Untersuchungen auf Patienten mit Prostatakrebs und anderen Krebserkrankungen aus.

Möglicherweise, so der Sportwissenschaftler, könnten diese Patienten ihre Erkrankung länger in Schach halten, wenn sie viel Sport trieben. Das habe man bisher wissenschaftlich noch nicht belegen können.

Epidemie des 21. Jahrhunderts

Die Zahlen sind alarmierend. Während früher nur alte Menschen an Alterszucker oder medizinisch korrekt Typ-2-Diabetes erkrankten, sind heute 285 Millionen Menschen weltweit betroffen. Experten sprechen bereits von einer Epidemie des 21. Jahrhunderts, ausgelöst von fettem Essen und Trägheit.

Besonders verheerend wirkt sich die Krankheit auf die Blutgefäße aus, Diabetiker haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Bei Diabetes vom Typ 2 ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht. Das den Blutzucker senkende Hormon Insulin wirkt nicht mehr stark genug oder wird nicht mehr in ausreichender Menge gebildet, die Organe nehmen Schaden.

Neben einer gesunden Ernährung gehört Sport zu den wichtigsten, begleitenden Maßnahmen der Erkrankung.

Insulinresistenz der Muskelzellen verbessert

Wer vier- bis fünfmal die Woche 45 bis 60 Minuten sportlich aktiv ist, kann Ergebnisse erzielen, die mit der Wirkung von Medikamenten zu vergleichen sind, schreibt Professor Daniel König von der Universitätsklinik Freiburg im Verbandsorgan „Der Internist“.

Sport führe auch dazu, dass sich die Insulinresistenz der Muskelzellen für 48 Stunden verbessere. Diabetiker könnten in dieser Zeit Zucker besser aufnehmen, der Blutzuckerspiegel sinke, die Muskeln bekämen mehr Nährstoffe, die Fettverbrennung werde gesteigert.

Neben der Ausdauer sollte man dreimal pro Woche auch die Kraft trainieren, empfiehlt der Freiburger Mediziner. Dabei sollten alle großen Muskelgruppen mit acht bis zehn Wiederholungen einbezogen werden, allerdings nicht voller Belastung. Bevor sie mit dem Sport beginnen, sollten sich Diabetespatienten beim Arzt untersuchen lassen.

Dicke anfälliger für Demenz

Man muss auch nicht gleich die Joggingschuhe schnüren, schon zügiges Spazierengehen bringt eine Menge: Mit einem Gehprogramm von fünf bis sechs Stunden pro Woche senkt man den Blutzuckerspiegel, verringert Gewicht und Bauchumfang.

Wer rastet, der rostet. Das Gehirn braucht regelmäßig körperliche Bewegung, um reibungslos zu funktionieren. Bewegungsfreudige Menschen haben ein um knapp 40 Prozent niedrigeres Risiko, geistig abzubauen als inaktive.

Geht man kaum vor die Tür, sieht die Sache anders aus: Chinesische Forscher haben drei Jahre lang 1000 ältere Leute in Peking untersucht. Die Bewegungsmuffel unter ihnen wurden überdurchschnittlich häufig dement. Japanische Forscher wiederum begleiteten 800 über 65 Jahre alte Leute sieben Jahre lang und nahmen deren Gehirne per Computertomographie in Augenschein.

Faulpelze erkrankten häufiger an Alzheimer

Mehr als 25 Prozent der Probanden erlebte das Ende der Studie nicht, bei den übrigen zeigte sich: Die Faulpelze erkrankten viel häufiger an Alzheimer. Auch träge Männer und Frauen, die schon in mittleren Jahren einen dicken Bauch mit sich herumtragen, sind gefährdet: Im Vergleich zu Normalgewichtigen ist ihr Risiko an Demenz zu erkranken, dreimal höher.

Je dicker der Mensch, desto anfälliger ist er für kognitive Störungen, so das Ergebnis einer französischen Studie. Körperliches Training wirkt nicht nur vorbeugend, auch bereits an Demenz erkrankten Menschen kann es offenbar das Forschreiten der Krankheit bremsen.

Bewegung lindert Depressionen

Wer joggt, mag das so genannte „Runners High“ kennen. Obwohl man völlig erschöpft ist und glaubt keinen Meter mehr laufen zu können, geht es plötzlich wie von allein weiter, man ist total euphorisch. Auch wenn sich nicht gleich ein Glücksrausch einstellt, fest steht, Sport verändert die Psyche, man schaltet besser ab, die Laune bessert sich.

Diese Erkenntnis ist allerdings relativ neu: Lange dachte man, körperliche Aktivität habe keinen Einfluss auf das Gehirn. Heute weiß man, Bewegung kann sogar Angsterkrankungen und Depressionen lindern und so wirksam sein wie Medikamente, wie etliche Studien belegen.

Verantwortlich für die positiven Effekte auf das Gehirn soll übrigens auch hier ein Botenstoff aus dem Muskel sein, der Brain Derived Neurotropic Factor, kurz BDNF. BDNF verhindert den Ab- und fördert den Aufbau von Nervenzellen und regt den Aufbau neuer Verbindungen zwischen den Nervenzellen an.

Botenstoff aus den Muskeln

Menschen mit Depressionen haben geringere BDNF-Spiegel als gesunde. Bewegung steigert die BDNF-Produktion. Jetzt geht es darum, wie man die Forschungsergebnisse in der Praxis umsetzen und Betroffene zur Bewegung motivieren kann.

Schließlich leiden viele Menschen mit Depressionen unter Antriebsschwäche, verkriechen sich am liebsten zu Hause und wollen niemanden sehen. An der Medizinischen Hochschule Hannover haben Psychiater und Sportwissenschaftler ein Trainingsprogramm für Menschen mit Depressionen entwickelt.

Ob das Programm taugt, welche Art von Bewegung sich eignet und wie intensiv Patienten trainieren sollte, soll nun ein Studie mit 50 Teilnehmern zeigen. Im Ergebnis soll ein Trainingsmodul entstehen, mit dem Sportvereine, Kliniken oder Gesundheitseinrichtungen arbeiten können.

WHO warnt vor Depressionen

Im Ambulanzzentrum des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Hamburg unterstützt der Fachbereich Sport- und Bewegungsmedizin Menschen mit emotionalen Störungen und hilft ihnen „das richtige Bewegungsprogramm zu finden und sie zu einem bewegten Leben zu motivieren.

Aufgrund der stabilisierenden Wirkung sollte eine sportliche Betätigung bei Menschen mit Patienten heutzutage keine Ausnahme mehr sein, sondern bei jedem Patienten in Betracht gezogen werden“, fordern die Mediziner.

In Deutschland sind aktuell vier bis sechs Millionen Menschen an einer Depression erkannt, laut WHO soll die Krankheit in den Industrienationen in weniger als 20 Jahren Volkskrankheit Nummer eins sein.

Tai-Chi perfekt bei Osteoporose

Bei Osteoporose kommt es über die Jahre zu einer altersbedingten Verminderung von Knochenmasse und –festigkeit und zur Einlagerung von Fett im Muskel. Das führt im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit zu zwei Arten von.

Knochenbrüchen: Zum einen bei alltäglichen Bewegungen (Hinsetzen, Aufstehen), zum anderen bei Stürzen (Oberschenkelhalsbruch, Handgelenk). In der Altersforschung spricht man beim auch von Sarkopenie.

Als Auslöser des Leidens gilt vor allem Bewegungsmangel und der damit einhergehende Mangel an Muskeln: „In 80 Prozent der Fälle steckt hinter Osteoporose eine Muskelerkrankung“, erklärt denn auch Muskel- und Knochenforscher Martin Runge. Um im Alter mobil zu bleiben, müsse man daher Muskelkraft und –schnelligkeit trainieren. 

Programm der "Fünf Esslinger"

Der Mediziner hat dazu die „Fünf Esslinger“ entwickelt, ein Programm, bei dem scheinbar banale Übungen wie Aufstehen und Hinsetzen oder der Einbeinstand trainiert werden, um den Knochen über Bewegung am Leben zu erhalten.

Denn körperliche Aktivität kräftigt die meisten Knochen und das Skelett ist ungeheuer dynamisch. Runge: „Kein anderes Organ lässt sich durch richtige Bewegung und Ernährung so gut behandeln, erhalten oder wieder aufbauen wie der Muskel.“

Allerdings reicht es nicht, nur einen Ausdauersport wie Schwimmen oder Walken zu betreiben, gefragt sind vielmehr Sportarten die Kraft, Schnelligkeit und Koordination verlangen wie Tai-Chi oder Tanzen. Denn: Je vielfältiger man einen Knochen belastet, desto resistenter wird er.

Sport macht das Herz stark

Nach einem Herzinfarkt haben viele Menschen Angst, ihr Herz beim Sport zu belasten. Zu Recht? So mancher Mediziner rät einem Patienten heute, sich unter ärztlicher Anleitung bereits zwei Tage nach einem Infarkt gezielt zu bewegen, während er ihm vor Jahren noch vier bis sechs Wochen absolute Bettruhe verordnet hätte.

Die Kranken sollen das Vertrauen in ihren Körper zurückgewinnen und lernen ihn wieder zu belasten. Man beginnt etwa mit Gymnastik in einer Herzsportgruppe, anschließend strampelt man auf dem Ergometer, walkt oder geht laufen. Zum Abschluss folgen Entspannungsübungen.

Wenn man den Sport belastet zwar das Herz, es muss schneller schlagen und mehr Blut in den Kreislauf pumpen, aber zugleich kräftigt und stärkt die Anstrengung den Herzmuskel.

Bei Asthma schwimmen gehen

Bettina Schaar von der Deutschen Sporthochschule Köln empfiehlt Asthmatikern, schwimmen zu gehen. Warum? „Asthmatiker können sich im Wasser viel höher belasten als draußen an der Luft.

Erstens ist die Luft im Hallenbad vorgewärmt – oft löst kalte Luft die Anfälle aus – und zweitens hilft das Ausatmen gegen den Wasserwiderstand. Die Bronchien werden weit gehalten, die Muskulatur gestärkt. Außerdem muss man beim Schwimmen in einem stabilen Rhythmus atmen.

Zu schnell Luft zu holen, ist gar nicht möglich.“ Es habe sich gezeigt, dass bei trainierten Asthmatikern die Atemnotschwelle viel höher liege als bei untrainierten. Bei Belastung verschlössen sich deren Bronchien nicht mehr so schnell, sie erlitten seltener einen Anfall und müssten entsprechend weniger Medikamente nehmen. Auch das Risiko einen Infekt zu bekommen, sei kleiner. 

Regelmäßiges Training ist wichtig

Wichtig sei, dass regelmäßig trainiert werde. „Zwei- bis dreimal die Woche je eine Stunde sollten Betroffene schon aktiv werden. Neben Schwimmen eignen sich auch Wasserball oder Aquafitness.“

Wichtig sei, dass die Bewegung Spaß mache. Grundsätzlich könnten Asthmatiker nach Absprache mit dem Arzt jede Sportart treiben, entscheidend sei, dass Betroffene die richtigen Atemtechniken beherrschten und ihre Körperwahrnehmung trainierten. Die Wissenschaftlerin hat auch eine Projektstudie mit Jugendlichen begleitet, die als Therapie auf Inline-Skates trainierten.

Die Ergebnisse der Studie waren „genauso gut wie beim Schwimmen“. Die ehemalige Leistungssportlerin untersucht seit gut 25 Jahren, wie Bewegung auf verschiedene Krankheitsbilder wirkt.

Neandertaler fit wie Athleten

Unsere Gene wollen, dass wir uns bewegen, bewegen, bewegen. Das hat sich seit der Steinzeit nicht groß geändert. Die Neandertaler waren konditionell und körperlich perfekt aufgestellt: Sie hatten sehnige Körper, 20 Prozent mehr Kraft und enorm stabile Knochen, vergleichbar mit denen von Olympia-Athleten heute. Kein Wunder, dass sie so fit waren. Auf der Jagd nach wilden Tieren und beim Sammeln von Pflanzen liefen sie nach Schätzungen jeden Tag gut 40 Kilometer. 

Zweifelsohne hat die moderne Zivilisation uns eine steigende Lebenserwartung beschert. Aber wir modernen Menschen sind aufgrund unseres evolutionären Erbes eigentlich auf nichts anderes als auf Bewegung programmiert, alle biologischen Systeme sind auf Beanspruchung gepolt, sonst können unsere Körper nicht reibungslos funktionieren.

Entsprechend bleiben Menschen, die sich regelmäßig und ausreichend bewegen, länger gesund und haben eine höhere Lebenserwartung. Es gibt kaum eine bessere Investition in die Gesundheit und keine bessere Anti-Aging-Methode als das Wundermittel Bewegung. Nur anstrengen, das muss man sich schon selbst dafür.

 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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