ISPO.com is also available in English ×
Home > Thema
Passende Seile machen das moderne Sportklettern überhaupt erst möglich. (Quelle: Thinkstock)
So finden Sie das passende Seil zum Sportklettern

Wer ein Kletterseil erwirbt, steht vor der Qual der Wahl. Die Spezialisierung ist hoch, entsprechend groß ist die Auswahl. Angst vor einem folgenschweren Fehlkauf muss dennoch niemand haben. Denn welches Seil für welchen Kletterstil taugt, ist schnell zu durchschauen. Kletterseile sichern das Überleben am Berg. Kompromisse sind da fehl am Platz. Die Industrie hat mit den heute verfügbaren Seilen ein Hightech-Produkt geschaffen, das exakten Normen unterliegt und dem jeweiligen Verwendungszweck angepasst ist. Statt geflochtenem Hanf wie zum Beginn des Kletterbooms vor 50 Jahren kommt nun der Kunststoff Polyamid zum Einsatz, der zum Schutz ummantelt wird. Den Mantel selbst schützt je nach Seil wiederum eine spezielle Imprägnierung. So haben Schmutz, UV-Strahlung und Nässe keine Chance, zugleich wird der Abrieb minimiert. Wer viel im Freien klettert, sollte ein imprägniertes Seil erwerben. Der Schutz ist dauerhaft und bedarf keiner Auffrischung. Alle in der EU verkauften Kletterseile unterliegen den Normen der UIAA, der Union Internationale des Associations d’Alpinisme. Das garantiert, dass alle Seile einer definierten Mindestbelastung standhalten. Getestet wird beim sogenannten Normsturz aus knapp fünf Metern Höhe mit einem Gewicht von 80 kg (Halbseil 55 kg) – und das gleich mehrfach. Da bei diesen Tests – anders als am Berg – keinerlei zusätzliche Sicherung verwendet wird, gilt die Norm als hoch und ausreichend. Dehnbar aber reißfest Kletterseile werden grundsätzlich in zwei Kategorien unterteilt: dynamische Seilestatische SeileDer Unterschied zwischen diesen beiden Seiltypen liegt in ihrer Dehnbarkeit. Bei statischen Seilen wird die mögliche Dehnung des Materials auf ein Mindestmaß beschränkt (>10%). Dynamische Seile verfügen dagegen über eine weit höhere Dehnung. Sie reicht bis zu 40 Prozent. Zum Sportklettern werden ausschließlich dynamische Seile verwendet, aus gutem Grund: Würde ein Sportkletterer, der an einem statischen Seil hängt, beim Klettern abstürzen, wäre die Verletzungsgefahr durch das abrupte Stoppen des Seils viel zu hoch. Dynamische Seile dämpfen den Aufprall des Kletterers im Seil über die Dehnung wirkungsvoll ab. Begrenzt wird dieser Dehn-Effekt vor allem, um die Gefahr eines Aufpralls auf dem Boden oder einem Felsvorsprung zu minimieren. Statische Seile kommen aufgrund ihrer Eigenschaften zum Beispiel in der Bergrettung oder in Klettergärten zum Einsatz. Eine Frage der Verwendung Dynamische Seile werden meist in drei Kategorien unterteilen, wobei es bei der Nutzung Überschneidungen geben kann. Diese sind: EinfachseileHalbseileZwillingsseileDas Einfachseil Einfachseile werden zum Klettern in der Halle, am Fels und auch auf Eis genutzt. Ihr Durchmesser liegt zwischen 8,5 und 11 mm. Die Seile sind vergleichsweise leicht zu handhaben und daher auch für Einsteiger eine gute Wahl. Einfachseile gelten auch aufgrund ihres großen Durchmessers als sehr stabil, wobei das Verhältnis zwischen Kern und Mantel eine große Rolle spielt. Der Kern sorgt für eine hohe Reißfestigkeit, der Mantel schützt vor allem gegen die äußere Abnutzung. Das Verhältnis beider Komponenten wird auf dem Seil angegeben. Wer sich für ein dickes Seil mit hohem Mantelanteil entscheidet, erhält ein besonders langlebiges Produkt. Dafür muss allerdings mit dem erhöhten Gewicht und einer höheren Reibung an den Zwischensicherungen umgegangen werden, was auf Dauer Kraft beim Klettern kosten kann. Das Halbseil Halbseile kommen beim Traditionellen Klettern (Trad Climbing) und beim Alpinen Klettern zum Einsatz. Sie werden auch zum Eisklettern, zum Teil als Einzelstrang und für Dreierseilschaften verwendet. Durch die parallele Nutzung von zwei Seilen erhöht sich bei Halbseilen im Vergleich zum Einfachseil die Sicherheit, da die Durchtrennung beider Stränge durch scharfe Kanten unwahrscheinlich ist. Die Reibung an den Sicherungen wird durch die geringere Dicke der Einzelseile verringert. Vor allem aber steht für das Abseilen mit den zwei Halbseilen nun die volle Länge zur Verfügung. Halbseile haben einen Durchmesser von 7,5 bis 9 mm. Sie sind deutlich leichter als Einfachseile (üblicherweise unter 50 g/m). Das Zwillingsseil Zwillingsseile kommen vor allem im alpinen Bereich zum Einsatz. Sie sind noch einmal deutlich dünner und leichter als Halbseile, was sie vor allem für erfahrene Kletterer interessant macht. Einzeln dürfen Zwillingsseile nicht verwendet werden, da ihre Tragkraft dafür nicht ausreicht. Der Vorteil des Zwillingsseils liegt darin, dass trotz des geringen Gewichts ein sehr hoher Sicherheitsstandard garantiert ist. Neben der Redundanz – also der ausschließlichen Nutzung im parallel laufenden Doppelstrang – wird dies auch durch 12 vorgeschriebene Normstürze mit einem Gewicht von jeweils 80 kg dokumentiert. Für alpine Profikletterer werden zudem dreifach zertifizierte Seile angeboten, die je nach Bedarf als Einfach-, Halb- oder Zwillingsseil verwendet werden können. Die Frage der Länge Kletterseile werden in Längen ab 20 Meter und bis circa 200 Meter angeboten. Schon aus Gründen des Gewichts werden sich Kletterer immer für die optimale und nicht für die maximale Länge des Seils entscheiden. So sind zum Beispiel für die Kletterhalle 60 Meter völlig ausreichend, viel kürzer sollten die Seile aufgrund des Trends immer höherer Hallen aber auch nicht sein. Wer Routen klettert, sollte sich vorher kundig machen, welche Seillängen erforderlich sind und die Ausrüstung entsprechend zusammenstellen. Der Kauf – Kosten, Hersteller, Herstellerangaben Kletterseile gibt es – je nach Länge, Hersteller und Verarbeitung – ab circa 80 Euro. Für ein Seil von 60 m Länge sollte man mit 120 bis 160 Euro rechnen. Folgende Angaben geben die Hersteller im Normalfall an, um die Kaufentscheidung zu erleichtern: Einsatzmöglichkeit (z.B. Alpinklettern)Konstruktion (z.B. Einfachseil mit 10 mm Durchmesser)Normstürze (z.B. 5)Fangstoß (z.B. 8,9 kN)dynamische Seildehnung (z.B. 31 %)statische Seildehnung (z.B. 7 %)Gewicht (z.B. 60 g/m)Zu den führenden Herstellern zählen unter anderem Beal, Edelrid, Mammut, Petzl und Salewa.  

zurück vor

1. Warum ist Klettern so beliebt?

2. Wer geht zum Klettern?

3. Welche Arten des Kletterns gibt es?

4. Schwierigkeitsgrade beim Klettern

5. Klettern – Ausrüstung und Hersteller

6. Klettern lernen


1. Warum ist Klettern so beliebt?

Nur wenige Sportarten beanspruchen den Aktiven so vielseitig wie das Klettern. So braucht es auf der einen Seite Kraft und Geschicklichkeit, auf der anderen das richtige Einschätzungsvermögen für die Wahl der besten Route. Je nachdem, welche Art des Klettersports man wählt, kann er allein oder nur im Team betrieben werden. Klettern ist immer eine Herausforderung für Körper und Geist.

Ein weiterer Vorteil: Klettern gilt als eine der Königsdisziplinen, um Kraft, Fitness und Körperbeherrschung in einer gesunden Form zu steigern. Die Muskulatur wird gleichmäßig beansprucht, was Problemen mit dem Rücken oder Bewegungsapparat effektiv vorbeugt.


2. Wer geht zum Klettern?

Die meisten Aktiven fangen in jungen Jahren mit dem Klettern an. Laut DAV sind 60 Prozent aller Kletter-Anfänger zwischen zwölf und 20 Jahre alt. Die aktivste Gruppe ist die der 20 bis 39-Jährigen. Interessant dabei: Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen beziehungsweise Jungen und Mädchen ist im Klettersport fast ausgewogen.


3. Welche Arten des Kletterns gibt es?

Geklettert werden kann in der Halle (indoor) oder am Fels in freier Natur (outdoor), jeweils in unterschiedliche Schwierigkeitsgraden.   

Als größte Vorteile des Hallenkletterns gelten:

· die Unabhängigkeit von den Witterungsbedingungen

· die geringere Verletzungsgefahr

· die leichte Erreichbarkeit der Kletterzentren in den Städten (rund 400 Hallen gibt es bundesweit)

Da das Naturerlebnis in der Halle fehlt und keine großen Höhen geklettert werden können, kombinieren viele Kletterer den In- und Outdoor-Sport. Stimmt das Wetter, geht es in die Berge. Bei Regen und im Winter wird dagegen die Halle bevorzugt.


4. Schwierigkeitsgrade beim Klettern

Alpinklettern

Ziel des Bergsteigers (der Seilschaft) ist es, eine bestimmte Wand zu bezwingen beziehungsweise kletternd den Berggipfel zu erreichen. Es werden verschiedene Sicherungsmittel benutzt, die teilweise mitgeführt werden oder bereits auf der Route vorhanden sind.

Dienen die genutzten Hilfen wie Haken und Seile ausschließlich der Sicherung, nicht der Fortbewegung, spricht man vom Freiklettern (Free Climbing). Wird auch auf diese Sicherung verzichtet, ist von Free Solo beziehungsweise über dem Wasser von Deep Water Soloing die Rede.

Werden Haken und Seile auch zur Fortbewegung eingesetzt, handelt es sich um Technisches Klettern, womit sich andere Routen bewältigen lassen. Dazu zählen beispielsweise auch das Klettern zur Höhlenforschung und das Fassadenklettern, sofern ein Seil benutzt wird.   

Sportklettern 

Ob indoor oder outdoor, beim Sportklettern steht der sportliche Aspekt im Vordergrund. Sportkletterer wollen die Route möglichst schnell und auf direktem Weg durchqueren. Üblich sind relativ kurze, technisch schwierige Routen. Zum Sportklettern zählt auch der sportliche Vergleich im Wettbewerb.

Eine Sonderform des Sportkletterns ist das Bouldern. Geklettert wird in Absprunghöhe, wahlweise in der Halle und am Natur-Felsen. Beim Bouldern wird eine Route geklettert, auf der bestimmte „Probleme“ unterschiedlicher Schwierigkeit zu überwinden sind. Gesichert sind die Sportler nur durch Matten am Boden, die einen Sturz abfedern sollen. Eine Sicherung über Seile gibt es hier nicht.

Klettersteige (Via Ferrata)

Auf Klettersteigen hat die Sicherung Vorrang. Die Steige sind bei der entsprechenden Fitness auch für Nicht-Kletterer zu bewältigen. Der Bergsteiger ist auf dem Klettersteig stets über einen Klettergurt mit dem fest angebrachten Stahlseil verbunden. Eisenleitern oder Eisenklammern als Trittstufen erleichtern das Vorankommen.

Schwierigkeitsgrade beim Klettern

Eine einheitliche Skala zur Bewertung der Schwierigkeit besteht nicht, im Freien Klettern haben sich jedoch zwei Bewertungssysteme etabliert. Sie sollen den Vergleich der Routen untereinander gewährleisten und damit der Orientierung des Bergsteigers dienen. Bewertet wird dabei jeweils die schwierigste Passage – die Schlüsselstelle – die es für den Bergsteiger zu bewältigen gilt.

Die nach oben offene UIAA-Skala wird in römischen oder arabischen Ziffern angegeben, zusätzlich ist eine Zwischenabstufung über +/- möglich. Die niedrigste Schwierigkeitsstufe ist die 1 (I), die höchste Stufe liegt derzeit bei circa 12 (XII).  

Ebenfalls üblich ist die sogenannte französische Skala mit arabischen Zahlen und den Buchstaben a, b oder c sowie einer möglichen Aufwertung über das +. Auch hier beginnt die Zählung bei eins, die höchste anerkannte Schwierigkeit liegt bei 9b+.


5. Klettern – Ausrüstung und Hersteller

Zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen zählen Kletterschuhe, Klettergurt und Kletterseil sowie verschiedene Sicherungssysteme mit Karabiner, wie zum Beispiel die Halbmastwurf-Sicherung. Hinzu kommen eine Vielzahl weiterer Utensilien, vom Biwaksack über den Kletterhelm bis hin zu den verschiedenen Schlingen, Chalk und Chalkbag.

Zu den renommiertesten Hersteller-Marken zählen Petzl, Black Diamond, Mammut, Ocùn, Edelrid, Deuter, Vaude, Salomon, La Sportiva und viele andere mehr.


6. Klettern lernen

Wer mit dem Klettern beginnen will, kann sich im Vorfeld an den Kletterregeln des DAV orientieren. Die wichtigste Maßnahme in der Kletterhalle lautet hier: der Partnercheck. Ernster Hintergrund: Bei allen tödlichen Unfällen seit 2000 gab es laut DAV Probleme mit dem Anseilknoten. Bei richtiger Kontrolle wäre dies vermeidbar gewesen. 

ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media