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 Die Lingeriebranche als Vorreiter bei der Wiederentdeckung zentraler Werte
Textilien | 01.02.2017

Textilienbericht – Interfilière Paris

Die Lingerie-Branche als Vorreiter bei der Wiederentdeckung zentraler Werte

Die Lingeriebranche als Vorreiter bei der Wiederentdeckung zentraler Werte. Die Hersteller modischer Wäschestoffe lassen das Erbe von Athleisure in ihre Produkte einfließen. (Quelle: Thinkstock)
Die Hersteller modischer Wäschestoffe lassen das Erbe von Athleisure in ihre Produkte einfließen.
Bild: Thinkstock
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In den vergangenen fünf Jahren lautete das zentrale Motto in vielen Branchen Diversifizierung, heute scheint es jedoch so, als verwässere Diversifizierung das Angebot. Diese Veränderung spiegelte sich deutlich bei der diesjährigen Wäschefachmesse Interfilière in Paris wieder, bei der die neuesten Wäschestoffe und -Applikationen für Frühjahr/Sommer 2018 präsentiert wurden.

Als Diversifizierung zum großen Thema wurde, freuten sich die Textillieferanten im Wäschesektor, insbesondere die Strickanbieter, über den großen Erfolg des Athleisure-Trends und den Wachstum im Bereich Sportbekleidung, und sie verschoben ihren Fokus, um das Potenzial dieses neuen Marktes auszuschöpfen. Heute sieht es etwas anders aus. Die Unternehmen kehren wieder zu dem zurück, was sie am besten können: hochwertige Wäschestoffe aus Strick und Spitze, die sich wie eine zweite Haut an den Körper schmiegen.

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Das Ende von Athleisure?

Nein, der Erfolg dieses Lifestyle-Trends hat den Markt nachhaltig geprägt. Der vielgepriesene Begriff „Athleisure“ beeinflusst die Branche noch immer, präsentiert sich diese Saison jedoch deutlich erwachsener. Er ist immer noch wichtiger Teil einer Lifestyle-Trendwende, die aus diesem Bereich entlehnte Performance-Technologie entwickelt sich jedoch in eine immer technischere Richtung. Dies schlägt sich in allen Sektoren des Wäschemarktes nieder, aber auch aktualisierte und neu aufgelegte Styling-Konzepte fließen in die Produkte ein.

Von Kompakt bis sportlich – durchbrochene Stoffe mit eingebauter Performance. (Quelle: Louisa Smith)
Von Kompakt bis sportlich – durchbrochene Stoffe mit eingebauter Performance.
Bild: Louisa Smith

Die Hersteller modischer Wäschestoffe greifen das Erbe von Athleisure auf und bauen Performancemerkmale in das hochmoderne Design von Stretch-Spitze, feinster Rechts-Links-Ware und urban inspirierten Stickereien ein. Im Bereich Sportunterwäsche hat dies zu einem deutlich dekorativeren Styling mit stärkerem Fashion-Fokus geführt. Der zunehmend dekorative Aspekt von Textiloberflächen und der verstärkte Einsatz von Farbe ist ein Trend, der auch bei den Produkten des ISPO-TEXTRENDS-Jurymeetings erkennbar war.

F&E auf dem Rückzug in der Textilindustrie?

Nein, ganz im Gegenteil! Nur weil die Unternehmen zu ihren Wurzeln zurückkehren, heißt das noch lange nicht, dass sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, was anhand der überarbeiteten Kernprodukte deutlich wurde. Innovation lautetet das Schlagwort, das sich bei der Interfilière in einem neuen, sensationellen Hautgefühl und neu gestalteten Fashion-Elementen bei Sportunterwäsche und modischen Dessous äußerte. Die zusätzlichen Funktionsmerkmale von Hochleistungsgarnen und Finishes werden uns definitiv für lange Zeit begleiten.

Kontrastierend matte und glänzende Garne werden spielerisch zur Kennzeichnung spezieller Power-Zonen und für optische Details eingesetzt, die die glatten Oberflächen nicht stören. Die Stoffe in dieser Saison punkten durch extrem weiche Haptik und saubere Verarbeitung. Hochleistungsfasern sind nicht nur mit Cool-Touch-Funktion ausgestattet, sondern liefern auch ein tolles baumwollähnliches Hautgefühl. Angesichts des Stoffangebots dieser Saison für den sich verändernden Markt gibt es keinen Grund mehr, warum die Marken bei ihren neuen Kollektionen das Thema Style nicht in den Vordergrund stellen sollten.

Neues Zellulosegarn Naia. (Quelle: Eastman)
Neues Zellulosegarn Naia.
Bild: Eastman


Penn Textile Solutions hatte ein speziell konstruiertes Spitzenband im Angebot, das ohne zusätzliche Nähte auskommt. Reduzierte Schnitte und Nähte bedeuten ein glatteres Finish, aber auch eine geringere Textilproduktion. Zu den Neuentwicklungen von Tintex zählte ein Interlock-Hybrid-Mix aus merzerisiertem Micromodal und Nylon, der Komfort mit einer seidig-weichen Haptik kombiniert und sich sowohl für Unterwäsche als auch für Sportbekleidung ideal eignet.

Brandneue Entwicklungen

Dem Thema Nachhaltigkeit wird in der Branche auch weiterhin Bedeutung beigemessen, wie die aktuelle Neuvorstellung im Bereich Markengarn von Eastman auf der Interfielière beweist: Naia, ein Zellstoffgarn, das aus Zellulose aus zertifizierten, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gefertigt wird. Dank der Filamentkonstruktion liefert Naia nicht nur eine seidig schimmernde, geschmeidige Textur, sondern sichert sich durch leistungsstarke Funktionsmerkmale wie Fleckenbeständigkeit, Feuchtigkeitsmanagement und Cool-Touch einen Platz als echte biologisch basierte Alternative. Die natürlichen Performance-Eigenschaften des aus nachhaltigen Quellen bezogenen Holzes, insbesondere was das Feuchtigkeitsmanagement angeht, machen eine weitere Bearbeitung überflüssig und bringen zusätzliche Punkte in Sachen Umweltverträglichkeit.

Iluna nutzte die Messe, um seine Green-Label-Kollektion aus Roica-Eco-Smart-Elastan im Bereich Jacquardtronic- und Textronic-Spitze vorzustellen. Eco Smart ist ein besonders nachhaltiges, GRS-zertifiziertes (Global Recycling Standard by Textile Exchange) Öko-Stretch-Elastan, das basierend auf den Erkenntnissen der Polymerwissenschaft produziert wird, sodass mindestens 50 Prozent der Prä-Verbraucher-Abfälle wiederverwertet werden können.

Ein natürliches Hautgefühl ist das Thema der Saison. (Quelle: Louisa Smith)
Ein natürliches Hautgefühl ist das Thema der Saison.
Bild: Louisa Smith

Textillieferanten im Wäschesektor reagieren auf zu viel Gleichförmigkeit auf dem Markt

„Wie können wir unsere Produkte auf einem überfüllten Markt von anderen Produkten absetzen? Zurzeit ist jede Marke in allen Märkten aktiv. Der Wettbewerb zieht an und die Margen stehen unter großem Druck“, erklärt Jane Singer, Direktorin und Head of Market Intelligence bei Inside Fashion, und fügt hinzu, dass dieses globale Angebot zu einer viel zu starken Einheitlichkeit auf dem Markt und folglich zu gelangweilten Kunden führt, die nicht kaufen.

Ihr Rat an Textillieferanten und -marken ist für das Vorankommen auf einem gesättigten Markt enorm wichtig. „Sie müssen Ihre Kollektion und Ihr Geschäftsmodell auf ein absolutes Minimum reduzieren. Trennen Sie sich von allem, was kein Bestseller ist. Machen Sie sich einen Namen als eine der zentralen Marken für ein Kernprodukt. Versuchen Sie nicht, in allen Märkten gleichzeitig zu sein. Nehmen Sie sich einen Markt nach dem anderen vor, expandieren können Sie jederzeit.“

Ein weiterer Ratschlag lautet, die Konkurrenz nicht zu kopieren, was derzeit jedoch gang und gäbe ist. Singer fordert, dass dies ein Ende haben muss. „Diese Fixierung führt zu viel zu vielen ähnlichen Produkten und einem entsprechenden Preiskampf. Wenn man versucht, überall dabei und auf allen Märkten vertreten zu sein, begibt man sich in eine schwache Position“, so Singer.

Jos Berry, Creative Director bei Concepts Paris vertrat bei der Trendkonferenz eine ähnliche Meinung. „Es herrscht große Einheitlichkeit, insbesondere, da wir große Volumina benötigen. Frauen mögen Klassiker, wenn sie neu aufgelegt werden und kaufen Produkte, die länger halten. Nicht umsonst gibt es Bestseller“, betont sie und führt als Beispiel den bügellosen BH „Doreen“ von Triumph an, einen echten Verkaufsschlager, der sich seit über 40 Jahren auf dem Markt hält. Darüber hinaus empfiehlt Berry, dass sich die Marken nicht Saison für Saison neu erfinden müssten, sondern stattdessen in Bezug auf Farben oder Details kreativ werden sollten.

Unabdingbar: Marken benötigen ein gezieltes Konzept

Die Wäscheindustrie schreitet einerseits voran, wirft andererseits aber auch die Frage auf, ob wir uns verzettelt haben und das Ziel aus den Augen verloren habe. Vielleicht ist es an der Zeit, das zu ändern, sich auf Bestseller zu konzentrieren und von umsatzschwachen Produkten zu trennen. Dies gilt sowohl für Textilzulieferer auch für Marken. Bei diesem neuen Ansatz geht es darum, das zu tun, worin man gut ist, und darauf aufzubauen. 

Stars at the ISPO MUNICH 2016 (Quelle: Messe München GmbH)
Eine Kolumne von Louisa Smith, Trend-Scout
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