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 Fitness-App Evalu.Run: Laufcoach immer im Schuh mit dabei
Running | 24.08.2016

Daten in Echtzeit: Neues Wearable zum Laufen

Evalu.Run: Coaching-App aus der Einlegesohle

Fitness-App Evalu.Run: Laufcoach immer im Schuh mit dabei. Auf die richtige Technik kommt es an: Die Schuheinlagen von ISPO BRANDNEW-Preisträger Evalu Run geben Rückmeldung. (Quelle: Thinkstock)
Auf die richtige Technik kommt es an: Die Schuheinlagen von ISPO BRANDNEW-Preisträger Evalu Run geben Rückmeldung.
Bild: Thinkstock
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Evalu.Run soll mit einer smarten Laufsohle mehr Leichtigkeit ins Laufen bringen und wurde dafür bei ISPO BRANDNEW 2016 in der Kategorie Wearables ausgezeichnet. Die sensorbasierte Lauftrainer-App des Startups aus München übermittelt hilfreiche Trainingsanweisungen zur Verbesserung der Lauftechnik in Echtzeit.

Was die Evalu-Technologie von anderen Fitness-App-Anbietern unterscheidet und wie Läufer von Evalu.Run profitieren, erzählen Romano Wolf und Benedikt Seitz, Mitgründer des jungen Startups.

ISPO.com: Fitness-Appsgibt es viele, was unterscheidet Evalu.Run von anderen Wearables und Apps für Läufer?
Romano Wolf: Viele Apps befassen sich mit Sport und Laufen in der Natur. Vor allem die Tracker haben sich stark weiterentwickelt. Dennoch geht es bisher über das reine Tracken von Daten noch nicht hinaus. Wir wollten das mit einem umfassenden Coaching ergänzen, das den Läufer in Echtzeit unterstützt, ähnlich einem Personal Trainer.


Sind Sie denn selbst leidenschaftliche Läufer?
Benedikt Seitz: Wir sind leidenschaftliche Sportler, die auch laufen, aber keiner von uns war reiner Wettkampfläufer. Die meisten von uns haben Teamsportarten wie Hockey und Basketball gespielt und ein paar damit sogar ihr Studium finanziert.
Wolf: Zusammen sind wir ein sehr ambitioniertes und sportliches Startup, bei dem trotz Ehrgeiz auch der Spaß nicht zu kurz kommt.

Einlegesohle und App arbeiten zusammen

Evalu.Run besteht aus einer App plus einer sensorischen Laufsohle. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Seitz: Wir wollten unseren vielseitigen universitären Background unbedingt in einem Startup vereinen, aber das Ganze nicht zu trocken verpacken. Die Leute in der Sportbranche sind für Neues wesentlich offener, und der Zugang ist somit leichter.
Die Idee zu Evalu.Run entstand aus unserer Begeisterung für Sport und unserem großen technischen Know-how als Ingenieure der Medizintechnik, Mikro- und Sensortechnik, Biomechanik und Produktentwicklung. Ein Wearable mit dieser Technologie zu entwickeln, war beinahe die logische Konsequenz.

Lesen Sie hier alles zum Trend-Thema Werables

Wie funktioniert Evalu.Run?
Wolf: Die Evalu.Run-Einlegesohle evaluiert mithilfe der App im ersten Schritt den aktuellen Trainingsstatus des Sportlers während des Laufens sowohl auf Belastungs- als auch Leistungsseite. Die Messergebnisse werden von der Coaching-App analysiert und die Defizite festgestellt. In Echtzeit bekommt der Läufer dann hilfreiche Trainingsanweisungen und Übungen zur Verbesserung der Lauftechnik via Kopfhörer, um seine definierten Ziele leichter zu erreichen.

Die Einlagen in den Schuhen spielen die Daten aufs Handy, dort wird der Laufstil analysiert. (Quelle: Evalu.Run)
Die Einlagen in den Schuhen spielen die Daten aufs Handy, dort wird der Laufstil analysiert.
Bild: Evalu.Run

Es gibt viele Gründe zu laufen. Welche Zielgruppe sprechen Sie an?
Seitz: Aktuell sind es noch die ambitionierten Läufer. Erstmals können sich die Sportler selbst digital wahrnehmen und erhalten live eine Vielzahl bisher nicht verfügbarer Informationen: tatsächliche Belastung, Effizienz des Laufstils und objektiver Trainingsfortschritt.
Mit der Empirie und dem Wissen, das wir jetzt kreieren, möchten wir die Menschen erreichen, die Laufen aus physiologischen oder psychologischen Gründen bisher als beschwerlich empfinden. Denjenigen möchten wir mit Evalu.Run zu einer neuen Körperwahrnehmung verhelfen und die Leichtigkeit des Laufens vermitteln.

„Leichtigkeit des Laufens“ – das steht doch vor allem für die Einfachheit dieser Ausdauersportart. Geht mit zu viel Elektronik nicht genau diese Leichtigkeit verloren?
Seitz: Die sensorische Laufsohle wird einmal eingelegt – und schon ist der Laufschuh smart. Unsere Software ist sehr schlank und nutzerfreundlich aufgebaut. Die Technik ist ähnlich der Wattmessung im Radsport und man muss sich dann auch nicht mehr weiter damit beschäftigen. Anschließend heißt’s dann nur Schuhe anziehen, App starten und los!

Weiche Evalu.Run-Sensoren messen präzise Daten

Spürt man denn die Laufsohle im Schuh nicht?
Seitz: Es ist zwar extrem schwierig, mit so weichen Sensoren präzise und hochauflösende Daten zu messen, dennoch ist diese Sohle sehr komfortabel. Man spürt sie kaum, was für Leistungssportler extrem wichtig ist.

Und die Sohle funktioniert in jedem Laufschuh?
Seitz: Ja, absolut. Die Sensorik funktioniert sogar mit orthopädischen Laufeinlagen, da wir die auftretenden Kräfte messen und nicht die Druckverteilung – zumindest noch nicht.

Sie möchten mit Evalu.Run die Lauftechnik des Läufers verbessern. Wie sieht eine gute Lauftechnik aus?
Wolf: Das ist eine sehr gute Frage (lacht). Eine gute Lauftechnik ist vor allem eine natürliche Lauftechnik. Evalu.Run soll diese natürliche Lauftechnik optimieren, sodass ungünstige Belastungen reduziert und die Leistungsfähigkeit maximiert werden, um den persönlichen Zielen möglichst nahezukommen.
Wir möchten nicht einen bestimmten Laufstil promoten und den Läufer in ein einheitliches Korsett zwängen, sondern die individuellen Möglichkeiten des Läufers entwickeln und das Laufen erleichtern.

Evalu.Run-App kann Ermüdung vorhersehen

Die App benötigt vorab einige persönliche Informationen des Läufers. Setzt das einen erfahrenen Nutzer voraus?
Wolf: Der Läufer sollte zwar gewisse Vorkenntnisse mitbringen, aber Evalu.Run ist sehr simpel aufgebaut. Viele Informationen können wir über die sensorische Laufsohle ermitteln.
Die Informationen werden mit unserer wissenschaftlichen Datenbank abgeglichen, und ein Algorithmus erstellt dann ein individuelles Trainingsprogramm mit Übungen zur Aktivierung und Kräftigung des passiven und aktiven Muskelapparats. Auch eine bevorstehende Ermüdung kann die App erkennen und Erholung empfehlen. Das gab’s so noch nicht.

Die vier Gründer von Evalu: Bene Seitz, Raphael Blistein, Maximilian Gloël, Romano Wolf  (Quelle: Evalu.Run)
Die vier Gründer von Evalu: Bene Seitz, Raphael Blistein, Maximilian Gloël, Romano Wolf
Bild: Evalu.Run

Viele Läufer trainieren nach der Herzfrequenz. Lässt sich Evalu.Run auch mit einem Brustgurt koppeln?
Seitz: Derzeit wird die Herzfrequenz noch nicht berücksichtigt, aber wir entwickeln bereits Schnittstellen, unter anderem für die Herzfrequenz.
Wolf: Wir wollten unser Produkt erst einmal schlank auf den Markt bringen, um dann in überschaubaren Schritten zu wachsen. Dazu gehört auch, unsere Coaching-App zukünftig auf andere Smart-Devices wie Smartwatches übertragen zu können.

Für Ihr Konzept haben Sie bei ISPO BRANDNEW 2016 in der Kategorie Wearables gewonnen. Wie hat sich diese Auszeichnung auf die Entwicklung Ihres Startups ausgewirkt?
Seitz: ISPO BRANDNEW hat uns absolut überrascht und unglaublich gepusht. Wir haben wichtige Ansprechpartner der Industrie kennengelernt und viel positives Feedback von Profis und Experten bekommen. Die mediale Resonanz war überwältigend.


Wie verdienen Sie mit Evalu.Run letztendlich Geld?
Seitz: Die Laufsohle ist Hightech, so etwas kostet natürlich. Die App ist ein klassisches Premium-Modell, das ist teilweise kostenfrei.
Wolf: Der Mehrwert steckt im Live-Coaching und der kontinuierlichen Betreuung des Läufers. Unser Business-Modell wird darauf ausgelegt sein, die Kunden nachhaltig über ein Abo-Modell zu betreuen.

Wann wird Evalu.Run auf den Markt kommen?
Wolf: Den Launch von Evalu.Run planen wir für das Frühjahr 2017.

Fakten zum Unternehmen:

Firma: evalu GmbH
Gründungsjahr: Januar 2016
Firmensitz: 80799 München
Anzahl der Mitarbeiter: 4

Website: www.evalu.io
Evalu bei Facebook und bei Instagram.

Video: So bewertet die ISPO BRANDNEW Jury

Stefan Drexl ist Redakteur der ISPO. (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Stefan Drexl, Autor
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