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 Vierschanzentournee: Die fliegende Werbeplattform
Wintersport | 28.12.2015

Skispringen und Marketing

Ski-Marken bei der Vierschanzentournee: Die fliegende Werbeplattform

Vierschanzentournee: Die fliegende Werbeplattform. Ein Skispringer in der Luft bei der Vierschanzentournee (Quelle: imago/GEPA Pictures)
Vierschanzentournee: ideale Werbeplattform für Hersteller von Sprungski
Bild: imago/GEPA Pictures
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Jeden Flug gibt es in Zeitlupe. Die Skimarke ist (fast) immer im Bild. Und Millionen Zuschauer, die in der Zeit um den Jahreswechsel nichts Besseres zu tun haben, schauen begeistert zu. Die Vierschanzentournee ist die ideale Werbeplattform für Hersteller von Sprungski.

Das haben inzwischen nicht nur traditionelle Skifirmen wie Fischer oder Elan erkannt. Auch das Reiseportal fluege.de, die Sporthandelskette Sport 2000 und der Sportbekleidungs-Hersteller Löffler segeln inzwischen durch die Lüfte.

Raum für Marketing

„Die Marke ist im Bild – mit Sicherheit in Zeit und Länge häufiger als bei anderen Ski-Disziplinen. Das sind Fernsehzeiten, die ansonsten teuer erkauft werden müssten“, sagt Tanja Winterhalder, Marketingleiterin bei der Skifirma Fischer. Besondere Bedeutung für das Unternehmen habe dabei natürlich das Premium-Event Vierschanzentournee: „So eine Plattform haben wir sonst nicht.“ Als mit dem Österreicher Stefan Kraft im vergangenen Jahr ein Springer mit Fischer-Ski Vierschanzentournee-Sieger geworden sei, sei „das in der Öffentlichkeit deutlich wahrgenommen“ worden.


Der Media-Wert für die TV-Übertragungen vom Skisprung-Grand-Slam – im vergangenen Winter schauten allein bei ARD und ZDF kumuliert 34,07 Millionen live zu – und für die zahllosen (Werbe)Fotos in Zeitungen und Internet geht für die Skihersteller in die Millionen. Der Aufwand ist allerdings auch relativ hoch. Offizielle Zahlen gibt es bei der österreichischen Traditionsfirma nicht, aber knapp in den Millionenbereich dürften die Kosten für die Herstellung, Entwicklung und das Personal schon gehen. Vier Mitarbeiter produzieren pro Jahr etwa 1500 Paar Sprungski. Einer davon, der ehemalige Topflieger Franz Neuländtner, ist bei den Weltcups und der Vierschanzentournee immer als Servicemann dabei.

Ski für Springer werden im Handel praktisch nicht verkauft

Das Problem bei der Sprungski-Herstellung: Im Gegensatz zu Alpin oder Langlauf werden Sprungski nicht von „normalen“ Konsumenten gekauft. Der offizielle Verkaufspreis von 799 Euro wird also bei Fischer faktisch nie erlöst. Auch den ermäßigten Kaderpreis von 550 Euro zahlen höchstens die Hälfte der Athleten. Weil die Topflieger wie Weltmeister Severin Freund ihr Material von Fischer gesponsert bekommen. „Und jeder dieser Ski für die Topspringer ist eine Einzelanfertigung“, sagt Winterhalder.

Zwei Skispringer beim Jubeln (Quelle: imago/GEPA Pictures)
Trikots der Skispringer: Viel Platz für Werbung
Bild: imago/GEPA Pictures

Die Zeiten in der Skiindustrie sind nicht gerade rosig, deshalb wurde auch bei der Traditionsmarke Fischer schon mal über die Einstellung der Sprungski-Produktion diskutiert. Rossignol – früher die Marke von Martin Schmitt – und Atomic (z. B. Janne Ahonen) haben das bereits getan. „Wir wollen dagegen als nordischer Marktführer alle Sparten bedienen. Zugleich nutzen wir das Skispringen als Wissenspool für das Spiel mit neuen Materialien“, sagt Winterhalder. Das gewichtigste Argument bleibt jedoch das der idealen Werbeplattform. Gerade beim Highlight Vierschanzentournee.

Sponsoring im hohen sechsstelligen Bereich

Fluege.de und Sport 2000 lassen ihre Ski deshalb bei der Nachfolgefirma des einstigen DDR-Sportartikelherstellers Germina in Thüringen herstellen. Das Unternehmen klopfte einst bei Audi und Lufthansa an, um seine Sprungski-Produktion zu retten. Am Ende schlug das umstrittene Leipziger Internet-Unternehmen Unister zu. Es sah Skispringen für sein Reiseportal fluege.de zurecht als ideale Werbeplattform – und lässt sich die perfekte Werbung jährlich dem Vernehmen geschätzte 700.000 Euro kosten. Auch bei Sport 2000 heißt es ganz offen, dass man sich „Sprungski statt Werbeinserate“ leistet. Offenbar ein Erfolgsmodell: Auch Löffler lässt sich inzwischen Ski bei seinem Schwesterunternehmen Fischer fertigen und nutzt die Werbeplattform Tournee.


Obwohl der Werbewert gigantisch ist, partizipieren die Sportler daran nur wenig. Bei der Vierschanzentournee kann der Sieger so geschätzte 20.000 Euro zusätzlich verdienen. Peanuts im Vergleich zum Alpinbereich, wo Topathleten erfolgsabhängig jährlich bis zu siebenstellige Summen von ihrer Skifirma kassieren können. 

Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
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