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 YES 20/20 Snowboard: "Für Tricks im Powder einfach unschlagbar"
Wintersport | 20.12.2015

Snowboard Innovationen

YES 20/20 Snowboard: „Für Tricks im Powder einfach unschlagbar”

Im Video vorgestellt: das 20/20 Snowboard (Quelle: YES)
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Das YES 20/20 Snowboard wurde auf der ISPO MUNICH 2015 mit dem ISPO AWARD in Gold ausgezeichnet. Was macht dieses Board so besonders? Um dies aus erster Hand zu erfahren sprach ISPO.com mit Alex Warburton, dem Brand Director und Produkt Designer von YES Snowboards.

Die Snowboardbranche ist zweifellos eine der innovativsten Branchen im Wintersport. Sowohl die Erfindung der taillierten Kante als auch die Einführung der Rocker-Technologie haben ihren Ursprung im Snowboardbau. Beide Technologien haben sich aus den Snowboardfabriken erfolgreich in die Produktion von Skiern verbreitet und auch dort den Produkten maßgeblich zu einer besseren Performance verholfen.

Der ISPO AWARD zeichnet jedes Jahr die innovativsten Ideen und Produktentwicklungen in unterschiedlichsten Segmenten aus. In der Kategorie Action Sports wurde 2015 das YES 20/20 Snowboard mit einem ISPO AWARD in Gold ausgezeichnet.
Jurymitglied Severin Ebner begründet die Auszeichnung so: „Was im ersten Moment wie ein Kiteboard aussieht stellt sich als sehr durchdachtes Konzept heraus. Ein echtes Twin Tip Board mit ähnlich guten, wenn nicht sogar besseren Gleiteigenschaften eines Boards im directional Shape. Das 3D Powder Hull Design und die daraus resultierenden Konkaven an Nose und Tail sorgen wie bei einem Surfboard für viel Speed. Der Rocker macht es zudem agil und erleichtert die Schwungauslösung. Insgesamt ein sehr interessantes und innovatives Board.“

Ob die ungewöhnliche Konstruktion des 20/20 Snowboards das Potential zu nächsten großen Wintersport-Innovation hat, lässt sich besser einschätzen, wenn man die Hintergründe des Konzepts verstanden hat. Alex Warburton, Brand Director und Produkt Designer von YES Snowboards, ist hierfür der richtige Ansprechpartner.


Herr Warburton, im Produktvideo zum 20/20 Board sprechen Sie davon, dass das Design des Boards vom Konzept der Planning Hulls und Surfboard Shapern wie Bob Simmons und Daniel Thomsen inspiriert wurde. Was hat es damit auf sich?
Bob Simmons hat sich von 1949 bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1954 sehr intensiv mit verschiedenen Theorien zu seinen Planning Hulls beschäftigt. Dabei ging es übergreifend immer um das Gleitverhalten seiner speziellen Surfboards.
Viele seiner Ideen wurden damals gar nicht richtig verstanden und erst 20 Jahre später wieder aufgegriffen. Er baute seine Boards nicht nach ästhetischen oder emotionalen Aspekten sondern legte ausschließlich wissenschaftliche Maßstäbe zu Grunde.
Simmons war ein brillante Mathematiker und Wissenschaftler, studierte am renommierten „California Institute of Technology“, war ein talentierter Handwerker und besessener Surfer. Bei allen seiner Boards hat einzig und allein die Performance das Design bestimmt. Einen sehr ähnlichen Ansatz verfolgt aktuell der Surfboard Shaper Daniel Thomson. Diese Herangehensweise hat mich bei der Entwicklung des 20/20 Snowboards sehr inspiriert.

Wie hat das dann in der Umsetzung konkret ausgesehen?
Die beiden genannten Beispiele umfassen ja eine Zeitspanne von über 60 Jahren: Simmons Theorien der frühen 50er Jahre und die modernen Ansätze von Thomson in der heutigen Zeit. Beide richten sich beim Design ihrer Boards nur nach der gewünschten Performance. Ich habe nicht eine konkrete Designidee aus dem Surfboardbau übernommen. Viel mehr haben meine intensiven Recherchen zu diesen Designtheorien die Entwicklung des 20/20 Powderhull Snowboards angestoßen.

Das YES 20/20 mit seiner besonderen Form (Quelle: YES)
Das YES 20/20 mit seiner besonderen Form
Bild: YES

Die Outline und das Base-Design des Boards sehen extrem komplex und innovativ aus. Wie lange hat die Entwicklung vom ersten Prototypen bis zum Serienprodukt gedauert?
Wir haben daran über drei Monate sehr intensiv gearbeitet und brauchten allein drei verschiedene Prototypen bis wir für alle Parameter die passenden Dimensionen gefunden hatten.
Für die nächste Generation die im Winter 2016/2017 erscheint haben wir zudem weiter mit dem Flex und unterschiedlichen Längen experimentiert.

„Produktion der konkaven Base ist schwierig”

Haben Sie schon vorher einmal ein solch komplexes Board entworfen?
Die Outline unsers PYL Snowboards ist im Vergleich zum 20/20 Board noch ein ganzes Stück komplexer, da hier die Kante aus drei verschiedenen Sidecutradien besteht. Von daher hatten wir auch vor der Produktion des 20/20 schon durchaus Erfahrungen mit unkonventionellen Boardshapes.
Das Schwierigste beim 20/20 ist aber die Produktion der konkaven Base. Das ist für viele Snowboardfabriken eine echte Herausforderung. Solche Baseformen gibt es schon seit den 80er Jahren, als die Firma Winterstick erstmals damit experimentierte. Und auch die von Hand gefertigten Äsmo Powdersurfer von Wolle Nyvelt und Stefan Gruber haben ein sehr komplexes Basedesign.

Romain DeMarchi in Japan (Quelle: Chad Chomlack)
Romain DeMarchi testing the YES 20/20
Bild: Chad Chomlack

Dann war es doch sicher nicht einfach ein solches Board in Serie zu fertigen, oder?
Das kann man wohl sagen. Wir haben von vornherein erwartet, dass wir für dieses Boardkonzept in unserer Fabrik einige Überzeugungsarbeit leisten mussten. Snowboardfabriken leben von ihrer Effektivität und wenn man mit einem Produkt auftaucht, dass nicht mit den traditionellen Arbeitsabläufen harmonisiert, gibt es zunächst Wiederstände.
Wir mussten also einiges an Überzeugungsarbeit leisten bevor unsere Produktion bei SWS losgehen konnte. Wir haben aber ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Produzenten und konnten so den Herstellungsprozess optimal an die speziellen Anforderungen des konkaven Basedesigns anpassen.
Genau von solchen Herausforderungen lebt ja schlussendlich das Produktdesign. Würde sich eine innovative Idee ganz ohne dieses Umdenken und Adaptieren umsetzten lassen, kann das auch ein Indiz dafür sein, dass man in der Entwicklung nicht weit genüg über den Tellerrand geschaut hat. Nur wenn solche Prozesse möglich sind kann sich Innovation entfalten.

Nicht nur die Base des Boards sieht mit den tiefen Konkaven sehr speziell aus. Auch das Design von Tip und Tail sind ungewöhnlich. Was hat es damit auf sich?
Die Form von Tip und Tail hat sich aus der Position und Funktion der Konkaven auf der Unterseite ergeben. Um den Venturi-Effekt der Konkaven voll auszunutzen brauchte ich an Tip und Tail so viel Fläche wie möglich. So kann möglichst viel Luft unters Board gelangen.
Außerdem muss die Outline harmonisch in den Sidecut übergehen. Aus diesen Umständen ergab sich schlussendlich die Form von Tip und Tail.

Tiefe Konkaven an Tip und Tail des 20/20.  (Quelle: Yes Snowboards)
Tiefe Konkaven an Tip und Tail des 20/20.
Bild: Yes Snowboards

Wie war die erste Reaktion der Teamfahrer Roman de Marchi und Austen Sweetin als sie das Board zum ersten Mal ausprobierten?
Ich glaube nicht, dass sie so etwas erwartet hatten, aber sie waren begeistert. Der Shape von Nose und Tail sieht ja dem eines Wake- oder Kiteboards sehr ähnlich.
Das ist für eingefleischte Snowboarder per se schon mal schwer zu akzeptieren. Aber daran haben sie sich dann doch recht schnell gewöhnt. Das zeitgemäße Grafikdesign von Dustin Oritz hilft natürlich auch die Akzeptanz zu steigern. Das gefällt sowohl den Early Adopters als auch den Mainstream Kunden.

„Bei Tricks im freien Gelände ist es einfach unschlagbar”

Ist das 20/20 das erste echte Twin Tip für den Einsatz im Powder von YES Snowboards?
Ja, so ist es. Soweit ich weiß, ist es sogar das einzige True-Twin Freestyle Board auf dem Markt, das speziell für diesen Einsatzbereich entwickelt wurde.


Funktioniert das Board auch auf harter Piste, und wie sieht es da mit dem Kantengriff aus?
Ja, das Brett ist absolut pistentauglich. Entlang der Kanten ist die Base ja komplett plan, und zur Mitte hin arbeiten wir an Tip und Tail mit einem leichten Rocker. Der Sidecut ermöglicht aggressive Turns und macht das Board trotz seiner größeren Breite gut beherrschbar. Auf der Piste fährt es sich wie ein ganz normales breites Twin-Tip Board, und die 3D-Powderhull-Konkaven der Base machen sich gar nicht bemerkbar.

Wer sollte sich unbedingt ein YES 20/20 zulegen?
Wer in seinem Heimatresort nie in den Powder geht, braucht dieses Board nicht. Aber wer genau so gerne durch den Tiefschnee fährt wie er im Snowpark über die Kicker fliegt, sollte sich eins zulegen.
Bei Tricks im freien Gelände und Switch-Landungen im Powder ist es einfach unschlagbar. Das YES 20/20 eröffnet durch seine Performance vor allem im Backcountry-Freestyle viele neue Möglichkeiten.

Andi Spies (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Andi Spies, Autor
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