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 Textilien: Eine Membran erobert die Welt
Textilien | 11.12.2015

Die Erfolgsgeschichte von Gore-Tex

Eine Textil-Membran erobert die Welt

Textilien: Eine Membran erobert die Welt. Wasserperlen auf einem Stoffstück (Quelle: billyhoiler/iStock/Thinkstock)
Außen trocken, innen luftig – der Siegeszug von Gore-Tex.
Bild: billyhoiler/iStock/Thinkstock
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Was ist wasserfest und doch atmungsaktiv? Die meisten Menschen würden da wohl zuerst auf Gore-Tex kommen. Kein Wunder, wird das Material doch seit Jahrzehnten von vielen namhaften Herstellern verarbeitet. Trotz starker Konkurrenz ist das Original bis heute unangefochtener Marktführer – und das ist die Erfolgsgeschichte der Firma dahinter.


Die Geschichte von Gore-Tex beginnt mit der Teflon-Pfanne. Die Erfindung seines Arbeitgebers DuPont, Tiegel und Töpfe mit dem lange zuvor entdeckten Kunststoff zu beschichten, bringt den US-Chemiker Bill Gore zur Mitte der 1950er Jahre auf eine Idee: Er will aus dem hitzebeständigen Material auch Isolierungen für elektrische Kabel entwickeln, die seinerzeit unter anderem in der noch jungen Computerindustrie gebraucht werden. Gore hält diesen Gedanken für so tragfähig, dass er kündigt und sich 1958 mit seiner Frau Vieve im Keller des Wohnhauses in Newark (Bundesstaat Delaware) selbständig macht.

So wurde Gore-Tex erfunden

Sohn Robert, einer der fünf Kinder, studiert damals gerade Chemie und experimentiert mit dem Kunststoff weiter. Er erwärmt das PTFE (Polytetrafluorethylen) und zieht es immer mehr auseinander. Das Ergebnis ist ein Gitter, das so fein ist, dass kein Wassertropfen hindurch passt. Dampf kann jedoch Dampf entweichen. Die Grundlage für Gore-Tex ist erfunden. Bis die Membran in Textilien zur Anwendung kommt, soll es allerdings noch dauern.
Bahnbrechende Erfindung als Nebenprodukt

Die Firma Gore konzentriert sich zunächst wie geplant auf Kabelisolierungen. Wiederum ist es Sohn Robert, genannt „Bob“, der im zweiten Studienjahr den bahnbrechenden Weg findet, mit künstlichen Polymer-Bändern elektrische Leitungen zu isolieren. Papa und Mama entwickeln daraus in der heimischen Kellerwerkstatt Isolierdrähte und bekommen 1960 den ersten großen Auftrag: 7,5 Meilen Kabel für die Stadt Denver. Eine erste Fabrik wird gebaut. Bob meldet für das Mehrleiterkabel sein erstes Patent an, weitere Gore-Kabel-Firmen entstehen.


Die NASA wird aufmerksam

Neil Armstrong verbindet 1969 seine Mondlandefähre und seismografische Geräte mit Kabeln der Firma Gore. Bob forscht derweil auf der Erde weiter. Sein expandierter PTFE (ePTFE) wird nun auch für Dichtungen und Filter verwendet. 1972 kommt erstmals eine Faser mit dem Namen Gore-Tex auf den Markt und Gore baut und ummantelt damit Implantate für die Chirurgie – künstliche Gelenke, Gefäße und Herzklappen. 

Quantensprung für Funktionskleidung

1976 bestellt zum ersten Mal ein Textilproduzent bei der Firma Gore die neuartigen Gore-Tex-Fasern für seine Regenbekleidung. Die Membran wird als Schicht zwischen Oberstoff und Futter geklebt. 1979 lässt sich Firma Gore die Schweißnähte für die mehrschichtigen Stoffe, also für die Laminate aus Gore-Tex-Fasern, patentieren – spätestens damit steht der Herstellung von rundum wasserdichter Bekleidung nichts mehr im Wege. Die NASA verarbeitet die Gore-Fasern sofort in ihren Raumanzügen, zahlreiche Sportswear-Hersteller aus aller Welt beauftragen danach bei Gore die atmungsaktive Membran für ihre Outdoor-Bekleidung. 


Gore verspricht “Guaranteed to keep you dry”

Hunderte Markenherstellern für Outdoor-Textilien ( http://textrends.ispo.com/de/ ) nutzen seither die Laminate von Gore-Tex als Kerntechnologie für ihre wasserdichten, winddichten und atmungsaktiven Produkte. Ein neuer Standard ist entstanden, hinter den niemand in der Branche zurück kann. Mit Sympatex, Powertex, Hyvent oder Texapor von Jack Wolfskin kommen später viele Konkurrenzprodukte auf den rasant wachsenden Markt.
Kritik an Gore-Tex

Im Zuge der Umwelt- und Nachhaltigkeitsdebatte dauert es nicht lange, bis ökologische Alternativen zu Gore-Tex gesucht und gefunden wurden. Um das Image zu wahren, reagierte die W.L. Gore & Associates und verzichtet seit Ende 2013 nach eigenem Bekunden in ihren weltweiten Werken auf problematische PFOA-Chemikalien bei der Herstellung, da sich diese in der  kaum abbauen lassen. Einen Beitrag zum Umweltschutz will man vor allem damit leisten, dass man die Lebensdauer der Sportswear-Produkte immer weiter erhöht. Die meisten Kunden dürften das gerne hören. 

Vier Gore-Standorte in Deutschland

Die Firma Gore hat weltweit 10.000 Mitarbeiter in den Sparten Elektronik, Medizin, Textilien und Industrieprodukte. Bereits 1966 wurde eine Tochtergesellschaft in Deutschland gegründet, in Putzbrunn bei München. Es ist der größte von bundesweit vier Standorten mit insgesamt rund 1.500 Mitarbeitern. Funktionstextilien lässt Gore hauptsächlich in China fertigen. In Deutschland werden vor allem elektronische Produkte hergestellt, medizinische Gewebe und Membrane sowie Dichtungen, Belüftungstechnik und Filter für die Auto- und Chemieindustrie.
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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