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 Leichter als eine Tafel Schokolade und trotzdem megawarm
Ausrüstung | 29.11.2015

Kleidung: Was ihre Outdoor-Jacke alles können sollte

Leichter als eine Tafel Schokolade und trotzdem megawarm

Leichter als eine Tafel Schokolade und trotzdem megawarm. Eine Frau mit grüner Jacke schaut über die Schulter in die Kamera (Quelle: Sloniki/iStock/Thinkstock)
Urban Outdoor: Praktisch, schön und multifunktional
Bild: Sloniki/iStock/Thinkstock
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Warum extra eine Winterjacke kaufen, wenn es doch die wahnsinnig praktischen Daunenjacken der Sportartikelhersteller gibt? Moderne Outdoor-Kleidung ist weich, warm und leicht. Noch dazu sieht sie gut aus. Unterschiede zwischen sogenannter Funktionskleidung und Alltagstextilien gibt es kaum noch. Das Stichwort heißt Urban Outdoor. Was eine Jacke alles können sollte, um sowohl in der Stadt als auch bei der Winterwanderung zu punkten, verraten wir hier.

Ski-Jacken in Jeansoptik, ein warmer Softshell-Parka, taillierte Daunenmäntel mit Blumendruck: Funktionsjacken sind inzwischen wahre Alleskönner. Sie gehen mit der Mode, sie fühlen sich gut an, sie halten wärmer als warm bei immer weniger Gewicht, sind atmungsaktiv, wind- und wasserdicht, schmutzabweisend und scheinbar unverwüstlich.

Womit sich ihr vielleicht höherer Preis im Vergleich zu herkömmlichen Winterjacken schnell relativiert. Funktionsjacken erobern immer mehr die normalen Warenhäuser und damit eine Kundschaft, die (bisher) weder zum Wandern noch zum Skifahren geht.

Vorbei sind die Zeiten der unbeweglichen Michelin-Männchen, als man sich noch in raschelnde Daunenjacken mit aufgepumpten Querrillen presste. Heute sind Daunenjacken in jeder denkbaren Optik zu haben, auch ohne sichtbare Steppnähte. Sie sind samtweich, anschmiegsam, passen in eine kleine Tasche und können bei Bedarf ohne Knitter wieder hervorgeholt werden. Und in die Waschmaschine dürfen sie meist auch.


Outdoor Jacke: Funktionalität trifft Design

Lange Zeit galt Funktionskleidung als nicht tragbar im Alltag, war dem Städter einfach zu starr, zu schwer, zu sportlich und auch nicht schick genug. Doch nun gibt es Daunenjacken, die Design und Funktionalität verbinden und dabei kaum mehr als eine Tafel Schokolade wiegen. Diese Ultra-Leichtgewichte passen in die Hosentasche und wärmen bei Bedarf dennoch ausreichend. Die anfänglichen Nachteile sind verschwunden, die Vorteile geblieben.

In den neuen, leichten Textilien sieht Klaus Lehner, Geschäftsführer der Bergzeit GmbH, den wesentlichen Grund für die wachsende Nachfrage im Bereich Urban Outdoor. Im ISPO-Interview sagt er: „Wer wollte vor zehn Jahren schon mit einer schweren, im Vergleich zu heute klobigen Regenjacke ins Kino gehen?

Einmal abgesehen von Dresscodes am Arbeitsplatz, schafft die moderne Sportbekleidung mit Funktionen wie Atmungsfähigkeit, schmutzabweisendem Finish oder Leichtigkeit einen echten Wohlfühlunterschied zur klassischen Jeans oder Jacke. Dazu kommt die zunehmende Individualisierung der Outdoor-Bekleidung durch junge Marken, aber auch durch mutige Experimente der etablierten Marken im Bereich der Outdoor Fashion.“

Neue Kaufanreize

Deutschland ist inzwischen der wichtigste Outdoor-Markt Europas. Der Umsatz 2014 betrug 2,7 Milliarden Euro, meldet der Branchenverband European-Outdoor-Group. Davon entfiel die Hälfte auf Bekleidung, und jeweils ein Viertel auf Schuhe und Ausrüstung. Ein Wermutstropfen: Die Zahlen stagnieren seit 2013, wenn auch auf hohem Niveau.

Nachdem die Funktionalität durch die Erfindung von Gore-Tex, Shell, Stretch und Fleece weitgehend perfektioniert ist, müssen sich die Hersteller neue Kaufanreize überlegen. Sie setzen nun massiv auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit, Stichwort: Lebend-Rupf verboten. Die Daunen für die Füllung von Funktionsjacken werden immer öfter "ethisch korrekt" gewonnen und entsprechend beworben.

Die Produktionsstätten befinden sich bestenfalls im eigenen Land und sichern hier Arbeitsplätze. Nylon wird zunehmend aus Pflanzen hergestellt, Shell aus Kork, Polyester ist bereits recycelt oder wieder recycelbar, Imprägnierungen kommen neuerdings ohne PVC und Fluorcarbone aus. Gefärbt wird ohne Wasser.

Mit sinkenden Preisen erobert sich Funktionskleidung mehr und mehr die Kundschaft bei Familien mit Kindern. Sie praktizieren schließlich am meisten "Urban Outdoor". Zum Spielen im Garten, Park oder Buddelkasten sind spezielle Outdoor-Jacken besonders praktisch, da schmutzabweisend und robust.

Sie können ohne Funktionsverlust in der Waschmaschine gewaschen werden und trocknen meist extrem schnell. Dass die Daunenjacke für Kids außerdem leicht, warm, winddicht, wasserdicht, atmungsaktiv und vielleicht noch nachhaltig erzeugt ist, erleichtert Eltern die Kaufentscheidung.


Die Optik macht den Unterschied

„Die ganze Welle von Gesundheit, von Fitness, Sport und ewiger Jugend hat seit einigen Jahren einen unglaublichen Einfluss auf die Mode“, sagt Michel Werner von der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“. Alles soll nach ein bisschen mehr Dynamik und Drive aussehen.“ Dieser Trend führt immer öfter zu sogenannten Casual-Hybriden, also einer Mischung aus klassischer Mode und Sporttextilien. Der Manager geht mit dem Sakko aus Funktionsmaterial ins Büro und trägt dazu klassische Budapester Schuhe mit sportlicher Sneakersohle.

Dieser Entwicklung folgend stehen bei vielen Herstellern von Funktionskleidung die Schnitte, die Farben, die Muster und die Haptik der Textilien mehr und mehr im Fokus. So sehen die Drucke aktuell aus wie grobgestrickte Wolle, wie Tierfell in verfremdeten Farben. Es dominieren gedeckte Grün- und Grau-Töne, kombiniert wird meist Ton in Ton.

Mit der gleichen Outdoor Jacke zur Arbeit oder zur Schule zu gehen, zum Shoppen, ins Kino oder Café und am Wochenende zur Winterwanderung ist Normalität geworden. In wenigen Jahren wird man sich kaum noch vorstellen können, dass das einmal anders war.  

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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