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 Actionreiche Ausrüstung
Ausrüstung | 28.11.2015

Innovative Drohnen im Wintersport

Kameradrohnen: Action von oben

Actionreiche Ausrüstung. Eine Drohne in winterlicher Waldlandschaft. (Quelle: Thinkstock)
Eine Drohne im Wintereinsatz.
Bild: Thinkstock
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Fliegende Filmemacher: Kameradrohnen haben es in die Welt der Sportgeräte geschafft. Extremathleten nutzen die Ausrüstung, um spektakuläre Aufnahmen von ihren Abfahrten und Abflügen machen. Die neuesten Modelle steuern sich sogar selbst. Was die verschiedenen Geräte können und wie die Marktsituation aussieht.

Mal schwebt sie ganz nah über dem Snowboarder, mal bewegt sie sich weiter in die Höhe, um aus der Entfernung zu zeigen, wie er den Hang hinabfährt. Die Aufnahmen, die Kameradrohnen von Sportlern machen und die man abertausendfach auf Youtube anklicken kann, sind beeindruckend.

Immer mehr Unternehmen bringen eigene Modelle auf dem Markt, um Actionsportler mit guten Bildern zu versorgen. Auf einem perfekten Stand ist die Technologie allerdings noch nicht.

Multikopter statt Drohne

Drohne, das ist kein schönes Wort, findet Holger Hirsch. Das klingt militärisch und so gar nicht nach spektakulären Filmaufnahmen in der Natur. Hirsch nennt die fliegenden Gerätschaften lieber Multikopter – und er kennt sich damit aus.

Der Rosenheimer ist professioneller Drohnenpilot und produziert eigene Filme und Werbevideos für große Unternehmen wie Adidas, Audi und Siemens. In seinem ehemaligen Job als Marketingfachmann in der Sportbranche wurde Hirsch bei Fotoshootings und Videodreharbeiten zum ersten Mal auf die Fluggeräte aufmerksam. Weil er sowieso schon ein leidenschaftlicher Modellflieger war, kam eins zum anderen.

Als selbständiger Copterpilot filmte Hirsch schon das Wrack der Costa Concordia und andere Bauwerke aus ungewöhnlichen Perspektiven. Außerdem arbeitet er regelmäßig mit Actionsportlern zusammen.  

Doch Multikopter ist nicht gleich Multikopter, erklärt Hirsch. Die fliegenden Kameras werden normalerweise über eine Fernsteuerung oder ein Smartphone gesteuert. Darüber hinaus könne man aber zwischen verschiedenen Typen unterscheiden.

"Es gibt Geräte für den privaten oder für den gewerblichen Gebrauch, einige Modelle haben eine eingebaute, andere eine Aufhängung für eine externe Kamera", sagt der Drohnenpilot.


Mehrere Achsen für wackelfreies Bild

Die Fluggeräte mit separater Aufhängung, dem sogenannten Gimbal, nutzen eher Profis. Um eine externe, professionelle Kamera überhaupt tragen zu können, sind sie deutlich schwerer als andere Drohnen. Die an mehreren Achsen bewegliche Vorrichtung für die Kamera sorgt für ein wackelfreies Bild. Dafür liegt dann auch der Preis schnell bei mehreren tausend Euro.

Bei den Multikoptern mit eingebauter Kamera hingegen reicht die Preisspanne von gut 200 bis deutlich über 1000 Euro. "Die günstigeren Modelle sind für einen netten Film für den Privatgebrauch vollkommen okay", sagt Hirsch, für eine professionelle Produktion müsse man dagegen mehr ausgeben.

Kleinflieger im Follow-me-Modus

Zu den etablierten Anbietern, zu denen allen voran das chinesische Unternehmen DJI gehört, gesellt sich im kommenden Jahr ein prominenter Name: GoPro will 2016 seine erste Drohne auf den Markt bringen. Ein wichtiges Element, die extremsporterprobte Kamera, bringt der Konzern schon mal mit. Auf dem Markt der Multikopter dürfte es also bald enger werden.

Trotzdem: Die ein oder andere Lücke könnte sich noch auftun. Da wären zum Beispiel die Drohnen mit Follow-me-Funktion, die seit dem vergangenen Jahr zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Modelle wie der Airdog, die Hexo+ oder Lily werden anders als herkömmliche Multikopter nicht von einer anderen Person gesteuert, sondern folgen Snowboardern, Surfern oder BMX-Bikern selbständig über ein GPS-Signal.

Raum für innovative Unternehmen

Doch die Geräte sind teuer – unter 1000 Euro geht nicht viel. Zudem existieren beispielsweise von Lily bislang nur ein Prototyp und Promo-Videos im Internet. Im Februar will der Hersteller, ein kalifornisches Start-up, damit beginnen, die vorbestellten Drohnen auszuliefern.

Auch an der technischen Umsetzung passt noch nicht alles, urteilt Experte Holger Hirsch. "Die Qualität der Aufnahmen ist noch nicht so smooth, wie man sich das als Profi wünschen würde."

Was auch für Laien schade ist: Die Multikopter im Follow-me-Modus halten stets den gleichen Abstand zum Sportler. Spektakuläre Perspektivwechsel sind bei diesen Geräten also noch nicht möglich. Hier ist noch Raum für schnelle und innovative Unternehmen.


"Es ist schon genial"

Neben Filmemachern wie Hirsch gehören auch Sponsoren und Sportler selbst zur potenziellen Zielgruppe für die Hersteller von Multikoptern. Mountainbiker Guido Tschugg hat sich schon zweimal für Sponsoren- und Making-of-Videos von einem pilotengesteuerten Multikopter filmen lassen. "Es ist schon genial, sich auf dem Bike aus so vielen verschiedenen Perspektiven zu sehen", sagt er. Die Bildqualität habe ihn beeindruckt. Gut möglich, dass man ihn und andere Actionsportler noch oft von ganz weit oben sehen wird. 

Felicitas Wilke schreibt für ISPO.com. (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Felicitas Wilke, Autorin
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