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 Diese Jacke ist aus Zucker – und hält trotzdem dicht
Textilien | 15.11.2015

Nachhaltige Textilien sind der neueste Outdoor-Trend

Outdoor-Jacke ist aus Zucker – und hält trotzdem dicht

Diese Jacke ist aus Zucker – und hält trotzdem dicht. Zwei Wanderer mit Outdoor-Jacken (Quelle: Bergans)
Die Eidfjord-Jacke im Outdoor-Test.
Bild: Bergans
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Nachhaltigkeit ist der große Trend der Kleidungsindustrie. Weltweit wächst der Stoffbedarf, diesen umweltschonend zu decken ist die Herausforderung. In der Natur zu sein und sie gleichzeitig schützen – das versprechen nun Bergans of Norway und Toray mit einer neuen Outdoorjacke.

Ein Meilenstein soll sie sein, die neue Version der ‚Eidfjord Jacket'. Für Naturliebhaber konzipiert, soll sie auch naturschonend sein. Die Outdoor-Jacke hat drei Lagen; die oberste Schicht besteht zu 30 Prozent aus ,Ecodear', einem pflanzenbasierten Polyester. Die Jacke ist ein Projekt der Outdoor-Kleidungsmarke Bergans of Norway und des japanischen Textilherstellers Toray.

Ecodear als kleine Revolution

Toray nutzt Melasse, ein Nebenprojekt der Zuckerherstellung, zur Gewinnung von ,Ecodear'. Setzt sich das Verfahren durch, wäre das ein bedeutender Schritt hin zu nachhaltiger Kleidung: Statt fossilem Öl verwenden die Produzenten verstärkt nachwachsende Rohstoffe.

Den Stoff ,Ecodear' gibt es seit 2013. Er wird nicht nur für Textilien genutzt, sondern beispielsweise auch für Laminate. Für Unternehmen, die mit Fasern und Harzen arbeiten, will Toray der Marktführer für umweltfreundliche Stoffe sein. Bisher besteht ,Ecodear' aus biobasiertem PET und Nylon als auch aus Fasern und Polyactide.

Textilhersteller Toray hat sogar noch ein weiteres ambitioniertes Ziel formuliert: Sie wollen die nachhaltige Entwicklung vorantreiben und in wenigen Jahren das Jackenmaterial zu 100 Prozent aus ressourcenschonenden Rohstoffen gewinnen – und damit vielleicht auch die Umweltpolitik anderer Hersteller beeinflussen. Die Maxime des Unternehmens ist es, neue Standards für die Gesellschaft zu schaffen.

Wachstumsmarkt nachhaltige Kleidung

Die Nachfrage für nachhaltige Kleidung steigt. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) gab Anfang 2015 Marktdaten für nachhaltige Bekleidung heraus. Demnach wuchs der Umsatz der deutschen Naturtextilwirtschaft von 2000 bis 2013 jährlich um durchschnittlich fünf Prozent. „In der Branche für nachhaltige Textilien hat sich ein Wandel vollzogen“, sagte IVN-Geschäftsstellenleiterin Heike Scheuer seiner Zeit. Dafür verantwortlich seien Veränderungen in der Messelandschaft und Öko-Verordnungen, aber auch Skandale und Katastrophen.

Da fossile Brennstoffe dem Ende entgegen gehen und zeitgleich der globale Energiebedarf immer weiter steigt, dürfte auch die Kleidungsindustrie immer stärker auf umweltfreundliche Stoffe setzen. Schon jetzt gibt es über 120 Umwelt- und Ökosiegel. Auch wenn es für Konsumenten schwer ist, da den Überblick zu behalten; es zeigt, dass das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnt.

Aufruf zum Testen

Um zu prüfen, ob das neue Modell der 'Eidfjord-Jacket' auch gut ankommt, haben die Entwickler die ISPO OPEN INNOVATION Plattform in Anspruch genommen. 2000 Leute hatten sich beworben, um die neue Jacke zu testen. 30 davon durften die Jacke mit auf Tour nehmen und sie anschließend anhand von Berichten, Kommentaren und Fotos beurteilen. Von Bergans gesponserte Athleten sowie Handelspartner des Herstellers waren ebenfalls Teil dieses Prozesses.

Die Bergans-Jacke "Eidfjord" im Test. (Quelle: Bergans)
Die Bergans-Jacke "Eidfjord" im Test.
Bild: Bergans

Wie die Entwickler nach dem Produkttest berichten, kam die Jacke in dieser Phase im Alltag, aber auch beim Fahrradfahren und Paragliding zum Einsatz. "In 34 Testberichten mit 37 Fotos und 31 Kommentaren zeigten sich die Tester beeindruckt von Wasser- und Winddichte der Jacke – auch unter extremen Bedingungen", heißt es zum Test. 

Kleine Kritikpunkte wie die Größe der Jacke wollen die Hersteller in der Serienproduktion beheben. Die ‚Eidfjord-Jacket’ soll funktions- und leistungsstark sein – und damit dem bisherigen, wenig fortschrittlichen, Image von Ökomode entgegenwirken.

Diskussion in der ISPO COMMUNITY

Nach der ersten Testphase bauten Bergans of Norway und Toray auf Crowdsourcing und fragte die komplette ISPO COMMUNITY nach Ideen für das Produkt. Viele Vorschläge gingen dabei in die Richtung von CSR (Corporate Social Responsibility).

Beispielweise sollten die Hersteller bei den Händlern die Möglichkeit bieten, die alte Jacke zum Recyceln abzugeben. Bei den Transportwegen möglichst viel CO2 einzusparen war ebenso ein Hinweis wie der, Social Events zu veranstalten, bei denen man gemeinsam – Hersteller und Kunden – Wälder säubert und Bäche entrümpelt.


Wunsch nach Transparenz

Transparenz war der Community ein besonderes Anliegen: Detaillierte Angaben darüber, welche Stoffe in welchen Mengen bei der Produktion verwendet wurden, hielten sie als besonders wünschenswert.

Zudem sollten die Hersteller ihren Vorsprung in Sachen Sustainability deutlich kennzeichnen – unter anderem mit Informationen darüber, wie viele Rohstoffe die Produktion einer herkömmlichen Jacke verbraucht. 

Die neue Version der ‚Eidfjord-Jacket’ – benannt nach einer Stadt in Norwegen – ist inzwischen in Serienproduktion gegangen und ist ab Sommer 2016 im Handel. Die Jacke kostet mit 380 Euro rund 90 Euro mehr als Vorgängermodell ohne ,Ecodear'. 

Jasper Ruppert (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Jasper Ruppert, Autor
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