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 Wynton Rufer: „Fußball-WM in China wäre wichtiger Schub“
China | 20.07.2017

Ex-Bundesliga-Profi auf der ISPO SHANGHAI

Wynton Rufer über Fußball und Vermarktung in Asien: „WM in China wäre ein wichtiger Schub“

Wynton Rufer: „Fußball-WM in China wäre wichtiger Schub“. Ex-Fußballprofi Wynton Rufer arbeitet derzeit unter anderem als FIFA-Ambassador. (Quelle: Imago)
Ex-Fußballprofi Wynton Rufer arbeitet derzeit unter anderem als FIFA-Ambassador.
Bild: Imago
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Der FC Bayern München tut es, der FC Schalke 04 ebenfalls. Sogar in ganz Europa gehört es bereits zum guten Ton: die Promotion-Reise nach China. Aber wie steht es um den Fußball in China? ISPO.com sprach auf der ISPO SHANGHAI 2017 mit FIFA-Ambassador und Ex-Bundesliga-Profi Wynton Rufer – und der plädiert für eine Weltmeisterschaft in China.

Seit ein paar Jahren haben die großen Fußball-Klubs in Europa China als neuen wichtigen Absatzmarkt für sich entdeckt und buhlen nun mit medienwirksamen Auftritten um die Gunst des Riesenreichs.

Zeitgleich streckt China seine Fühler in Richtung Westen aus und sucht sich professionelle Hilfe, um die eigene Liga und die chinesische Nationalmannschaft weiterzuentwickeln.


Wynton Rufer: Vom Bayern-Schreck zum FIFA-Ambassador

Während der ISPO SHANGHAI fand zu diesen Themen ein Football Talk statt, bei dem unter anderem Ex-Bundesliga-Profi und FIFA-Ambassador Wynton Rufer als Experte zugegen war.

Der Neuseeländer, sechs Jahre in Diensten des SV Werder Bremen und mit acht Toren in zwölf Duellen gegen den FC Bayern München ein echter Bayern-Schreck, kennt sich nicht nur in der deutschen Bundesliga aus, sondern verbrachte auch zwei Jahre in Japan bei JEF United Ichihara.

Aktuell tritt „Kiwi“ Rufer als FIFA-Ambassador und Kooperationspartner der DFL im asiatisch-pazifischen Raum auf. ISPO.com sprach mit dem 54-Jährigen über den Stellenwert des Fußballs in China, wie das Wettrüsten in der chinesischen Super League eingedämmt wird und welche Pläne die DFL in Asien hat.

Wynton Rufer (2.v.l.) beim ISPO SHANGHAI Football Talk 2017. (Quelle: Florian Pertsch/Messe München GmbH)
Wynton Rufer (2.v.l.) beim ISPO SHANGHAI Football Talk 2017.
Bild: Florian Pertsch/Messe München GmbH

ISPO.com: Herr Rufer, Sie sind ein Ex-Bundesliga-Stürmer und jetzt FIFA-Ambassador. Wie kam es da zur Zusammenarbeit mit ISPO und letztlich dem Auftritt auf der ISPO SHANGHAI?
Wynton Rufer:
Während meiner Zeit als Bundesliga-Profi bei Werder Bremen war ich jedes Jahr zu Sponsorenterminen auf die ISPO MUNICH eingeladen. Die Verbindung besteht also bereits seit 20 Jahren. Der jetzige Kontakt und das Engagement in Shanghai kamen über einen gemeinsamen Freund in München zustande, und es ist ein sehr schönes Wiedersehen.

Sie sind dem Fußball auch nach Ihrer aktiven Zeit treu geblieben und arbeiten als FIFA-Botschafter. Wie sehen Ihre Aufgaben in dieser Rolle aus?
Ich arbeite in der Technical Study Group, die seit sechs Monaten von Marco van Basten geleitet wird. Nach jedem Turnier gibt es ein ausführliches Statistik-Buch, welches von ehemaligen Spielern oder Trainern erstellt wird.


Zuletzt war ich beim Confederations Cup in Russland, bei dem die Deutschen mal wieder ihre Klasse bewiesen haben. Zusätzlich stand bei der Technical Study Group das Thema Video Assistant Referee (Video-Schiedsrichter Anm. d. Red) im Fokus.

Es lief vielleicht noch nicht alles reibungslos, aber insgesamt ist der Video-Schiedsrichter eine Verbesserung für den Fußball.

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Die Stars der Chinese Super League


Wynton Rufer: „Entwicklung im globalen Fußball  ist nicht aufzuhalten“

Sie erwähnten während des Football Talks, dass Sie auch bei einem Projekt der DFL mitarbeiten. Was sind die Inhalte?
Die Bundesliga will ihren Bekanntheitsgrad im Ausland vergrößern und ich bin einer der Botschafter, der die DFL im asiatisch-pazifischen Raum bei diesem Vorhaben vertritt. China ist ein großer Markt und gerade im Hinblick auf den im November 2016 zwischen Deutschland und der Volksrepublik China geschlossenen Fußball-Kooperationsvertrag immens wichtig.

Hier erfahren Sie mehr zum Fußballabkommen zwischen China und Deutschland.

Ein Teil dieser Zusammenarbeit ist auch die Eingliederung der chinesischen U20-Nationalmannschaft in die deutsche Regionalliga Südwest...
Richtig. Politisch ist das momentan ein stark diskutiertes Thema, und ich kann den Unmut der kleinen Klubs in der Regionalliga gut verstehen. Ich bin aber auch der Meinung, dass Deutschland und der DFB die kleinen Fußballnationen unterstützen sollte. Global gesehen ist diese Entwicklung nicht aufzuhalten.

In den Medien wurde unter anderem spöttisch von der Regionalliga Fernost gesprochen. Die Globalisierung ist in der Tat allgegenwärtig, aber wo ziehen Sie hier die Grenze?
Schwer zu sagen. Da dürfte es mit Sicherheit viele verschiedene Meinungen und lange Diskussionen geben. Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass die kleinen Nationen nach vorne gebracht werden müssen.

Ich habe jetzt über 20 Jahre Fußball-Entwicklungsarbeit in Neuseeland gemacht, und der Lohn waren sieben Spieler aus meiner Fußballschule beim Confederations Cup. Das Modell können sie hier in China gerne übernehmen.

Wie drei Bundesliga-Teams in der Sommerpause um Anteile am chinesischen Fußballmarkt buhlen

Als Spieler wurde Wynton Rufer mit Werder Bremen Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger. (Quelle: Imago)
Als Spieler wurde Wynton Rufer mit Werder Bremen Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger.
Bild: Imago


Ende des Transfer-Booms hilft Chinas Nationalteam

China investiert bereits massiv in Infrastruktur und Nachwuchsförderung, die veröffentlichten Zahlen sind enorm. Wie bewerten Sie die Bemühungen?
Ähnlich wie beim bereits erwähnten Video-Schiedsrichter wird es sicher zwei, drei Jahre dauern, bis sich diese Maßnahmen etabliert haben. 50.000 Fußballplätze und 20.000 Fußball-Akademien, das ist der richtige Weg – und Geld hat China dafür sicher genug. 

Sie wollen als Unternehmen den Schritt nach China wagen? Hier erfahren Sie mehr zum Market Introduction Program for China.

In der heimischen Super League galt lange Zeit: Je größer Name und Transfersumme des verpflichteten Spielers, umso besser. Das Geldausgeben kannte keine Grenzen. Nicht gerade optimale Bedingungen für chinesische Nachwuchsspieler...
China lernt aus seinen Fehlern. Nach dem 50 Millionen Transfer von Carlos Tevez gibt es jetzt eine Regel, dass bei einem Transfer eines ausländischen Spielers der gleiche Betrag noch einmal als Steuer an den chinesischen Fußballverband gezahlt werden muss.

Zusätzlich gibt es eine Ausländer-Beschränkung. Es werden also die richtigen Entscheidungen getroffen – und sie werden schnell getroffen.


Glauben Sie, dass die Super League schon bereit ist, ohne die großen internationalen Stars bestehen zu können?
Am Anfang waren die großen Namen sicher notwendig, ähnlich wie bei der J-League in Japan. Da wurde auch ein Pierre Littbarski verpflichtet, viel Geld investiert. Aber über die Jahre hat sich das verändert. Mehr Geld in die Jugendarbeit und jetzt kommt die J-League ohne große internationale Namen gut zurecht.

Im Übrigen ist der Wandel in der Jugendarbeit in Deutschland auch noch nicht so lange her. 1998, 2000 war Deutschland am Boden, und dann kamen Ex-Spieler wie Matthias Sammer und haben etwas verändert. 


China Staatspräsident Xi Jinping ist ein ausgewiesener Fußball-Fan und treibt die Förderung des Sports rasant voran. Die Nationalmannschaft soll zum Stolz des Landes werden. Wie weit ist China von den Wünschen des Staatsoberhauptes noch entfernt?
Das dürfte wohl noch ein wenig dauern. Mit etwas Glück ist China aber immerhin bei der WM 2022 dabei. Auch hier wieder ein guter Vergleich mit Japan und Südkorea. 1992 wurde die Profiliga gegründet und sechs Jahre später waren beide Teams bei einer WM dabei – und qualifizieren sich seitdem regelmäßig für die Weltmeisterschaft.

Es ist einfach ein zeitintensiver Prozess. Eine Fußball-Weltmeisterschaft in China wäre für den Sport ein wichtiger Schub.

Welcher Sport ist in China populär? Hier geht es zu den beliebtesten Sportarten...

Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
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